Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Fr. Grebel. 467

Preiſe der Weine waren aber auch ſehr billig. Im Jahr 1344 koſtete ein Fuder Rheinwein 4 Gulden, im Jahr 1447 10 Gulden, im Jahr 1527 nur 7 Gulden und noch im Jahr 1754, nach der Mainzer Chronik, ein Stückfaß Wein 16 Gulden 5 Tournois 10 Heller.

Wie allgemein der Weinbau während dem 13., 14., 15. und 16. Jahr⸗ hundert in den Rheinlanden geweſen und wie ergiebig die Herbſte ausgefal⸗

len ſein müſſen, bezeugen nicht nur die zahlreichen auf uns gekommenen herr⸗

ſchaftlichen und geiſtlichen Kellerhäuſer, Zehnthöfe, Kellnereien, ſowie die darin befindlichen zahlreichen und großen Keller⸗, Herbſt⸗ und Lagerfäſſer, ſondern auch die faſt unglaublichen Weinconſumtionen, die in dem Mittel⸗ alter allgemein ſtattfanden. Faſt jeder auch noch ſo unbedeutende Vorgang wurde mit Zechgelagen begonnen oder beſchloſſen. Nicht allein öffentliche Kirchenfeſte, Namenstage, geiſtliche oder weltliche Hochzeiten, Geburten, Lei⸗ chenbegängniſſe, Jahresanfang, Tourniere, Ritterfehden oder Friedensſchlüſſe, ſondern auch einzelne Privathandlungen, wie Verkäufe, Verträge, Verſteige⸗ rungen, Zahlungen, Urtheilsſprüche u. ſ. w., wurden durch Wein und Wein⸗ kauf beſiegelt, ein Gebrauch, welcher bei Verſteigerungen und Verkäufen noch jetzt allgemein herrſcht. Beſonders reichlich floß der Wein und erfreute, nach König Salomons Ausſpruch, der Menſchen Herz bei der Wahl und Einſetzung der Gemeindebeamten, Bürgermeiſter, Rathsmitglieder, Förſter und ſelbſt Feldhüter und Nachtwächter. Durch Gebrauch und ausdrückliche Vorſchriften war genau beſtimmt, wie viel Flaſchen Wein bei jeder ſolchen Gelegenheit auf ſtädtiſche Koſten verabreicht werden mußten; der niedrigſte Satz war vier Flaſchen à Perſon, welcher aber an manchen Orten bis 10 und 12 Flaſchen ſtieg. Man wird ſich deßhalb auch nicht wundern, in man⸗ chen Rathsprotokollen Beſchlüſſe, wie den folgenden, zu leſen: Durch Beſchluß des Raths zu O. vom 9. Oktober 1653 wurde der Rathsherr Georg Ewald wegen unmenſchlichen Betrinkens in 20 Thaler Strafe verurtheilt, und durch Beſchluß vom 11. März 1663 derſelbe Rathsherrwegen übermäßi⸗ gen, unerſättlichen Weintrinkens und dahero entſpringenden höchſt ärgerlichen Lebens, wie nicht weniger, daß ſelbiger uff Naſtätter Kirb(Kirchweihe) ſich dermaßen mit ſauffen übernommen, daß er gleich einer Beſtie herübergeführt wurde aus dem Rathe ausgeſtoßen. Ohne Imbiß und Wein wurde kein Geſchäft abgemacht und vertraten ſie die Stelle der ſpäteren Gebühren.

Beiſpiele ſolcher ungeheuren Weinverſchwendungen liefern die Chro⸗ niken häufig. Georg, Erzbiſchof von York, gab bei ſeiner Inſtallirung im

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