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eine ſehr kunſtvoll gedrehte Branntweinflaſche, die Czutra heißt und bis zum Halſe mit Branntwein gefüllt iſt. Ihre Pferde ſind mit Blumen oder mit kleinen Tannenzweigen geſchmückt; über das rechte Ohr des Thieres hängt dagegen ein buntes, meiſt jedoch ein rothfarbiges Tuch, das zierlich im Winde flattert. So ziehen die Burſche von einem Bekannten zum andern. Langen ſie vor einem Hauſe an, und zeigt es ſich, daß die Hausthüre nicht offen ſteht, wie dies im Sommer meiſtens der Fall iſt, dann wird keineswegs an die Thüre gepocht. Ein paar Peitſchenhiebe auf das niedere Dach oder, wenn dieſes doch einer etwas namhafteren vertikalen Dimen⸗ ſion ſich erfreut: ein Peitſchenknall vom Pferde herab gibt
das Zeichen, daß einladende Burſchen angekommen ſind. In der Regel tritt jetzt der Freund oder Bekannte aus dem Hauſe; flugs wird die Branntweinflaſche vom Arm gezogen und dem Herauskommenden gereicht. Jetzt zeigt es ſich, ob dem⸗ ſelben die Einladung willkommen iſt oder nicht; denn wenn er die Flaſche annimmt, ſo gibt er damit das Zeichen ſeiner Theilnahme an der Hochzeitsfeier; verſchmäht er dagegen die Flaſche, dann iſt auf ihn nicht weiter zu rechnen. Dieſer Bekannte oder Verwandte hat ſeine Gründe, auszubleiben.— Sowol der Braut wie dem Bräutigam ſteht es frei, Hochzeits⸗ gäſte einzuladen; jedoch darf die Braut blos Frauen und Mädchen, der Bräutigam dagegen ausſchließlich blos Männer zum Ehrentage bitten.
Am Tage der Trauung wird die Stube hie und da mit grünen Tannenzweigen herausgeputzt, ebenſo das Dach des Hauſes und das Thor des Hofes. Zur beſtimmten Zeit ſammeln ſich die Hochzeitsgäſte und gehen oder fahren in Ochſen⸗Equipagen, indem alle Thiere mit Sacktüchern und Tannenzweigen geſchmückt werden. Mit einem unbändigen
Lärm, Schreien und Schießen wird der Gang gemacht, in der Kirche dagegen mit der größten Andacht das Gebet ver⸗ richtet, der Boden geküßt und der ganzen Trauungsceremonie beigewohnt, den der ſonderbar angethane, nach griechiſchem Ritus gekleidete Prieſter unter der Aſſiſtenz ſeines Deaken (Kirchenſängers) ungleich weniger feierlich als mechaniſch und raſch vornimmt. Während des Trauungsactes ſteht die Braut mit einem Tuch derart bedeckt, daß ihr Geſicht meiſtens ganz verhüllt bleibt. Erſt nach der Trauung wird es ihr vom Kopfe genommen und gegen eine Haube vertauſcht. Dieſe Verhüllung des Geſichtes, die manchmal ſo weit geht, daß ſelbſt Bruſt und Nacken der Braut vollſtändig bedeckt
werden, hat zu mancherlei luſtigen Verwechſelungen Anlaß gegeben.
Ein Bauer aus der Luptſchina im ſüdlichen Theil der Bukowina z. B. hatte drei Töchter, Eudokia war die älteſte, Makrina die jüngſte. Der Bauer hieß Iſak Lupul, was ſo viel bedeutet wie Iſak der Wolf. Ein junger Mann im Dorfe hatte das Unglück, ſich in die Makrina zu verlieben. Aber lächerlich!— jedes Kind konnte ihm ſagen, daß er trotz ſeiner Jugend, ſeiner Schönheit, ſeiner Wohlhabenheit, ja ſogar trotz der Liebe ſeiner Auserwählten und der leidenſchaft⸗ lichſten Zuneigung ſeiner Schwiegerältern in spe den Beſitz Makrina's dennoch nicht erlangen werde, es ſei denn, daß der junge Mann, der Andronik hieß, ſich um zwei andere junge Leute umſehe, die Eudokia, die älteſte, und Paraskiwa, die mittlere Tochter zu heirathen ſich entſchlöſſen. Denn es iſt und bleibt einmal bei dem romäniſchen Volke der merkwürdige Gebrauch, daß die Töchter nur von der älteſten begonnen der Reihe nach heirathen dürfen.
Eines Tages faßt Andronik dennoch die nöthige Cvurage


