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20 Zerbrochen.
heut wäre ſie ſchwerlich erſchienen, hätte die alte Freundin ſie nicht in ihren
Schutz genommen und wären die Eltern nicht darauf beſtanden, daß ſie ein⸗
mal aus der Zurückgezogenheit hervortrete.„Ueberdies,“ ſchloß ſie,„ſind die Feſtgeber, wie Sie vielleicht noch nicht wiſſen, ſehr empfindlich, wenn man ihrer Einladung nicht folgt. Und wir haben bereits die vergangenen zwei Jahre dieſe Sünde begehen müſſen.“
„Der Tanz war aus, wir hatten uns, abgeſehen von meiner Empfin⸗ dung, gut mit einander unterhalten, und da ich ſie zurückführte, durfte ich ſchon einmal ſcherzend ſagen:„nach Ihren Worten, mein Fräulein, müßte ich hier alſo auf ein Jahr Abſchied von Ihnen nehmen. Das iſt verzweifelt lange!“—„So arg iſt es nun doch grade nicht,“ verſetzte ſie lächelnd.„Hie und da gehen wir ſchon einmal aus, und wenn Sie die gleichen Bekannten haben, können Sie uns wohl begegnen— noch vor dem nächſten Ball auf dieſer Stelle.“— Sie ſtellte mich dann noch ihrer Beſchützerin, einer ver⸗ wittweten Regierungsräthin Haspar, und deren Tochter vor, und darauf zog ich mich zurück— tiefer bewegt als je und ſo zweifelhaft und unſicher wie möglich. Hätte ich meiner Nachbarſchaft gedenken ſollen? Hätte ich um die Erlaubniß zu einem Beſuch bitten müſſen? Durfte ich mich ihr heut Abend noch einmal nahen?— Ihr ſeht wohl, Franz, ich war ein großer Thor.“
Er hielt hier inne, denn wir waren mittlerweile der Stadt wieder nahe gekommen, und die Straße war ſo lebhaft, daß an eine Fortſetzung des Be⸗ richts nicht wohl mehr gedacht werden kounte. Wir gingen denn auch eine Weile in gleichgültigem Geſpräch weiter, und da wir durch's Thor und an die Straßenecke kamen, wo unſere Wege ſich gewöhnlich trennten, blieb er ſtehen und ſagte, mir die Hand bietend:„nun, auf ein andermal, Franz.“— „Ei behüte, Hauptmann,“ erwiderte ich und ſprach aus, was ich dachte,„ſo haben wir nicht gewettet. Jetzt ſeid Ihr einmal im Gange und angeregt, aber wann das wieder der Fall ſein wird, mag Gott wiſſen. Ihr kommt mit mir und wir bleiben heut Abend zuſammen. Ihr ſollt alles haben, wie es Euch behaglich iſt.“— Er zuckte die Achſeln.„Und wenn ich nachgebe, Franz— macht Euch keine großen Vorſtellungen von dem Reſt meiner Er⸗ zählung. Es iſt eine Geſchichte, wie ſie ſicher hundert- und aber hundertmal in der Welt paſſirt, und wenn etwas Beſonderes dabei war, kam das nur in Folge meiner Individualität hinzu, die mich eben Glück und Leid tiefer zu er⸗ faſſen zwang und ſchwerer überwinden ließ, als es bei den meiſten Anderen der Fall geweſen ſein möchte. Wen geht das an, wenn nicht mich allein?“—


