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Die jüngeren Männer ſtanden oder gingen in Gruppen aus der Handfläche wahrſagend. Gelächter und Spötteleien ſcherzend und fingend im Saale umher. Einige ſaßen längs waren die Folgen ihrer Wahrſagerei, beſonders wenn ſie den der Ofenbank, Andere um den Schenktiſch, wieder Andere Mäunern etwas Außergewöhnliches prophezeite. Nur die alten tändelten mit den Mädchen; Jeder unterhielt ſich wie und Mütter ſchüttelten bedeutungsvoll ihre greiſen Häupter, und wo er konnte. Dicht an dem Orte, wo die Muſikanten zu die jungen Mädchen blickten verduzt vor ſich hin, wenn die von denen beſonders Zigeunerin ihnen Unerwartetes verkündigte.
ſitzen pflegten, ſtanden drei Jünglinge, der Eine durch ſein feineres Aeußeres, die ſtädtiſche Kleidung Schon hatte die Alte manchen Heller in ihr Buſentuch und ſein Benehmen ſich von den Anderen unterſchied. gleiten laſſen, war von Manchen verhöhnt und mit Witzeleien Die Gruppe war denn auch Urſache der Aufmerkſamkeit beſchenkt worden, da trat ſie auch zu der Gruppe Benda's, einiger Männer, die unweit von ihnen um einen Tiſch ſaßen— und forderte ihn auf, ſich wahrſagen zu laſſen. und zu den Aelteſten unter den Anweſenden gerechnet werden Benda blickte ſie an und ſah, wie ihr dunkles Auge durften. forſchend auf ihm ruhte. Er wollte ſich eben abwenden, die „Ei ſeht doch, Nachbar“, rief jetzt der Eine,„iſt das Zigeunerin aber erfaßte ſeine Hand, nicht lange auf ſeine nicht unſers Benda's Franzl? Schon eine geraume Zeit be⸗ Entſcheidung wartend. Halb unwillig, halb mistrauiſch ließ trachte ich den hübſchen, hochgewachſenen Jungen. Sein Benda es geſchehen. Doch kaum hatte ſie einen Blick in die Benehmen hat etwas Fremdländiſches. Seht einmal hin, ich offene Handfläche geworfen, als ſie betroffen noch einmal glaube mich nicht zu täuſchen.“ mit einem prüfenden Blick den vor ihr Stehenden anſah. Der Angeredete wandte ſich nach der Seite, wo die„Sonderbar, merkwürdig!“ murmelte ſie vor ſich hin, jungen Leute ſtanden, und betrachtete ſie eine Weile ſehr auf„dir ſteht ein außergewöhnliches Schickſal bevor!“ merkſam.„Ich bin neugierig, was du mir verkündigen wirſt“, ant⸗ „Ja, ja, er iſt es; meiner Treu, Ihr habt Recht!“ ant⸗ wortete er mit einem leiſen Anflug von Spott,„doch nicht wortete er,„die Jungen ſchießen empor wie die Pilze wäre nur die Zukunft, denn da kannſt du mir vorlügen, was dir er nicht ſeinem Vater ſo ähnlich wie ein Ei dem andern, ich gefällt, auch aus der Vergangenheit mußt du etwas errathen, könnt' es nicht mit Gewißheit behaupten. Das ſind dieſelben wenn ich dir trauen ſoll.“ Haare, blond und gelockt, wie ſie ſeinen Vater in der Jugend Die Zigeunerin that, als ob ſie nicht gehört hätte, ver⸗ zierten. Dieſelbe hohe, ſchlanke Geſtalt, blendende Geſichts⸗ tiefte ſich einen Augenblick in Anſchauung der Handfläche und farbe, blauen Augen und ſchönen, faſt weiblichen Geſichtszüge begann:„Dir ſteht viel Glück bevor; du wirſt viele Freunde mit dem ſchwärmeriſchen und träumeriſchen Anflug. Und dir erringen, die dich zu Ehren befördern, doch wirſt du auch doch ſteckt hinter dieſer Sanftmuth mehr Feuer und Muth⸗ Feinde haben, die dir beſonders dein Glück misgönnen. Weite wille, als ihm irgend Jemand zumuthen würde. Wer hätte Wege haſt du bereits zurückgelegt, und noch weitere harren aber auch gedacht, den unſtäten Burſchen hier zu ſehen! Streicht deiner. Die Leute meinten es gut mit dir, aber du wollteſt dir er ja die ganze Zeit in der weiten Welt herum und hält ſich nichts ſagen laſſen. Auf der Fahrt über ein Waſſer hat dich wenig zu Hauſe auf! Sein erſtes Entweichen vom älterlichen ein Unglück betroffen. Ruhmreich wird dein Leben ſein, ja Herde machte zwar dem alten Benda genug Kummer, jetzt ſelbſt Könige werden mit dir Umgang pflegen.“ aber hat er ſich ſchon daran gewöhnt und weiß oft gar nicht,„Vielleicht wird er ſelbſt König“, ſpöttelte Einer von wo ſich ſein Söhnchen aufhält. Der Junge hat Luſt, Muſikant den jungen Leuten, und die Uebrigen nahmen dieſe Worte zu werden. Ein Muſikant hat aber keine Heimat, pflegt ſein mit ſchallendem Gelächter auf. Die Zigeunerin jedoch ließ ſich Vater zu ſagen, ein Muſikant muß die Welt durchreiſen und nicht beirren und fuhr mit ihrem Zeigefinger über die Linien der ſehen, wo er ſeine Groſchen zum Lebensunterhalt erwirbt. Es Handfläche.„Du biſt von Gott beſtimmt, das Glück deiner iſt ihm freilich nicht lieb, daß ſein Sohn nicht eine ordentliche ganzen Familie zu begründen“, ſprach ſie weiter,„du wirſt Profeſſion erwählt und einen ſicherern Lebensunterhalt ſucht; mit deinem Weibe weit von hier hinter den Grenzen dieſes doch der Junge iſt nicht zu halten, das freie Leben lockt ihn Landes leben; ſechs Kinder, zwei Mädchen und vier Knaben, zu ſehr.“ werden dein häusliches Glück vervollſtändigen. Deine Brüder Der junge Mann war in der That der Sohn Benda's, und Söhne werden zu großen Ehren gelangen, aber Keiner der ſich jetzt bei ſeinen Aeltern aufhielt, bis es ihm gelang, von ihnen in ſolchem Maße wie du und dein dritter Bruder.“ ſich wieder irgend ein gutes Unterkommen zu verſchaffen. Von Hier endete die Zigeunerin zum größten Vergnügen der den Genoſſen ſeiner Kindheit umgeben, ſtand er jetzt da und Umſtehenden, die ihre Worte durch häufige Scherzreden unter⸗ erzählte von den Reiſen, die er trotz ſeiner Jugend ſchon ge⸗ brachen. macht. Neugierig hörten ſeine Freunde zu. Benda jedoch hörte ruhig zu. Die Worte ſchienen auf Da erhob ſich um die aus Brettern verfertigte Er- ihn einen größeren Eindruck gemacht zu haben, als er an ſich höhung für die Muſikanten, um die herum die Kinder ihre merken ließ; endlich wollte er mit einem luſtigen Ausfall lauten Spiele und muthwilligen Scherze trieben, ein lebhafter der Eindruck der prophetiſchen Worte verwiſchen und brach Tumult. Einige liefen mit Geſchrei der Thür z Undere lächelnd mit der Frage hervor:„Und wann werde ich mich erhoben ein ſchallendes Gelächter, und wieder Andekk zeigten denn einmal verlieben?“ mit erhobenen Fingern auf eine abenteuerliche Erſcheinung am Das Weib verſenkte ſich noch einmal in die Hand des Eingange und riefen:„Eine Zigeunerin, eine Zigeunerin!“ Jünglings.„Dein Weib“ ſprach ſie,„und die Mutter deiner Was will die Hexe?“ murmelte der Gevatter Müller, Kinder wird nicht deine erſte Liebe ſein. In kürzeſter Zeit
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dem die Zigeuner
Groſchen aus den Taſchen der Anweſenden herauslocken.“ werden dieſer Liebe nicht hold ſein und—“, hier ſchwieg ſie „Schweigt, ihr Taugenichtſe“, ermahnten die Mütter.— plötzlich. Benda wollte ihr eine Münze einhändigen; allein
„Haltet das Maul“, ermahnten die Männer, wobei man⸗ ſie wendete ſich haſtig ab und verließ die Stube. cher Puff wohlmeinend den Kindern applicirt wurde. Dieſe„Was nur die Hexe hat, daß ſie auf einmal ſo davon Ermahnungen waren jedoch fruchtlos; denn die muthwillige Nuief!“ meinten Einige. Man ſcherzte dann noch eine Weile Schaar ſammelte ſich um die auf der Schwelle ſtehende Zigeu⸗ weiter und gab ſich der allgemeinen Heiterkeit hin. nerin und begleitete ſie im Triumphzuge durch die Wirths⸗ Nur Benda wurde von der ringsum herrſchenden Fröhlich⸗ ſtube. keit nicht angeregt. Das geheimnißvolle Abbrechen beim Schluſſe Die Nomadentochter mit ihrem wettergebräunten Ant⸗ der Prophezeiung, das eigenthümliche Benehmen der Wahr⸗ litze, ſchwarzen Haar und ſchmuzigen, aus verſchiedenen Frag⸗ ſagerin hatte auf ihn einen weit größeren Einfluß geübt, als menten zuſammengeſetzten Kleide ſchritt mit ihrer Bürde, er ſelbſt zugeſtehen mochte. Gedankenvoll ließ er ſich auf einem kleinen Jungen, der zuſammengekauert mit einem Lappen eine Bank nieder; eine Stimme, eine Ahnung ſagte ihm, auf den Rücken der Mutter gebunden war, von Tiſch zu Manches, was die ſonderbare Erſcheinung ſprach, könnte in Tiſch, die Anweſenden um ein Almoſen anſprechend oder ihnen Erfüllung gehen. Er fühlte ein unbeſtimmtes Etwas in
zuwider waren;„die will gewiß ein paar wirſt du einem Mädchen dein Herz ſchenken, doch die Sterne
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