Zeitschriftenband 
1 (1867)
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16 Zerbrochen.

meiner Zerſtreutheit und meinem Tiefſinn zu necken, und in der Geſellſchaft,

welche in dieſem Monat am munterſten war, erging es mir kaum anders.,

Das alles verdroß mich ſelbſtverſtändlich und ebenſo folgerichtig wurde ich widerwärtig und ſuchte und bekam Händel; kurz es war eine fatale Zeit und Gott mag wiſſen, was endlich daraus geworden, wäre mir nicht endlich ich will einmal ſagen: der Zufall zu Hülfe gekommmen. Ich weiß freilich ſchon längſt, daß es etwas ganz Anderes war.

Die alte Stadt, in der wir lebten, i*ſt, oder wie ich vielleicht ſagen muß: war eine ſehr eigenthümliche; ich bin nie wieder dort geweſen, und die fünfzehn Jahre, welche ſeit jener Zeit vergingen, haben grade was alte Ge⸗ bräuche und Einrichtungen angeht, mehr und gründlicher aufgeräumt, als ein vorhergehendes ganzes Jahrhundert. Es gab damals dort noch mancher⸗ lei, was an eine längſt entſchwundene Zeit mit einer ſehr großen ſtädtiſchen Selbſtändigkeit gemahnte, und der außerordentlich bedeutende Handel, der zu Waſſer und zu Lande hier in Deutſchland hinein und dort nach Rußland und Polen, nach Ungarn und der Moldau und immer weiter ging, hatte Verhältniſſe hervorgerufen, die an Eigenthümlichkeit ihres Gleichen ſuchten.

So bildeten die Lader und Packer ſie führten dort, glaub' ich, einen beſonderen, mir jedoch nicht mehr erinnerlichen Namen eine eigene In⸗ nung und zwar eine der angeſehenſten von allen. Sie hatte nicht nur ein ſehr bedeutendes Geſammtvermögen, ſondern zählte auch viele Mitglieder, welche zu den wohlhabendſten Leuten der Stadt gehörten. Aller Verkehr ging durch ihre Hände und mit dem Handelsſtande, vom Großhändler her⸗ unter bis auf den kleinſten Krämer ſtanden ſie auf einem beinah vertrauli⸗ chen Fuß. Sie hielten in jedem Winter einen großen Ball und es war an⸗ fangs eben nur eine Höflichkeit geweſen, daß ſie die Chefs der Häuſer, für die ſie arbeiteten, mit ihren Familien, ihren Verwandten und Freunden zum Beſuch desſelben aufforderten. Dieſe Einladungen waren aber immer wei⸗ ter ausgedehnt und mit Vergnügen angenommen worden und wurden zu meiner Zeit auf das ernſtlichſte geſucht. Es iſt möglich, daß manche ſich mit dem wohlthätigen Zweck entſchuldigten es gab jedermann eine Art von Entree zum Beſten der ſtädtiſchen Armen; die meiſten gingen aber doch des Vergnügens wegen hin und um ſich ein paar Stunden lang an dieſer wun⸗ derbaren Miſchung der Stände zu ergötzen, die man nirgends wie hier fand: die ſchlichteſten Bürger und die excluſivſten Patrizier, die ſtolzeſten Beamten und Militärs zeigten ſich mit den Ihren ganz höflich neben einander. Es