468 Der Wein.
Jahr 1470 ein großes Gaſtmahl, wobei 1000 Diener, 62 Köche und 500 Küchenwärter thätig waren. Getrunken wurden dabei 320 Tonnen Bier, 104 Tonnen Wein und ein großes Faß Gewürzwein. Bei der Vermählung Wilhelms von Oranien mit Anna, Prinzeſſin des Kurfürſten Moriz von Sachſen, wozu ſich 5500 Gäſte einfanden, wurden 3600 Eimer Wein oder 107 ⁄ rheiniſche Fuder und 1600 Fäſſer Bier getrunken. Bei der Hochzeit des Herzogs Georg von Landshut mit der polniſchen Prinzeſſin Hedwig im 15. Jahrhundert, die 77,966 Dukaten koſtete, wurden 170 Fäſſer Lands⸗ huter Wein, 200 Fäſſer ausländiſcher Weine und 150 Fäſſer welſcher Weine verbraucht. Bei der Belagerung der Burg Turron an der Moſel bei Cob⸗ lenz in den Jahren 1246 und 1247 wurden von dem nicht eben ſtarken Be⸗ lagerungsheere 3500 Fuder Moſelwein getrunken. Deutſche Tapferkeit, deutſche Hiebe und deutſches Trinken ſind ſprichwörtlich geworden. Schon Tacitus ſchildert unſere Väter, die alten Germanen, als große Zecher, welche ganze Tage und Nächte hindurch bei Trinkgelagen verweilten und bei der Flaſche Hab und Gut und ſelbſt ihre perſönliche Freiheit verſpielten.
In der Kunſt, zu trinken, übertrafen die alten Trierer(Treviri) alle übrigen deutſchen Völkerſtämme und merkwürdigerweiſe haben dieſelben dieſen Ruhm ſich bis auf unſere Tage ungeſchmälert zu erhalten gewußt. Die Trier'ſche Chronik vom Jahr 1825 beſingt die dortige Schoppenſtecher⸗ Geſellſchaft alſo:
„Im Kreiſe froher Schoppenſtecher, Wo Bachus wahre Weisheit lehrt, Wird mancher Hnmpen Sorgenbrecher, In bona pace ausgeleert,
Und mancher munt're Kumpan trinkt, So lang im Glas ein Tropfen winkt.
„Der wahre Sitz der Heldenzecher Iſt Treviris, die alte Stadt,
Wo ſtets man angefullte Becher, Und ſelten trockne Kehlen hat,
Dort quillt wie Gold das liebe Naß Aus manchem edlen Fuderfaß.
„Auf dieſem ganzen Erdenrunde Sind ſolche wack're Trinker nicht! Nur der gehöoͤrt zu unſ'rem Bunde, Der Schoppen dutzendweiſe ſticht, Der früh am Abend ſchon beginnt Und endet, wenn die Nacht entrinnt!“
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