Jahrgang 
1867
Seite
424
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die Mark Brandenburg u. ſ. w. Es wäre darum nur gerecht gefordert, daß man von Staats wegen jede Privatwaldung unter das Geſetz des Staates ſtellte und nur in den drin⸗ gendſten Fällen Erlaubniß zu deren Ausrodung gäbe. Freilich hat die Eultur ein Recht, vorzudringen, da die Bevölkerung leben will und auf den Ackerbau angewieſen iſt. Allein, daß wir in den meiſten Gegenden längſt an der Grenze der Wäldervertilgung angelangt ſind, ja dieſe in andern längſt überſchritten haben, darüber kann kein Zweifel mehr obwalten. So wirkte z. B. in der Provinz Sachſen dieſe Urſache ſicher ebenſo auf die Bildung der im vorigen Artikel geſchilderten Ernte Calamitäten ein, wie der ſo maſſenhaft betriebene Vogelfang. Mit ihren vielen und herrlichen Wäldern, welche die gegenwärtige ältere oder jüngere Generation noch kannte, ſind ebenſo viele köſtliche Centralheerde für unſere Vogelarten für immer verſchwunden. Man weiß das auch in unterrich⸗ teten Kreiſen und hat zu dieſem Behufe Vorrichtungen er⸗ ſonnen, welche geeignet ſein können, die Vögel auch ohne Wälder in die Nähe der menſchlichen Wohnungen wieder heranzuziehen. Dieſe Vorrichtungen ſind die ſogenannten Vogelkäſten. Man weiß, daß man dieſelben längſt für unſere Staare einrichtete, und daß dieſe Vögel, wie alle übrigen Sänger, faſt augenblicklich adoptiren, was ihnen der Menſch hiermit ſo bequem an den Weg ſtellt. Manche Verſchönerungs⸗ geſellſchaften fangen bereits an, dieſe wahrhaft praktiſchen Einrichtungen einzuführen, und es ſollte mich freuen, wenn dieſe Zeilen auch anderwärts dazu anregten. Es iſt ſelbſt⸗ verſtändlich, daß die Anfertigung ſolcher Käſten keine Hexerei

iſt. Allein da, wo man das Bequemere liebt, iſt es vielleicht angenehm, zu erfahren, daß man dieſe Käſten auch bereits im Kleinen und Großen im Handel beziehen kann. Ich nenne darum mit Vergnügen die Holzhandlung von H. E. Frühauf in Schleuſingen in dem Thüringer Walde. Solche Käſten für Staare koſten das Dutzend 3 Thaler; Schlafkäſten für Meiſen und ähnliche Vögel für die Herbſt- und Winterzeit koſten ebenſoviel; ingleichen auch Käſten für die Brutzeit der Sperlinge, oder Käſten für Meiſen und ähnliche Vögel zum Brüten; Käſten für Rothſchwänzchen koſten à Dutzend nur 2 Thlr., für Fliegenſchnepper nur 1 Thlr. Dieſe Vorrich⸗ tungen begünſtigen die Vermehrung der Singvögel auf eine ebenſo angenehme wie bequeme Weiſe, ohne doch, wie lebendige Hecken, zugleich auch Ungeziefer an ſich heranzuziehen. Man hat durch ſie liebliche Sänger und Inſektenvertilger gleich⸗ zeitig an ſich herangezogen, und wenn man bedenkt, was ich im Eingange dieſes Aufſatzes über den kleinſten unſrer in ländiſchen Singvögel, über das Goldhähnchen, beibrachte, ſo wird man geſtehen müſſen, daß die geringen Ausgaben für ſolche Vogelkäſten tauſendfach von den Vortheilen aufgewogen werden, die nun die Vögel als Inſektenvertilger der Um⸗ gebung gewähren. Wenn es gelänge, den Sinn unſerer Bevölkerung zu dieſem Stundpunkte durch Belehrungen und Verordnungen zu erheben, ſo würde man im Stande ſein, ſolche Käſten auch endlich in den Feldern anzubringen, und was das heißen würde, liegt wol klar auf der Hand. Wir werden uns nun im nächſten Artikel zu den nützlichen Vögeln ſelbſt zu wenden haben.

Indith-Marie.

Eine Künſtlernovelle von

A. Melis⸗Körſchner..

(Schluß.)

Lautloſe Stille lag rings auf den Gefilden unter dem ſternenhellen, klaren Himmel. Endlich erwachten die Lieben den aus ihren Träumereien.

Benda ermannte ſich zuerſt und begann ruhiger mit der Geliebten weiter zu ſprechen, denn noch Manches hatte er ihr mitzutheilen, manche Verhaltungsmaßregel und Vorſicht zu empfehlen, und nicht wenig war Judith überraſcht, als ſie erfuhr, daß er ſie und die Gegend auf einige Zeit verlaſſen müſſe, um nach Prag zu reiſen.

Ich habe, ſprach er,vom Grafen Klenau ein an⸗ ſehnliches Reiſegeld erhalten, denn mein Spiel gefiel ihm ſehr. Sein Vertrauen auf mein Talent ſoll ihn nicht täuſchen, denn ich fühle die Kraft und den Willen in mir, ein Künſtler zu werden. Er verſprach mir auch die Protection des Grafen Heſtein und die Stelle eines Kammermuſikers beim Grafen Uhlfeld in Wien, wenn ich mich beim Meiſter Konicek in Prag in meiner Kunſt auf die nöthige Stufe geſchwungen haben würde. Doch ich werde mich in Prag nicht lange aufhalten, die Liebe zu dir wird meinen Eifer anſpornen, ich werde mit Rieſenſchnelle in die tiefſten Geheimniſſe der Muſik eindringen, um ſobald als möglich mir meinen eigenen Herd zu gründen und dich in mein Haus als treues Weib einzu⸗ führen.

So unterhielten ſich die Beiden noch lange, denn es galt ſich zum Abſchied vorzubereiten. Die Hoffnung war mit ihrem goldigen Schimmer eingezogen in die Herzen der Lieben⸗ den. Sie ſahen nicht, wie der Mond bereits ſeine halbe Laufbahn weit hinter ſich hatte. Erſt als ein Stern nach dem anderen erlöſchte, ſchloß ſich auch Judith's Fenſter. Die Blumen, die den friſchen Morgenthau aus ihren Kelchen ſchüttelten, blickten halb vom Traum erwacht dem Scheiden⸗ den nach.

Benda trennte ſich von ſeinem Meiſter, und dieſer ſah es gerade nicht ungern, daß der Jüngling, welcher nach

.

Simon's Anſichten ſeine Judith vielleicht doch vom rechten Wege ablenken konnte, ſich entfernte, obgleich er ihn ungern in der Bande vermißte.

Nichts konnte Simon gelegener kommen. Eine Centner⸗ laſt ſchien von ſeiner Bruſt zu fallen. Nun dachte er Alles wieder ins alte Geleiſe zu bringen.

Doch Judith mied ihn wie zuvor, und ihre Seele, die mit ganz anderen Dingen beſchäftigt war, ahnte nicht, daß trotz der Abweſenheit Benda's Simon überall lauernd auf ihre Schritte Acht gab.

Er traute ihr nicht und glaubte, ſie könne doch heimlich Zuſammenkünfte mit Benda pflegen.

Er bemerkte wol, daß Judith geheime Ausgänge machte, doch konnte er ungeachtet ſeiner Wachſamkeit und Späherei das Ziel dieſer geheimen Ausgänge nicht erfahren.

Benda hatte vor ſeiner Abreiſe getreulich Wort gehalten und Judith zur Unterweiſung im chriſtlichen Glauben den Händen eines Seelſorgers übergeben. Dieſer war mit den jungen Leuten über das Geheimhalten ihres Vorſatzes bis zur Ausführung völlig einverſtanden; denn es leuchtete ihm ein, daß Löbl ſeine Tochter in ihrem Vorhaben hindern und ihnen ſo das Werk der Bekehrung mislingen würde.

Der Unterricht wurde Judith beim Schullehrer im nächſten Orte ohne Mitwiſſenſchaft irgend einer andern Perſon ertheilt. Dort war es, wohin ſie zu gehen pflegte, ohne daß Simon hinter ihr Geheimniß kommen konnte.

Drei Monate waren bereits verfloſſen, ſeit Benda nach Prag gereiſt war. Schon rückte der Tag heran, an dem Judith Simon's Gattin werden ſollte, und noch war Simon nicht um ein Haar in der Gunſt ſeiner Braut vorgerückt.

Eines Tages als dieſe allein im Gärtchen ihres Vaters ſaß und die Tauben fütterte, trat er unverſehens hinter einem Strauche hervor und wagte es zum erſten Male von ſeiner Liebe zu ſprechen.

Judith, kie ihm kein Gehör gab, wollte ſich entfernen;

er hielt ſie zurück, und ſeiner nicht mehr mächtig, umſchlang