Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Fr. Grebel. 465

786 Weinberge vor, wie aus einer Schenkungsurkunde Karl d. G. von die⸗ ſem Jahre an die Abtei Hersfeld hervorgeht.

Eine ebenſo irrige Behauptung mehrerer Schriftſteller iſt die, daß der Weinbau im Rheingau erſt im elften Jahrhundert aufgekommen ſei. Schon die Thatſache, daß er, wie wir nachgewieſen haben, ſchon mehrere Jahrhun⸗ derte früher in allen, den Rheingau umgebenden Gauen betrieben worden

iſt und daß Karl d. G., welcher ſo viel für denſelben that, ſeinen Lieblings⸗

aufenthalt grade im Rheingau zu Ingelheim hatte, hätte zu dem Schluſſe führen müſſen, daß grade in dieſer für den Weinbau ſo ſehr günſtigen Ge⸗ gend ſeine Kultur vorzugsweiſe und ſehr früh, nicht aber erſt im elften Jahr⸗ hunderte begonnen haben müßte. Die Urkunde, worauf man dieſe irrige Anſicht ſtützt, wurde im Jahr 1074 von dem Erzbiſchofe Siffried von Mainz ausgeſtellt und wird dadurch den Einwohnern des Dorfes Rüdesheim im Rheingau ein Stück Wildland geſchenkt, um es auszurotten und zu Wein⸗ bergen anzulegen. Man zog hieraus, indem man von einem Orte des Rhein⸗ gaues auf den ganzen Rheingau ſchloß, den höchſt unlogiſchen Schluß, daß dieſes die erſte Weinpflanzung im Rheingau geweſen, während man höch⸗ ſtens hätte behaupten können, daß es der Anfang des Weinbaues zu Rüdes⸗ heim geweſen; aber auch dieſe Annahme würde falſch ſein, denn es kann nur daraus gefolgert werden, daß es allenfalls der Anfang des Weinbaues auf den Rüdesheimer Bergen geweſen, während die dortigen Niederungen längſt bepflanzt waren. Dieſe Annahme ſtützt ſich auf die Erfahrung, daß der Weinbau in der Regel erſt in der Niederung und den Hügeln begonnen und viel ſpäter erſt zu den Bergen aufſtieg, weil deren Bebauung müheſamer und koſtſpieliger iſt.

Die Krone der bezaubernden Gegend des herrlichen Rheingaues iſt der Johannisberg und der dort gezogene Wein, ohne welchen kein diplomatiſches Eſſen ſtattfindet, die Perle aller Weine. Die enormen Preiſe entſprechen aber auch ſeiner Güte und ſeiner Berühmtheit. Im Jahr 1781 bezahlte ein Engländer für ein Fuder des Jahres 1779 fünfhundert Louisd'ors. Schon im vorigen Jahrhunderte wurde das Fuder gewöhnlich mit 3000 bis 4000 Gulden bezahlt. Jetzt koſtet die Flaſche Johannisberger Goldſiegel 6 Tha⸗ ler, mithin das Fuder zu 1200 Flaſchen gerechnet, 7200 Thaler. Den höch⸗ ſten Preis zahlte aber Baron Rothſchild. Man erzählt ſich, daß derſelbe ſeit langen Jahren von dem verſtorbenen Fürſten Metternich jedes Jahr zwei

Hausblätter. 1867. I. Bd. 30