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der Bruſt, das ihn zu Großem, doch wußte er es nicht zu deuten,
war ihm ſo beklommen, ſo eigen.— „Sei nicht ſo ein Träumer, Kameraden,„du hörteſt wartet, oder fürchteſt du „Spottet nur zu“, ſprach
Leben getroffen, Zukunft errathen! lich wie Ihr. und das iſt wahr, meine ſchöne Sopranſtimme eingebüßt.“
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bar, erzähle uns doch davon!“ „Wie Ihr wißt, dort verlebte ich viele Tage. Mit großer Freude auf dem Chor der St.⸗Nicolaus Kirche beſte Sopranſänger betrachtet wurde. mir der Chorregent beifällig und klopfte, oder wenn mir einer von Anerkennung einige Heller ſchenkte, Doch die Stunden ſind vorüber!
und gar oft meine Stimme bewunderte. und verſprach mir goldene Berge, Sachſen gehen wollte. wohl, daß Stimmen wie die meinige exiſtirten. gerade im kunſtſinnigen Dresden
daran ſei, einen tüchtigen Sopran ſchaffte.
als ich eine Züchtigung bekam,
finden würde, lockte zu ſehr. welche Art ſollte ich fortkommen? Die ich wohnte im Kloſter) mußten
51 Ahnung haben und verſchloſſen mir meinen einzigen Rock. Ohne Geld und ohne Kleider aber war an keine Reiſe zu denken. Müller hatte gerade auch nichts, was er mit mir 1 hätte theilen können. Ich war jedoch um Hülfe nicht ver⸗ 111 legen, prüfte ſchnell meine kleine Habe, und ſie zuſammen⸗
raffend eilte ich damit zum Trödler. hin, mir einen Rock zu kaufen.
dem Sachſen zur Verfügung, Nebel aus dem Kloſter davonſtahl.
Wohnung. Man hätſchelte mich, ſo i deſtoweniger überfiel mich weh und ich forderte meine Entlaſſung, erhielt. Von unüberwindlicher Sehnſucht
erfüllt, nahm ich mir vor, Entſchluß war feſt. wöhnlich aus, um nicht wieder zu kommen. auf der Elbe ein und glaubte mich ſchon in kaum langten wir in Pirna an, als
der über mich herfiel und mich zwang,
Erkältung war Urſache, daß ſich dies herausſtellte, ließen
E
zu Erhabenem zog, und wußte es nicht zu nennen dieſes Etwas, nach dem er trachtete, nach dem er ſtrebte. Es
Franzl“, rief einer ſeiner ja, daß deiner eine glückliche Zukunft dich vielleicht vor der Liebe?“ Benda kopfſchüttelnd,„das ſonderbare Weib hat doch Vieles aus meinem vergangenen warum ſollte ſie nicht auch etwas aus der Ich finde ihre Worte keineswegs ſo lächer⸗ Sie ſagte, ich habe zu Waſſer Unglück gehabt, denn auf einer Reiſe zu Waſſer habe ich „So, ſo“, ſagten die Anderen,„das iſt wirklich ſonder⸗
kam ich nach Prag auf die Schule; bittere, aber auch ſehr viele angenehme gedenke ich noch der Zeit, wo ich als der erſte und Wie ſtolz war ich, wenn zufrieden auf die Schultern den Patres aus beſonderer die ich ſogleich vernaſchte.
Damals wurde ich mit einem ſchon erwachſenen Schüler bekannt, der ein Sachſe war Er hieß Müller wenn ich mit ihm nach Er war ein ſchlauer Fuchs und wußte nicht im Ueberfluß Wahrſcheinlich war es ihm auch wohl bekannt, daß zur Zeit fühlbarer Mangel und vermuthete eine gute Belohnung, wenn er Kurz, er redete mir zu, und es gelang ihm um ſo leichter, mich für ſein Vorhaben zu gewinnen, gerade vom Chordirector einmal unverdienter Weiſe für die ich mich durch mein Davon— laufen zu rächen verſprach. Das Verſprechen, daß ich in Dresden gewiß in der königlichen Kapelle eine gute Aufnahme Ich war bereit. Herren Patres(denn von meinem Vorhaben eine
Der Erlös reichte nicht Ich lieh mir daher einen alten Mantel von einem Schulkameraden und mit der Baar⸗ 8 ſchaft für meine Schulbücher in der Taſche, ſtellte ich mich
indem ich mich bei Nacht und
„Müller hatte nicht gelogen, ich wurde in Dresden gut untergebracht und man mußte großen Werth auf meinen Ge— ſang legen, denn ich bekam ſogleich neue Kleider und gute Aber nichts⸗ nach anderthalb Jahren das Heim⸗ die ich jedoch nicht nach der Heimat abermals zu entfliehen. Mein Eines Morgens ging ich daher wie ge⸗ Ich ſchiffte mich Sicherheit. Doch uns ein anderes von Dresden einholte, aus welchem der Kapellmeiſter ausſtieg, mit ihm wieder nach Dresden zurückzukehren. Dieſe Waſſerfahrt oder vielmehr eine ich um meine Stimme kam. Als ſie mich gerne gehen, denn was ſollten ſie auf dem Chore mit einem Sänger bed
zu ſagen.
Man händigte mir mein Reiſegeld ein, und ich ging a
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Aber auf
Schiff
Minuten flogen die Tänzer und Tänzerinnen Kreiſe.
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um ungefährdet in die Heimat zu gelangen. Hier angekommen, vergalt mir die Natur meinen verlorenen Sopran mit einem ſehr ſchönen ContraAlt, welcher mir bald in Prag eine Stelle im Jeſuiten⸗Seminar verſchaffts. Als ich im Jahre 1732 bei der Krönung Karl's VI. zum Könige von Böhmen den wälſchen Sänger Gaetano Orſini hörte, erfaßte meine Seele ein Entzücken. Ich fühlte zum erſten Male die Macht der Muſik und des Geſanges ſo recht tief und innig, fühlte ihren unauslöſchlichen Eindruck auf mein Herz und ward mir
ſogleich bewußt, daß ich nur in ihr und durch ſie wahres Glück und Befriedigung erlangen werde. Mit ganzer Seele gab ich mich von dieſem Augenblick ihr hin. Unaufhörlich
tönte Gaetanos Geſang in meine Ohren. Ich dachte, ich träumte nur Muſik. Verführeriſch bewegten ſich die mannich⸗ fachſten Geſänge und Klänge durch meine Phantaſie, gleich luftigen Bildern kamen und ſchwanden ſie, um immer wieder neuen, ungeahnten Schöpfungen Raum zu geben. Da zog es mich und ich konnte nicht widerſtehen, etwas von dem, was meine Seele träumte und ſann, zu erfaſſen und nieder zu ſchreiben. Ich ergriff die Feder und brachte die Töne, die ſo innig mir zum Herzen ſprachen, zu Papier. Und ſo ent⸗ ſtand mein erſtes Werkchen, ein Salve regina.“
Aufmerkſam hörten Benda's Freunde zu, ohne ſich darum zu kümmern, das ſchon der Saal ganz mit Tanzluſtigen ge⸗ füllt war.
„Endlich ſind ſie da!“ ertönte es von mehreren Seiten. „He, Muſikanten, wo bliebt Ihr denn heute ſo lange?“—
Bei dem Worte Muſikanten drehte ſich Alles wie durch einen elektriſchen Schlag berührt um. Auch Benda kehrte vergnügt ſein Geſicht der Thür zu, die Ankommenden zu ſehen; dieſe aber waren bereits, von einem dichten Schwarm umgeben, an ihrem Plätzchen angekommen.
Gleich zu Anfang feſſelte die Muſik Benda's Auf⸗ merkſamkeit. Die erſte Violine tönte laut und prächtig her⸗ vor und drängte alle übrigen Inſtrumente in den Hinter⸗ grund. Schon bei den erſten Tönen, die ſo voll, ſo biegſam, ſo rein und doch ſo ſchmelzend hervorquollen, zuckte der junge Muſiker zuſammen. Er war nicht wenig über die Sicherheit dieſes Spieles erſtaunt; ſo etwas hatte er bei einer kleinen Bande nicht erwartet, die von Dorf zu Dorfe zieht, um zum Tanze aufzuſpielen. Neugierig, wer wol der Mann ſei, der den Bogen ſo meiſterhaft führe, wer ſeinem Lieblingsin⸗ ſtrumente ſolche beredte Sprache zu entlocken verſtehe, drehte er ſich um und blickte faſt verſteinert in das bleiche, faltige Geſicht des greiſen, blinden Geigers.—
Verſchwunden war die Müdigkeit der abgelebten Glieder, aufrecht ſtand die abgemagerte Figur, an deren Haupte manches Jahrzehnt mit ſeinen Stürmen vorübergerauſcht, ohne die Gelenkigkeit der mageren Finger zu erlahmen. Mit Energiesnd Ausdauer, mit faſt jugendlichem Feuer ſtrich Löbl
ſeine Geige und ſchlug mit dem Fuße den Takt. In einigen wirbelnd im
Da ſchlug plötzlich das hohe A rein und mächtig an
das lauſchende Ohr des voll Bewunderung erfüllten Benda. Ein Freudenſtrahl überflog ſein Augen ſogen ſo zu ſagen gierig ein. aus,„das iſt ein Geiger, wünſchte! Wenn der mich in ſeine Bande aufnähme, da könnte ich was Tüchtiges lernen!“ hin murmelte und Pläne für die Zukunft machte, tanzte Alles um ihn herum. lautes Jauchzen kund, drehten, waren in ihren mit Gold und Silber geſtickten Miedern, ihren blauen und rothen Schleifen, die luſtig um Nacken und Wangen der Tanzenden flatterten, als die Andere. hübſchen Kinder, dieſe glühenden Wangen und blitzenden Augen; doch ließen ihn alle die vorüberſchwebenden lieblichen Geſtalten ungerührt.—
begeiſtertes Angeſicht, die die Geſtalt des greiſen Geigers „Das iſt mehr, als ich erwarten konnte“, rief er wie ich ihn mir träumte und
Während Benda ſo vor ſich
Die Burſchen gaben ihr Vergnügen durch
und die Mädchen, die ſich im Kreiſe
Eine ſchöner Auch Benda blickte auf den Kranz dieſer
ſals,
Da auf einmal tanzte Eine an ihm vorüber, die er noch 50*
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