Zeitschriftenband 
1 (1867)
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22 Zerbrochen.

Darauf, werdet Ihr begreifen, war nicht wohl etwas Unhöfliches zu erwidern; ich machte alſo meine Verbeugung und drängte mich weiter, zu Fabri, der mich mit den Worten empfing:Der wollte Ihnen wohl einen Floh in's Ohr ſetzen, in Betreff Ihrer Tänzerin?Profeſſor! ſagte ich faſt beſtürzt,ſind Sie ein Schwarzkünſtler?Leider Gottes nein, lachte er,aber hierzu bedarf's deſſen auch nicht. Denn wenn man den Herrn Sie beobachten ſah und alte Geſchichten weiß, und er dann mit Ihnen ſpricht, in ſeiner Paradehaltung da iſt's grade kein Hexenwerk, ſeine Worte zu kennen, ohne ſie gehört zu haben.Nun kommen Sie, kommen Sie, ſprach ich erregt.Ich lieb's nicht, neugierig zu ſein. Er ſtimmte mir achſelzuckend zu, und wir ſuchten uns einen Platz, wo er mir ungeſtört er⸗ zählen konnte.

Es war eine einfache Geſchichte. Der Major von Malinski gehörte zu jener dazumal zahlreichen Klaſſe von Offizieren, welche das ſchrankenloſe Leben während des Kriegs auch im Frieden nicht recht aufgeben konnten und die ihnen gewährte Protection und Nachſicht ſo lange auf's Spiel ſetzten, bis man ſie eben wohl oder übel fallen laſſen mußte. Dies ſtand auch von dem Major feſt er war unverbeſſerlich und die Schonung mußte aufhören; er wurde penſionirt, jedoch mit einer bei weitem höheren Penſion, als ihm eigentlich zukam, und, um das anzuführen, um aller dieſer Vorgänge willen bedauerte ihn kein Menſch, ſelbſt Fabri nicht. Mit den alten Kameraden dies alles geſchah in der von F. nicht weit entlegenen Feſtung G., wo auch Fabri damals angeſtellt war ſtand er trotzdem auf erträglichem Fuß und in der Geſellſchaft ſpielte er die frühere Rolle weiter: er war, wenn auch ein leichtſinniger und unter Umſtänden ſchrankenloſer, doch kein unehrenhafter Mann und beliebter Geſellſchafter, und ſeine Frau galt für die größte Schön⸗ heit ihrer Kreiſe, ließ ſich dieſen Vorzug gern gefallen, war eine Dame von Welt und genoß, wiederum muß ich hinzufügen: trotzalledem des beſten Rufs und der vollſten Achtung. Sie bedauerte man wegen der Extravaganzen des Mannes und der ihr jetzt auferlegten Einſchränkung. Sie hatte vordem ihr Haus zu einem der angenehmſten zu machen verſtanden; nunmehr ſah ſie nur ſehr ſelten noch Geſellſchaft bei ſich. Dieſe würdige Ergebung in das ihr Auferlegte rechnete man ihr gleichfalls hoch an.

Da tauchte vor etwa vier Jahren plötzlich das Gerücht auf, daß Ma⸗ linski's dennoch häufig, ja faſt allabendlich Geſellſchaft bei ſich ſehen ſollten, freilich ganz im Geheimen und faſt allein Herren: es werde dort ſehr hoch

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