Zeitschriftenband 
1 (1867)
Einzelbild herunterladen

Von Edmund Hoefer. 19

ganz nahe, ohne daß ich meinen Zweck hätte erreichen können. Ich hatte mich ſchon wieder in die Nähe ihres Sitzes gedrängt nicht bloß um ſie zu ſehen, mein Lieber, ſondern auch weil ſolche Vorſicht am heutigen Abend ge⸗ boten war. Da fühlt' ich eine Hand auf meiner Schulter, und als ich mich umdrehte, war es Fabri, den ich bisher noch nicht bemerkt hatte.

Sehen Sie ſich Ihre Dame von vorhin an, Lieutenant? fragte er in dem vertraulichen Ton, zu dem wir nach und nach gelangt waren.Nun, ſie verdient's, ſie hat ſich in den paar Jahren wirklich merkwürdig heraus⸗ gemacht. Auch ich hab' ſie mir ſchon ein paarmal angeſehen und wollte, da ich ſie zuerſt mit Ihnen ſah, kaum meinen Augen trauen. Ich wußte gar nicht, daß ſie hieher gezogen. Die Familie war ganz verſchollen. Das ging ſo in einem Zuge fort, wie er ja auch jetzt noch fließend genug reden kann, daß ich erſt bei ſeinem völligen Schweigen zu der Gegenfrage gelan⸗ gen konnte:Sie kennen die Dame alſo? Wer iſt es?Ei, Fräulein Alma Malinska, ſagte er gleichfalls verwundert;nannte man ſie Ihnen nicht? Die Tochter des armen Majors.Sie ſagen das in gar be⸗ ſonderem Ton, Profeſſor, als ſtecke da ein Geheimniß, bemerkte ich. Geheimniß? Vielleicht hier für F., aber ſonſt gar nicht, erwiderte er;es war damals in G. die große Begebenheit aber freilich, Sie ſind ja erſt ſeit kurzem hier, und überdies weiß ich nicht, wie viel von den Gerüchten hier herüber gedrungen. Möglicherweiſe hat man's nach beliebter Art auch einfach auf die Seite geſchoben man thut das in der Geſellſchaft ja ſelbſt mit denen, die man einmal zu ihren Größen gezählt hat. Er ſagte dies alles mit mehr Gefühl, als ich bisher in ſolchen Fällen bei ihm zu be⸗ merken gehabt, ſein Auge ruhte mit Theilnahme auf dem Mädchen, das eben wieder zum Tanz antrat, und ich gewann dadurch das Recht, ohne heuchle⸗ riſche Gleichgültigkeit zu entgegnen:davon müſſen Sie mir erzählen, Pro⸗ feſſor. Der nächſte Tanz mit der Dame iſt der meine dann, halten Sie ſich dort an der Thür, will ich zu Ihnen kommen.

In einer Pauſe des Tanzes ſprach ich gegen ſie mein Erſtaunen dar⸗ über aus, daß ich ihr bisher noch nirgends in der Geſellſchaft begegnet ſei. Das wäre begreiflich, meinte ſie ruhig, da ſie auch ſehr ſelten in derſelben zu erſcheinen Gelegenheit fände. Sie wären überhaupt noch nicht lange hier, ihrer Bekannten wären wenige, der Vater alt und leidend an alten Wunden; die Mutter und ſie ſelbſt würden dadurch viel daheim gehalten und hätten auch nur ſelten die Stimmung, welche ſich für die Geſelligkeit eignete. Auch

. 2*