Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Fr. Grebel. 463

wüſter ſelbſt, ſondern jene, welche der Armee gefolgt waren, ſich am Rheine niedergelaſſen und aus ihrem Vaterlande Ungarn, wo der Weinbau ſchon ſeit dem Jahr 276 blühte, Reben hatten kommen laſſen.

Der Name Frankenwein, nach ſeinem Stammlande Frankreich, und die Traubenartdie Franken haben ſich bis zu unſeren Tagen am Rheine und der Moſel erhalten und haben wohl Goethe's

Ein ächter deutſcher Mann mag keinen Franzen leiden, Doch ihre Weine trinkt er gern.

veranlaßt. Der gelehrte Abt Tritheim ſchreibt in ſeinen Originibus Franci- cis dem Könige Meroveus, dem Sohne Chlodwigs, den Anbau der Franken⸗ trauben an der Moſel zu, indem derſelbe 12,000 Moſellaner nach Frankreich verſetzt und ebenſo viele Franken an die Moſel geführt habe, welche die erſten fränkiſchen Weinſtöcke aus ihrem Vaterlande mitgebracht und an der Moſel gepflanzt hätten. Nach Anderen ſoll Karl d. G. die erſten Frankentrauben am Rheine gepflanzt haben; gewiß iſt, daß er die beſſeren, weißen Trauben⸗ arten des fränkiſchen Weines von Orleans nach Rüdesheim in's Rheingau verpflanzte. Er that überhaupt ſehr viel für den Weinbau in Deutſchland, beſonders dadurch, daß er ſchon gegen Ende des achten Jahrhunderts in ſei⸗ nen Geſetzen befahl, daß auf allen königlichen Kammergütern Weinberge angelegt werden ſollten. Und ſo mag die Volksſage von Karl d. G. in ſo weit gegründet ſein, daß er als der zweite Begründer des deutſchen und na⸗ mentlich des Rheingauer und Rüdesheimer Weinbaues zu betrachten und zu verehren ſei. Das ſchöne Gedicht Geibels, Karl d. G., den Weinbau bei Rüdesheim ſegnend, verdankt dieſer Volksſage ſeine Entſtehung.

Ein ganz beſonderes Verdienſt um den deutſchen Weinbau erwarben ſich die Mönchsorden und namentlich die Benedictiner. Sie lichteten die Wälder und trockneten die Sümpfe aus. Am Rheine erſtanden Kirchen, Klöſter, Stifter, Probſteien. Weinbekränzte Hügel ſpiegelten ſich in dem herrlichen Fluſſe, dem Könige der Ströme; um die heiligen Orte ſiedelte ſich an das bis dahin zerſtreute Volk, und hier, wo zu Cäſars Zeiten das Ge⸗ brülle der Büffel und Auerochſen verommen wurde, ertönten nun Glocken im Einklang der Geſänge fröhlicher Winzer. Der Rheinwein erlangte bald einen ſolchen Ruf ſeiner Vortrefflichkeit, daß man Weinreben vom Rhein nach Spanien und den kanariſchen Inſeln verſetzte, obſchon die Mauren zu ihrer Zeit in erſterem ſehr ausgedehnte Weinberge beſaßen.