Jahrgang 
1867
Seite
447
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das abhängige Verhältniß des Weibes und die unbeſchränkte Herrſchaft des Mannes; er iſt ihr Gebieter, ſie muß gehorchen, und verſäumt ſie, ſich in ſeinen Willen zu fügen, dann fallen die Peitſchenhiebe von neuem in ungleich größerer Anzahl. Sobald aber die Braut in die Stube getreten iſt, ver⸗ fährt der Bräutigam mit ihr ſchon freundlicher. Er legt ihr Brot und Kolatſchen auf den Kopf, eben ſo Obſt und andere Eßwaaren. In dieſem Gebrauche liegt der Wunſch ange⸗ deutet, daß dem jungen Paar niemals im Leben das Brot

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nöthigt die Braut, ein Bischen davon zu nehmen; er thut daſſelbe, und Beide wünſchen ſich nun gegenſeitig, daß ihr Leben eben ſo ſüß und angenehm verfließe, wie es der Honig iſt.

Am andern Tage ſehen wir ſchon die junge Frau mit einem weißen Leinwandſtücke auf dem Kopfe heiter daher gehen. Sie tritt hier und da in ein Haus ein, wird von ihren Bekannten und Verwandten freundlichſt empfangen und mit herzlichen Glückwünſchen überhäuft.

ausgehen möge. Darauf braten Bräutigam und Braut ein Ei, das ſie zum Zeichen künftiger Gemeinſchaft mit einander theilen. Endlich greift der Bräutigam zum Honigtopfe und

Feuil

Die Schlacht bei Roßbach.

Der vorjährige Krieg bezeichnet wiederum einen bedeutſamen Abſchnitt in dem Leben des deutſchen Volkes, und mit blutigem Griffel ſind die tiefernſten Thaten verzeichnet im Buche der Geſchichte. Daß der Deutſche aber auch mitten in den Mühſeligkeiten des Marſch⸗ und Lagerlebens, mitten unter den ſauſenden Kugeln, ſeinen Humor nicht ganz einbüßt, haben wir auch diesmal geſehen, und derHaus⸗ freund hat ſchon gar manche ergötzliche Scene in Wort und Bild nach den Verichten von Augenzeugen aus dem letztem Feldzuge dar⸗ geſtellt. Und ſo war es immer, wo ſich die Deutſchen herumſchlugen. Kann man ſich etwas Komiſcheres denken als die Schlacht bei Roß⸗ bach! Man betrachte nur einmal unſere Illuſtration, welche eine Epiſode aus dieſer Schlacht darſtellt. Es ſind wahre Prachtkerle, dieſe Huſaren, wie ſie da über das Feld geſprengt kommen, und mit tollem Uebermuthe Perrüken und Ordensbänder aus dem auf kopf⸗ loſer Flucht von den Franzoſen fortgeworfenem Gepäck hervorgabeln, oder den mit ihren ſchwerfälligen Caroſſen zurückgebliebenen, vor Angſt halbtodten Maitreſſen ironiſche Kußhände zuwerfen. Das iſt für⸗ wahr eine luſtige Schlacht, wo man keinen Feind, nur Haſen vor ſich hertreibt. Selbſt aus dem einen franzöſiſchen Herrn in reicher Uniform, eine hohe Charge verrathend, welcher mit gezogenem Degen neben ſeiner umgeworfenen Kutſche ſteht, machen ſich die kühnen Reiter gar nichts. In wildem Galop jagen ſie dahin, wo ſich die Spuren des Feindes zeigen. Das Original zu unſerer Illuſtration iſt mit großer Meiſterſchaft von Profeſſor Deetz in Stuttgart aus⸗ geführt. Und wenn man es betrachtet, denkt man unwillkührlich des luſtigen Refrains aus jener Zeit:

Und wenn der große Friedrich kommt ꝛc.

Die Ruinen des Diana⸗Tempels zu Epheſus.

Der Ehrgeiz hat zu allen Zeiten ſeine Drachenzähne in Menſchen⸗ köpfe geſäet, aber wol kaum iſt er in irgend einem Individuum zu ſolcher Raſerei geſtiegen, wie in jenem Manne des Alterthums, der ein unerſetzliches Kunſtwerk zerſtörte, nur um ſich einen Namen zu machen. Der Aberwitzige verwechſelte die Worteberühmt und berüchtigt, oder dachte vielmehr, beide kämen auf eins heraus. In der lateiniſchen Sprache freilich gibt es nur einen Ausdruck für die zwei Gegenſätze: famosus; doch vom Lateiniſchen wußte die in Rede ſtehende Perſönlichkeit nichts, denn ſie war eine Misgeburt Griechenlands und lebte, als die Söhne Roms noch in keine wiſſen⸗ ſchaftliche Berührung mit den Hellenen gekommen waren.

Heroſtratos hieß das Scheuſal. Seine Heimat war Epheſus,

Kleinaſien, derſelbe Ort, an dem die chriſtliche Paulus ſich

Brief richtete. aufzuweiſen,

Diana gleich, der, ſieben Weltwundern beigezählt wurde. 6. Jahrhundert v. und ſeinem Sohn König Kröſus von und Städten die erſten Koſten gedeckt;

128 Säulen von 60 Fuß Höhe, trugen das herrliche Dach. ſollte es den Sterblichen zur der Nacht zum 6. Februar,

donien geboren ward, führte jener fall aus, den Tempel in Brand zu ſtecken,

in der Alexander der Große von Mace Heroſtratos ſeinen verrückten Ein um eben, wie er ſelbſt au

die Hauptſtadt Joniens und zugleich der vorzüglichſte Stapelpatz für Legende die Mutter Jeſu und den Evangeliſten Johannes ſterben läßt, und wo der Apoſtel zwei Jahre aufhielt, während deren er die Gemeinde ſtiftete, an welche er ſpäter den aus dem Neuen Teſtament bekannten Das alte Epheſus hatte eine Menge Prachtgebäude doch keins kam an Berühmtheit dem Tempel der zwiſchen Stadt und Hafen erbaut, den ſogenannten Das Rieſenwerk war im Chr. durch den Baumeiſter Cherſiphron von Knoſſos Metagenes begonnen worden; der ſagenhaft reiche Lydien hatte nebſt andern kleinaſiatiſchen Fürſten allein die Unternehmer ſahen die Vollendung des Koloſſes nicht, der erſt um 400 v. Chr. den Schlußſtein erhielt durch die Architekten Demetrius und Päonius. jede aus Einem Steinſtück gearbeitet,

Indeß kaum ein halbes Jahrhundert Augenweide dienen: denn ſchon 356 in

Nach einer Woche wird im, Hauſe der Aeltern der Braut noch ein Freudenmahl gegeben, und damit ſchließt die Hoch⸗ zeit ab.

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leton.

der Folter bekannte, eine unſterbliche Größe zu werden. Seine Lands⸗ leute ſuchten in gerechtem Zorne den Zweck des Frevlers zu vereiteln, indem ſie beſchloſſen, ſeinen Namen nie mehr zu nennen und ſo ſein Andenken auszulöſchen. Doch Männer haben gut beſchließen, wo es Weiber gibt. Die Zungen des ſchönen Geſchlechts waren damals Geheimniſſen gegenüber ſchon genau ſo beſchaffen wie heutzutage. Der Schriftſteller Theopompos erfuhr den Namen Heroſtratos und brachte ihn in der That auf die Nachwelt.

Der Tempel ſelbſt erſtand zwar wieder aus dem Schutt, und zwar noch prächtiger als das erſte Mal. Das Verdienſt ſeiner Wieder⸗ herſtellung gebührt dem kunſtreichen Leiter des Baues, Dinokrates. In der zweiten Geſtalt prangte die großartige Schöpfung über vier Jahrhunderte. Der römiſche Kaiſer Nero, der 68 n. Chr. an der⸗ ſelben ekelhaften Krankheit zu Grunde ging, die in unſerm Zeitalter das Ende des Königs Ferdinand I. von Neapel herbeiführte(der auch Nero's würdiger Nachfolger als Regent und Menſch war), be⸗ raubte den epheſiſchen Tempel ſeiner ungeheuren Schätze, und die barbariſchen Gothen warfen 262 n. Chr. auf's Neue die Brandfackel hinein. Nie wieder ſtieg der geſunkene Bau himmelwärts. Nichts blieb von ihm übrig, was Zeugniß ablegt von ſeiner einſtigen Größe, als die dürftigen Trümmerreſte, deren naturgetreues Abbild der Hausfreund heute ſeinen Leſern gibt. Aus der Tiefe des Bildes erklimmt der Vollmond ſeine ewige Bahn und ſchaut ſpottend durch eines der Säulenthore, ſpottend über das vergebliche Trachten der Menſchen, Unvergängliches aufzurichten auf dem Boden der Ver⸗ gänglichkeit. Otto Girndt.

** Prinz Maximilian.

Am 3. Februar d. J., dem vierundfunfzigſten Jahrestage der Erhebung der Freiwilligen Preußens zum Kampf gegen Napoleon I., ſtarb Prinz Marimilian zu Wied nach kurzem Krankenlager.

Prinz Maximilian(geb. 1782) war der achte Sohn des Fürſten Friedrich Karl zu Neuwied. Neben ſeinen ſonſtigen trefflichen Eigen⸗ ſchaften zeichnete er ſich durch hervorragende naturwiſſenſchaftliche und ethnographiſche Kenntniſſe aus. Schon früh wurde in ihm der Wunſch rege, Amerika zu beſuchen. Da brach der Krieg Preußens gegen Frankreich aus, der Prinz trat in preußiſche Dienſte und nahm an der verhängnißvollen Schlacht bei Jena Antheil. Er gerieth in franzöſiſche Gefangenſchaft, wurde aber bald wieder ausgewechſelt und lebte nun in Neuwied ganz ſeinen Studien und den Vorbereitungen zu ſeiner Reiſe nach Braſilien. Die Ausführung derſelben wurde bis nach Beendigung des Freiheitskrieges, an dem der Prinz thätigen An⸗ theil nahm, aufgeſchoben. Erſt nach dem Pariſer Frieden verließ er Europa. Nach zweijährigem Aufenthalt im Innern Braſiliens kehrte er nach Neuwied zurück und gab die erſte kurze Beſchreibung in Oken'sIſis heraus.

Nach ſeiner Rückkehr beſchäftigte ſich Prinz Maximilian vorzüg⸗ lich mit der Sichtung der großen Ausbeute, welche ſeine Reiſe ihm gebracht hatte. Sodann ſchrieb er ſeineReiſe nach Braſilien in den Jahren 1815 17(Frankfurt bei Brönner, 1819 1820, 2 Bde.), Abbildungen zur Naturgeſchichte Braſiliens(Weimar, 1824 1833. 4 Bde.). Im Jahre 1832 trat der Prinz ſeine zweite Reiſe nach Braſilien an. Raſtlos durchwanderte er mit wenigen Begleitern die Urwälder und kehrte erſt im Spätſommer 1834 nach Europa zurück. Unterwegs verlor er leider den größten Theil ſeiner neuen und reichen Sammlungen durch den Brand des Ohio⸗Dampfers, auf welchem ſich dieſelben befanden. Dennoch hinterläßt er einen Schatz von 500 Arten der ſeltenſten Fiſche, 400 Säugethieren, 1600 Vögeln und 400 Reptilien. Die Wiſſenſchaft hat die Verdienſte des fürſtlichen Natur⸗ forſchers allſeitig anerkannt. Eine ſehr lebendige, kurze Darſtellung ſeines Lebens und ſeiner Reiſen, welche wir unſern Leſern warm

empfehlen, befindet ſich in einer ſoeben erſchienenen Broſchüre.Zum Andenken an Prinz Maximilian zu Wied, von Dr. Th. Wirtgen. (Neuwied und Leipzig, 1867. J. H⸗ Heuſer'ſche Luchhrithe.

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