Zeitschriftenband 
1 (1867)
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14 Zerbrochen.

nigen wandte, die darin hausten; wie die erſten, zufälligen, zerſtreuten, ſe⸗ kundenlangen Blicke allmälig zu einem vorſichtigen und bangen, ſtundenlan⸗ gen Spähen wurden, das ſchier meine ganze freie Zeit in Anſpruch nahm, das mich jede Störung durch den Dienſt, durch einen Beſuch verwünſchen ließ lieber Gott, es war ſeltſam genug und doch ſo einfach und natürlich wie irgend möglich! Denn wie ruhig ein Herz auch ſein, für wie feſt gefei't der Menſch ſich halten mag gegen jeden Eindruck, den ein anderes Weſen auf ihn machen könnte einmal ſchlägt doch auch für dies Herz die Stunde, und einmal fühlt doch auch er's, daß und wo er verwundbar iſt.

Ich hatte bis dahin, ſagt' ich Euch, nie einen tieferen Eindruck empfan⸗ gen, nie mich wirklich gefeſſelt gefühlt, jetzt, ſeit ich das Mädchen drüben geſehen, war es mit meiner Freiheit vorüber. Das iſt aber nicht bloß alles, was ich darüber ſagen kann, ſondern es war auch in Wirklichkeit für eine lange Zeit alles, was ich mir ſelbſt zu ſagen wußte. Von Fortſchritten war kaum die Rede. Es verging mancher Tag bis zu dem erſten, längeren und ernſteren Blick; es verging Woche auf Woche, bis ich die vier verſchiedenen Bewohner ſelber unterſchieden und ihr Treiben und Bewegen, wie ich vorhin berichtete, endlich beobachtet hatte, und als ein Vierteljahr herum war, das heißt im Februar, wußte ich noch nichts weiter von ihnen, als was ich ge⸗ ſehen hatte.

Lacht mich immerhin aus, mein Freund hätt' ich es von einem An⸗ deren gehört, was ich an mir ſelbſt erlebte, ich wäre vermuthlich auch nicht ernſt geblieben. Allein über mich ſelber lachte ich nicht. Gleich in den erſten Tagen hatte ich einmal zu Fabri von dem alten düſteren Gebäude geſprochen und bedauernd nach ſeinen Bewohnern gefragt. Er wußte von den letzteren nichts, ja kannte kaum das Erſtere. Er wohnte im Hauſe gleichfalls erſt ſeit dem vergangenen Frühling; im Schlafzimmer, wo er ſich überdies wenig aufhielt, war das Eckfenſter zutapezirt, und das noch übrige zweite wurde durch einen großen Gartenbaum in dieſer Richtung ſo vollſtändig maskirt, daß man ſogar jetzt, durch das laubloſe Gezweige, kaum etwas von jenen Gebäuden drüben bemerken konnte.

So erklärte ſeine Unkenntniß ſich ganz einfach, und ich hatte dazumal doch noch nicht Intereſſe genug für den alten Bau und ſeine Einwohner, um mich weiter danach zu erkundigen. Später, ja ſogar bald, wäre mir dies unmöglich geweſen. Jede Frage wäre mir wie ein Verrath an meinem Her⸗ zen, wie eine unverzeihliche Indiseretion gegen diejenige erſchienen, die all