Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Edmund Hoefer. 17

ging durchaus anſtändig zu, und ich möchte es niemand gerathen haben, den Reſpekt gegen die ſogenannte gute, oder die Schicklichkeit gegen die ſchlichte Geſellſchaft zu vergeſſen. Die Innungsvorſtände und Feſtordner verſtanden in dergleichen Dingen keinen Spaß und fragten verzweifelt wenig nach Rang und Würde des Excedenten.

Daß ich nicht aus Vergnügen auf dieſen Ball ging, brauche ich nicht erſt zu ſagen; ich mußte mit meinem Kommandeur hin, der dort eine Haupt⸗ perſon war, und während die Kameraden luſtig umherdrängten, den Hof machten und Süßigkeiten ſagten, ſchob ich mich gelangweilt durch das Ge⸗ dränge, es war trotz der ſehr großen Räumlichkeiten furchtbar voll, weil jetzt noch alle Welt ſich im Hauptſaal hielt und wünſchte von Herzen wieder auf meiner ſtillen Stube zu ſein. Eigentliche Bekannte, mit denen ich hätte plaudern mögen, hatte ich noch kaum getroffen. Indem aber erho⸗ ben ſich die Klänge der Polonaiſe, und während alles wie toll durcheinander ſchoß und die Colonne ſich mühſam bildete, ſah ich den Kommandeur mir, dem Zögernden, mit mächtigem Kopfſchütteln drohen, und zugleich trat einer der beſchleiften Feſtordner an mich heranHerr Lieutenant, das geht nicht an, daß ſo ſchmucke und fixe Herren pauſiren, ſagte er,wenn noch ſo hübſche Damen da ſitzen. Erlauben Sie! Und indem hatt' er mich am Arm und fortgezogen und vor eine Dame geſtellt, die allein mit einer älteren und einer gleichfalls jungen in der Ecke ſtand an Sitzen war jetzt nicht für die Hälfte der Geſellſchaft zu denken; ich vernahm einen Namen, den ich nicht verſtand, und im nächſten Augenblick hatt' ich ihren Arm im meinen und begann mich mit ihr langſam in der Colonne fortzubewegen.

Wie mir zu Muth war, mag Gott wiſſen, ich könnte es Euch nicht ſchildern, nicht damals und nicht jetzt. Es war mein unbekanntes, geliebtes oder richtiger: angebetetes Visavis, die ſtets Geſuchte und nirgends Gefun⸗ dene! Ich fühlte mich förmlich betäubt und keines Wortes mächtig, ſo daß ich ihr in dieſen erſten Augenblicken wie ein alberner oder ungezogener Burſch' erſchienen ſein muß, und es bedurfte einer recht ordentlichen Pauſe, eines bedenklichen Andrängens der uns folgenden Paare und eines ernſtlichen Zu⸗ ſammennehmens, um mir eine von den gewöhnlichen trivialen Bemerkungen möglich zu machen. So vernahm ich doch zum erſtenmal ihre Stimme und damit war der Bann gelöst. Ich konnte ſprechen, auf ihre wenn auch kurzen und befangenen Antworten lauſchen, mit Entzücken die elaſtiſchen Be⸗

wegungen der anmuthigen Geſtalt beobachten, mit einer Art von unbeſchreib⸗ Hausblätter. 1867. I. Bd. 2