Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Edmund Hoefer. 21

Mich, erwiderte ich kurz.Kommt, Hauptmann; ich laſſe Euch doch nicht los.

Und wir ſaßen in meinem ſtillen alten Zimmer, und die Lampe brannte. Er hatt' es ſich in der Sophaecke bequem gemacht, wie er's liebte und leider auch bedurfte. Und die Arme über die Bruſt gekreuzt, und der Cigarre, die er zwiſchen den Lippen hielt, nur von Zeit zu Zeit eine leichte Rauchwolke entziehend, ſaß er eine ganze Weile ſchweigend. Ich ſah mir wieder dies ſchöne Profil an und dachte an das, was er erzählt hatte und was noch nach⸗ folgen mußte ſollte ich's heut erfahren, was dieſen Menſchen gebrochen und dieſe Natur nicht zu ihrer Entwickelung hatte gelangen laſſen? Hatte denn dies, was ſich hier vorzubereiten ſchien, ſo ſchwer werden können, daß es alle ſeine Kraft und ſein Leben zerbrach? Aber freilich, eine ſolche Ge walt mißt ſich nicht nach dem Urtheil eines Anderen, ſondern nur nach der eigenen Individualität ab.

Ich war ſo tief in mein Schauen und Träumen verſunken, daß ich bei⸗ nah erſchrak, da er jetzt, ohne eine weitere Einleitung, ſeine Erzählung wie⸗ der aufnahm. Er hatte mein Zuſammenzucken bemerkt, aber er nahm keine Notiz davon; nur ein leiſes Lächeln flog durch die ſtillen Züge.

Als ich mich von ihr abgewandt hatte und mich nun zu Fabri begeben wollte, den ich richtig auf dem angewieſenen Poſten ſah, begegnete mir im Gedränge ein Hauptmann Herbert vomten Regiment, das, wie ich hin⸗ zufügen muß, ſchon ſeit dem letzten Friedensſchluß in der Stadt garniſonirte, während das zweite, bei dem ich wenigſtens einige ältere Bekannte hatte, erſt ſeit etwa anderthalb Jahren hieher verlegt war. Die beiden Offizierkorps ſtanden es iſt gleichgültig, weßhalb auf ſehr kühlem Fuß mit einander, und ich zählte in dem einheimiſchen keinen einzigen, mit dem ich verkehrt hätte. So verwunderte ich mich auch einigermaßen, da ich mich von dem Hauptmann anreden hörte, und mein Erſtaunen wurde noch größer, als ich die Worte vernahm:Herr Kamerad, da Sie hier noch fremd ſind, erlauben Sie mir vielleicht einen Rath, der auf das herzlichſte gemeint iſt. Kennen Sie die Familienverhältniſſe der Dame, mit der Sie eben tanzten?Nein, aber wie ſo? fragte ich ziemlich kurz.Ich bin in einer ruhigeren Stunde zu jeder Aufklärung bereit, ſagte er gleich artig.Hier kann ich Sie nur bit⸗ ten, knüpfen Sie vor dieſer Aufklärung keine Bekanntſchaft an, wie ſehr man Ihnen dies auch erleichtern möchte. Nochmals es iſt herzlich gemeint, Herr Kamerad.