Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Edmund Hoefer. 11

gelegentlich noch einen Tanz machte und ſich gern an einem Spiel betheiligte, machte ihn für die Geſellſchaft noch brauchbarer.

So lautete etwa das Urtheil, das man in den mir zugänglichen Krei⸗ ſen über ihn fällte, und ſo lautete nach kurzer Zeit auch das meine, der ich ihm bald, ohne mich dahin zu drängen, näher ſtand als irgend ein Anderer. Daß ich in ſeinem Gaſthof, verſteht ſich von ſelbſt: es war der beſte und ich fand dort überdies nicht nur mehrere Kameraden, auf die ich denn doch einmal angewieſen war, ſondern unter ihnen auch dieſen und jenen, mit dem ſich in meinem Sinne verkehren ließ. Daß ich auch ſonſt häufig mit ihm zu⸗ ſammentraf, machte ſich gleichfalls wie von ſelbſt, er verkehrte viel mit Offi⸗ zieren. Die alten, mit Ausnahme der erſten kindiſchen Begegnung, durchaus freundlichen Erinnerungen und Beziehungen kamen dazu; er intereſſirte ſich warm für unſere Familie und hing, wie es ſchien, beſonders an meinem Vater und ſeinen früheren Zöglingen noch immer mit Liebe. Und ſchließlich erwies er mir ſelbſt einen Freundſchaftsdienſt, den ich mit vollem Dank anerkennen mußte: da ich keine mir zuſagende Wohnung finden konnte, verſchaffte er mir die hübſcheſte und bequemſte in dem von ihm bewohnten Hauſe, obgleich deſſen Beſitzer ſich bisher geweigert hatte, einen Offizier in's Quartier zu nehmen.

Mit einem Wort, es gab eigentlich nichts, was mir dieſen Umgang entleidet hätte, oder vielmehr, weßhalb ich ihn nicht auf das bequemſte hätte pflegen und fortſetzen ſollen, zumal ich, wie Ihr aus meinen früheren An⸗ gaben ſchließen dürft, nicht grade viele Bekannte, geſchweige denn wirkliche Freunde hatte. Wir harmonirten freilich in gewiſſer Beziehung wenig oder gar nicht: da ich Fabri beſſer kennen lernte, erkannte ich in ihm nicht ſowohl einen Lebemann, als vielmehr einen lockeren Geſellen mit aeeen Ge⸗ wiſſen, der mich obendrein anſcheinend für ſein Leben gern zu ſeinen Anſchau⸗ ungen bekehrt hätte. Da ihm das aber nicht gelang, gab er es, nachdem ich ihm einmal meinen Standpunkt gründlich klar gemacht, auf und unterließ auch bald ſein Spotten, als er bemerkte, daß es mir ſehr ernſt mit meinen Grundſätzen war und daß ich mich ſelbſt zu den Kameraden meſſens fremd ſtellte, da der unter ihnen herrſchende Ton mir nicht convenirte. Er fügte ſich als gebildeter Mann in das Gegebene mit guter Manier, und darauf kamen wir ganz wohl mit einander aus.

Das Haus, in dem wir wohnten, lag in einer Nebenſtraße, aber für mich darum ſehr angenehm, weil ich nur um die nächſte Ecke zu gehen hatte,