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trieb ausrottet, wo ſie ſich blicken laſſen. ſteht der Menſch am Mittelmeere auf keiner höheren und
erlitten, wo bisher der Lerchenfang im Großen florirte.
beſtimmtes Areal beherrſcht, um leben zu können.
ſich freilich aus dieſer Nothwendigkeit endlich auch eine Wohl⸗ ſchmeckerzunft entwickelte, lag in den Verhältniſſen ſelbſt, geradeſo, wie die Lerchenpaſſion ſich in unſeren ſächſiſchen Gegenden einfand, wo die Lerchen, durch die Fruchtbarkeit der Provinz herbeigezogen, maſſenhaft zu erſcheinen pflegen. Ebenſo erklärlich iſt es folglich, daß dieſe Wohlſchmeckerei auch in gewiſſe Extreme ausartete, wie wir es z. B. bei den alten römiſchen Schriftſtellern leſen! Sonſt, herausgeriſſen aus dem
Zuſammenhange, widert es ja ſicher einen Jeden an, zu hören,
daß man Tauſende von Nachtigallen tödtete, nur um ihre Zungen, die ſonſt ſo lieblich zu flöten wußten, zu einem ein— zigen luculliſchen Mahle zu verwerthen; daß dieſer Lucullus höchſteigenköpfig die Kunſt erfand, Droſſeln zu mäſten, wie wir heutzutage unſere Gänſe in dunkeln Ställen zu mäſten wiſſen; daß dieſe Droſſelzwinger in der Umgegend von Rom endlich ſo häufig wurden, daß man mit dem Miſte der Droſ— ſeln die Felder düngen, ja, Ochſen und Schweine mit den Abfällen mäſten konnte. Noch heute exiſtirt in Italien Aehn—
liches. So z. B. ſah Vogt in Genua eine Maſtanſtalt für Ortolane, deren wol gegen 5000 in derſelben angehäuft
waren, und welche ärger ſtank als ein Schweineſtall. Das Alles iſt richtig, und in der That ſtellt ſich damit ein Fana— tismus gegen die Vögel ein, der ſeine Urſachen zuletzt ſelbſt nicht mehr kennt. Dieſer Fanatismus iſt inſoweit verwerflich, als er die Vögel nur aus Verfolgungsſucht und Zerſtörungs⸗ Im Uebrigen
keiner ſchlechteren Stufe als derjenige bei uns, der, um etwa ſeine Kirſchen zu retten, ſich mit Pulver und Blei gegen die Schaaren von Spatzen, Wendehälſen, Kernbeißern und andern geflügelten Kirſchenfreunden rüſtet. Wenn alſo die Italiener nichts weiter als dieſes thäten, ſo würden die Einwirkungen auf die Zahl der Vögel nur untergeordnete bleiben. Ob ihre anderweitigen Verfolgungen aber einen größeren Einfluß üben, iſt noch nicht ſo ſicher feſtgeſtellt, daß wir darüber abſprechen könnten. Wie wir hören, ſollen darüber officielle Unterſuchungen in Italien ſelbſt angeſtellt werden.
Um ſo mehr betonen wir mit der Denkſchrift das, wiks bei uns vorgeht. Wenn die Vögel zu uns zurückkehren, ge⸗ ſchieht das in einer ſo großen Regelmäßigkeit, daß man faſt meinen ſollte, die Vögel hätten ſich unter einander verſtän— digt, welche Reviere und in welcher Anzahl ſie dieſelben be⸗ ſuchen wollten. Man weiß das z. B. ſehr genau von den Nachtigallen, den Schwalben und andern Sängern, welche womöglich daſſelbe Neſt, mindeſtens denſelben Hain, daſſelbe Haus wieder aufſuchen. Aber man wird das auch an dem Bülow, dem Wendehals, dem Kukuk u. ſ. w. bemerken. Inſtinetmäßig vertheilen ſich dieſe Vögel ſo, daß jeder ein Offenbar entſteht folglich ſofort eine Lücke in dem Naturhaushalte, ſowie auch nur einer dieſer Vögel weggefangen wurde. Ein gewerbsmäßiger Vogelfang charakteriſirt ſich hiernach von ſelbſt. Obenan der Lerchenfang. Was dieſen betrifft,„ſo wird es“, meint Karl Vogt,„ebenſo ſchwer ſein, den Leuten
begreiflich zu machen, daß man die Lerchen leben laſſen
müſſe, weil ſie vielleicht Würmer freſſen, als man ihnen begreiflich machen wird, daß man die Schafe leben laſſen müſſe, weil ſie Wolle geben. Trotz aller Humanität, ſind fette Leipziger Lerchen ein ausgezeichneter Leckerbiſſen, und nan hat bis jetzt noch nicht gehört, daß die ſo fruchtbare Leipziger Ebene durch die Lerchenjagd in ihrem Ertrage Scha⸗ den gelitten habe.“ Hier ſpricht wol mehr der Gourmand als der Naturforſcher; denn wir haben ja ſchon im vorigen Artikel geſehen, welche enormen Verluſte gerade die Gegenden Die
Sache iſt auch höchſt einfach, wenn man die Verhältniſſe
betrachtet, wie ſie hier liegen. Die Lerche iſt zwar ein Zug⸗ hogel, doch iſt ſie es gerade, welche zuerſt, ſchon im Februar, urückkehrt; und hiermit iſt auch die Lerche die erſte Inſekten⸗
ertilgerin, um ſo mehr, als zu dieſer Zeit neben der jungen
Saat vorzugsweiſe dieſe Fleiſchſpeiſe geboten iſt. Daß ſich ie Lerche zu dieſer Zeit wirklich mehr von Inſekten und
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reiche Vegetabilien bietet. ganz Anderes.
monopoliſtiſch ausüben, wachen nicht mit Aengſtlichkeit darüber
die Schwalben verkaufen werden. Ich ſelbſt habe unſer Halloren an manchen Herbſttagen auf unſern Saalwieſen nu Schwalben fangen ſehen.
Vögel. Denn was man Leipziger Lerche nennt, wird nich bei Leipzig allein, ſondern in einem großen Theile der Provin Sachſen gefangen.
gegenwärtig ſeinen Mann nicht mehr nährt. In den letzter
bezahlt wurde.
nur noch in vereinzelten Trupps ziehen. heutige Wegfangen noch unverzeihlicher als früher.
Wenn aber bei ſolchen Verhältniſſen doch wenigſtens di übrigen Vögel geſchont würden! nungen und Schulerlaſſe iſt zwar dem Vogelfange, d. h. den
im platten Lande ein kleiner Dämpfer aufgeſetzt worden allein, es fehlt noch viel, daß das erreicht wäre, was mar nothwendig erreichen muß, wenn in unſeren Naturhaushal gebracht werden ſoll. Gloger berechnet die Summe der weg gefangenen Singvögel auf mindeſtens 20 bis 25 Millioner Stück, wodurch 200 Milliarden Inſekten unvertilgt bleiber müſſen. in der maſſenhaften Vogelvertilgung noch immer ſehr unvor Krammetsvögeln beweiſt.
durch induſtrielle Verfolgung der Vögel oder durch den Un ſchwerlich an die Verheerungen heran, welche durch die groß
unſerem Vaterlande hervorgerufen worden ſind. Unſere Denk ſchrift vernachläſſigt dieſen Punkt wol mit Unrecht.
leider gänzlich außer Acht ſetzte. Unzahl von Privatwaldungen, und daß dieſelben kein unbe
ich wenigſtens nicht den geringſten Zweifel.
Wortes.
fluten herabgeſchwemmt, die Wieſen der Niederungen ber
Die gleiche Bedeutung haben
ſo entſetzlich wüthen ſahen. Man berechne nur
aber auch die Wälder im platten Lande.
ſtaunen, was für Regenbildner die Wälder ſind.
würde z. B. die Niederlauſitz bald eine Wüſte ſein, ebenſo
nicht von Vegetabilien nährt, geht daraus hervor, daß ſie in dieſer Zeit nie fett wie im Herbſte wird, der ihr mehr ſtärke— Dazu kommt aber noch etwas Unſere hieſigen Vogelſteller, unſere halliſchen Halloren, welche dieſes Handwerk ſeit Jahrhunderten gleichſam
ob ſie Lerchen oder Schwalben in ihrem Netze fangen. Ihnen gilt ein reicher Fang als die Hauptſache; denn ſie wollen ja einen guten Tagelohn verdienen und ſind gewiß, daß ſie auch
Bedenkt man nun, daß aus un⸗ ſerer Gegend allein manchmal 500,000 Lerchen nach Leipzig zum Verkaufe gebracht wurden, ſo hat man eine kleine Vor— ſtellung von der maſſenhaften Vertilgung dieſer nützlichen
Es iſt ganz richtig, daß dieſer Vogelfang
Jahren koſtete darum auch das Schock Lerchen hier zu Lande 4 bis 6 Thaler, während es noch vor einigen Jahren im Durchſchnitt mit 20 Sgr., höchſtens mit 1 ½ oder 2 Thlrn. Ein Beweis, wie furchtbar dieſe Vögel ab⸗ genommen haben müſſen, da ſie in unſerer Gegend im Herbſt Folglich iſt das
Durch Regierungsverord⸗
Ausnehmen von Eiern und jungen Vögeln aus ihren Neſtern wieder das alte Gleichgewicht zwiſchen Vögeln und Inſekten
Namentlich zeichnen ſich die Berg- und Waldgegenden theilhaft aus, wie das maſſenhafte Fangen von Droſſeln und
So groß aber auch die Verheerungen ſein mögen, welche verſtand der Jugend hervorgerufen ſein mögen, ſie reichen artige Ausrodung der Wälder und die Entſumpfungen in 3
Denn ſo ſehr auch ſonſt die preußiſche Regierung, an welche ſie gerichtet iſt, ſchon ſeit Jahren geneigt iſt, die ihr zugehörigen Wälder zu erhalten, andere neu anzupflanzen, ſo könnte ich doch Beiſpiele beibringen, wo ſie dieſen ſchönen Grundſatz Allein, es gibt auch eine
ſchränktes Eigenthum ſein können und dürfen, darüber habe
Alles, was die Exiſtenz der ganzen Bevölkerung ſtützt und trägt, fällt auch 3 der Beurtheilung der Geſammtheit, folglich des Staates an— 6 heim, und hierher gehört der Wald im eminenten Sinne des 3 Man gibt das in der Regel auch zu, wo es ſich um ſteile Abhänge handelt, deren Ackerland, von den Regen—
Bächelchen erſcheinen ſollten, und damit Ueberſchwemmungen
ſandet, welche Ströme improviſiren, wo höchſtens rieſelnde⸗ hervorrufen, die wir noch in jüngſter Zeit in Südfrankreich
die Dunſtmaſſen, welche täglich ein ausgewachſener Baum aus dem Erdboden in die Luft deſtillirt, und man wird er⸗ Das gilt namentlich für unſere weiten Sandländer. Ohne ihre Wälder
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