die Mandelblüte im Schner, und dieſe tadelloſe Büſte, in er ſeit der Firmung ſe kein Herz mehr ewnn— dieſes ganze herrliche Gebäude meiner Schönheit iſt ein Ver⸗ mögen werth: dieſes Auge will ſich in Brillanten ſpiegeln, diefer Mund will in Champagner ſchwelgen, dieſer Fuß iſt zu ſchade, um mit dem harten Trottoir in Berührung zu kommen und verlangt alſo eine fürſtliche Equipage, und dieſe wundervollen Contouren meiner Glieder können nur auf weichen Cauſeuſen gedeihen.
Dieſe Lectüre trägt jede Pariſerin an ſich. herum, und ſelbſtverſtändlich kann ſie nur in Goldſchnitt geleſen werden.
Derſelbe Fuß, der da ſo zierlich und elaſtiſch über das Trottvir ſchreitet, hat vielleicht ſchon Millionen gekoſtet; die zierliche kleine Hand, die dort über die Boulevards kutſchirt und ſo entſchloſſen die feurigen Roſſe lenkt, oder mit ſo viel die Reitgerte dieſe Hand hat vielleicht ſchon zwei oder drei reiche Onkel umgebracht, zehn leichtſinnige Söhne in's Verderben geſtoßen, und jener blühende, luſtige, junge Mann, der an ihrer ſchon 6 vier Wochen in Clichy, dem Schuldgefängniß, oder
*
lebens⸗ Seite reitet, ſitzt vielleicht
— 14„—
ſchießt ſich, wenn der letzte Napoleond'or verthan iſt, eine Kugel vor den Kopf.
So ſteigt dieſer zierliche, dieſer beneidenswerthe kleine Fuß über Leichen und Verderben dahin, bis er ſelber müde wird und arm und gelähmt eine ſchwindſüchtige Bruſt ins Maison de santé trägt; dieſelbe Bruſt, die einſt ſo viel Wonnen geſpendet und zum erſten Mal ihr Herz wieder klopfen hört, aber ſo ängſtlich wie den Hammer, der den Nagel in den Sarg ſchlägt.
So ſpringt dieſer ſelbe zierliche Fuß, wenn er Jahre lang über Millionen hinweg geſchritten, zuletzt wol ſelbſt, ver⸗ laſſen von Allen, in Verzweiflung vom Seine⸗Ufer in die kalte Flut.
Endloſes wäre über die Carriere des Pariſer Frauen⸗ fußes zu ſchreiben! Wer kennt nicht jene Unglückliche, die, nachdem ſie die Wonne von Fürſten und Millionären geweſen, bis zur niedrigſten und elendeſten Stufe des pariſer Zigeuner⸗ lebens hinabſank und in wildem Galgenhumor täglich nach der Morgue lief, um zu ſehen, ob ihre Leiche noch nicht dort angekommen ſei! Hans Wachenhuſen.
—
Romäniſche Dorfhochzeiten.
Skizze von Ludwig Adolf Staufe⸗Simiginowicz.
Im Südoſten der öſterreichiſchen Monarchie darf man das romäniſche Volk als dasjenige bezeichnen, welches die Aufgabe hat, in ſeinen Sitten, Gebräuchen, Anſchauungen und Gewohnheiten, in ſeinen Bildungsſtadien und Culturbe⸗ ſtrebungen den Uebergang zu vermitteln, der dem Oecident in ſeiner Culturblüte nicht minder als dem Orient in ſeiner urwüchſigen Rohheit als ein nothwendiges Bindemittel der dient. Die untern Schichten des du Volkes gehören in dieſer Beziehung noch vollends dem Orient an; in den höhern Kreiſen dagegen finden ſich Elemente, die bezüglich ihres Bildungsgrades dem Weſten gewiß ganz eben⸗ bürtig ſind, wenn ſie ſich bisher auch nicht in großartigen und Epoche machenden ichteriſchen oder fachgelehrten Werken auszuſprechen Gelegenheit nahmen.
Die Romänen ſind Nachkommen der Römer, die ſich mit den Dakern vermiſchten. Darum nennen ſie ſich auch heute noch gerne Dako⸗Romanen. Die Romänen bewohnen in Oeſterreich Siebenbürgen, Ungarn, Banat und Bukowina; außerhalb Oeſterreich und den Donaufürſtenthümern Moldau
und Walachei: die ruſſiſche Provinz Beſſarabien und die türkiſchen Länder Serbien, Bulgarien, Macedonien und Theſſalien.
Sie bilden einen ſchönen Volksſtamm. meinen hübſch geſtaltet, von ſchlanker Höhe und mit breiten Schultern verſehen. Die Geſichtsbildung iſt gewöhnlich ſehr an— ſprechend und oft von hohem Adel, insbeſondere bei Frauen. Der Teint iſt bei beiden Geſchlechtern dunkel, ältere Frauen bekommen häufig einen ganz deutlich merkbaren Anflug von Schnurr- und Backenbärten.
In höhern Kreiſen liebt man einen unbändigen Luxus, und wird die Seide, der Sammt, das koſtbarſte Pelzwerk niemals abgelegt. In den untern Volksſchichten iſt man da⸗ gegen froh, wenn man im Stande iſt, die natürlichen Blößen zu decken, was übrigens äußerſt dürftig geſchieht.
So haben die romäniſchen Bäuerinnen in der Bukowina blos zwei Stücke, aus welchen ihr nationaler Anzug beſteht: das Hemd und den durchgehends rothbraunen Unterrock. Der⸗ ſelbe wird aus ſelbſtgeſponnener Wolle auch ſelbſt gewebt, dann über die Hüften geſpannt und weder durch eine Hafte noch durch eine Binde oder einen Knopf an dem Körper be⸗ feſtigt. Die obern Säume werden blos übereinander geſtülpt und feſt ineinander gedreht. Dieſe äußerſt primitive Kleidung ſteht dieſen Damen mitunter ſehr reizend, um ſo mehr, als ſie meiſtens durch ſchöne Formen und allerliebſte Geſichter gehoben wird.
Er iſt im allge—
Anderwärts iſt die Tracht von dieſer verſchieden und complicirter, doch nirgends ſo originell wie im genannten Lande.
Auch in Hinſicht ſeiner Wohnungen iſt der größte Theil dieſes Volkes in einem beinahe unglaublichen Urzuſtand. Hölzerne Häuſer, die zumeiſt aus ungezimmerten Baum⸗ ſtämmen zuſammengefügt und mit Lehm überworfen werden, ſind in Städten und Dörfern überall anzutreffen. Abweichun⸗ gen von dieſem Gebrauch charakteriſiren ſich als viel elendere Lohnſtätten, indem ſie ſich als in die Erde gegrabene Löcher mit einem Stroh- oder Bretterdach verſehen, präſentiren. Der Edelmann baut dagegen herrliche Paläſte, die jeder Stadt alle Ehre machen könnten. Sauberkeit und Ordnung jedoch ſind darin wenigſtens nicht geſuchte Artikel.
Dieſe geringen Andeutungen über das Volk der Romänen mögen zum Verſtändniß der nachfolgenden Schilderungen genügen.—
Geben Aeltern ihrer Tochter die Einwilligung zur Heirath, ſo erſcheint der Bräutigam im Hauſe ſeiner zukünftigen Schwieger⸗ ältern, und nach einer langen und breiten Rede wird das Ge⸗ ſpräch auf die Tochter gerichtet. Ohne weitere Umſtände fragt der Bräutigam, ob das Mädchen zur Mitgift etwas bekomme. Nun werden die zur Mitgift beſtimmten Dinge dem Bräuti⸗ gam vorgezählt, und wenn er damit zufrieden iſt, wird die Sache als entſchieden betrachtet. Hier iſt zu bemerken, daß die romäniſchen Mädchen nur zu oft ſchon in ihrem vierzehnten Jahre heirathen, und daß Jungfrauen, die kaum das zwanzigſte Lebensjahr zurückgelegt haben, ſchon für alt angeſehen werden. Iſt der Handel abgeſchloſſen, dann wird die Verlobung gefeiert und das junge Paar nach dem allgemeinen Gebrauch der chriſt⸗ lichen Kirche dreimal öffentlich verkündigt. In dieſer Zeit wird die Braut häufig vom Bräutigam beſucht, und von ihm mit Schafkäſe, Butter, Milch und Obſt reichlich beſchenkt. Von
den nächſten Verwandten des Bräutigams dagegen werden der
Braut Stiefel gekauft und ſonſtige Geſchenkſtücke, die jederzeit von allerlei geflochtenem Backwerk begleitet werden. Die Vor⸗ kehrungen zur Hochzeit, die indeß beginnen, nehmen die ganze Thätigkeit der Hausfrau in Anſpruch.
Zwei oder mehrere Tage vor dem Ehrentage pflegen die Einladungen zu geſchehen. Drei bis vier junge Leute, die zu den Brautleuten in verwandtſchaftlichen oder befreundeten Verhältniſſen ſtehen, machen im Dorfe die Runde. Sie ſind ſämmtlich beritten und tragen eine lange, reichgeſchmückte Peitſche, mit welcher ſie des Juxes wegen während des raſchen Rittes unaufhörlich knallen. An dem linken Arm trägt Jeder
N


