Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Der Wein.

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Fuder Johannisberger für das artige Sümmchen von 60,000 Gulden ge⸗ kauft habe!

Die prächtige Probſtei auf dem Johannisberge, der auch früher Bi⸗ ſchofsberg genannt wurde, ward von dem Erzbiſchofe von Mainz, Ruthard II, im Jahr 1102 geſtiftet und von dem rheingauiſchen Grafen Rudolph und ſeiner Gemahlin mit vielen Einkünften beſchenkt. Der Erzbiſchof Adelbert I. verwandelte ſie in eine Abtei; ſie hatte aber das Schickſal, von dem Mark⸗ grafen Albert von Brandenburg im 16. Jahrhundert geſchleift und ſpäter, im dreißigjährigen Kriege, von den Schweden völlig ruinirt zu werden. Endlich wurde ſie von dem Erzbiſchof Anſelm Caſimir an den Reichspfen⸗ ningsmeiſter Hubert von Bleimann verpfändet, von welchem ſie mit Einwil⸗ ligung des Erzbiſchofs, an den Abt von Fuld verkauft wurde, welcher bis zur franzöſiſchen Revolution in ihrem Beſitze blieb. Napoleon ſchenkte die herrliche Beſitzung dem Marſchall Kellermann. Seit langen Jahren beſitzt ſie bekanntlich Fürſt Metternich als Erblehen.

Rheingauiſche Reben, welche ſpäter durch fränkiſche Reben erſetzt wur⸗ den, hatte ſchon Markgraf Albrecht I. durch die von ihm in die Mark aufge⸗ nommenen Rheinländer pflanzen laſſen, und war dieſes der erſte Anfang des Weinbaues in der Altmark, welcher ſich auch dort bis auf unſere Tage erhal⸗ ten hat. In Böhmen wurde der Weinbau erſt im Jahr 1348 durch Kai⸗ ſer Karl IV. eingeführt; die Anbauer blieben zwölf Jahre von allen Steuern frei, dann zahlten ſie dem Grundherrn den Zehnten und dem Landesfürſten einen halben Eimer von jedem Weinberge. Bei Prag und in anderen wär⸗ meren Gegenden Böhmens wurde in zehn Jahren ſo viel Wein gepflanzt, daß nicht nur Böhmen, ſondern auch Mähren und Sachſen damit verſehen wurden.

Die Kultur des Weines nahm in den Rheinlanden ſchnell zu, ſo daß ſchon zur Zeit der Ottonen(vom Jahr 936 bis 1002) viel Wein nach Eng⸗ land und anderen Ländern ausgeführt wurde. Durch den Schutz, welchen die Reichsgeſetze, insbeſondere die berühmte Konſtitution des Kaiſers Fried⸗ rich I., wodurch über diejenigen, welche Weinberge zerſtörten, die Reichsacht ausgeſprochen wurde, dem Weinbaue gewährten, wurde derſelbe ebenfalls ſehr gefördert, ſo daß er bis in's 17. Jahrhundert viel bedeutender als jetzt war. Nach der Angabe des Geographen Guicciardini wurden noch im 16. Jahrhundert allein aus der Gegend oberhalb Mainz jährlich 40,000 Fuder und überhaupt über 60,000 Fuder nach den Niederlanden ausgeführt. Die