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Grunde: bei Ihnen iſt in den zwölf Jahren der ſtolze Bart gekommen, der Sie gleichfalls verändert, und trotzdem erkannte ich Sie im Augenblick.“ „Der Ton, in dem dieſe Bekanntſchaft erneuert wurde, behagte mir zwar nicht beſonders, bot mir jedoch auch keine Veranlaſſung zu einer abwei⸗ ſenden Entgegnung. Militär und Civil ſtanden ſich damals noch keineswegs ſchroff gegenüber, und da ich einestheils nicht zurückhaltend genug war, um nicht grade nach der froſtigen und langweiligen Reiſe am Ende von einem Gutgelaunten mich unterhalten zu laſſen; und andrerſeits für Fabri doch auch ein gewiſſes Intereſſe hatte, ſo erwiderte ich das Schickliche und ließ der Unterhaltung ihren Gang, Seit jener Begegnung im Vaterhauſe hatte ich ihn wirklich nicht wieder geſehen, denn da ich von der Univerſität kam, war ſein Amt in unſerem Hauſe ſchon zu Ende; er war vom Vater einem Be⸗ kannten für eine ähnliche Stelle empfohlen worden und ſollte ſich dort wohl befinden. Dann war er mir und wie ich dachte, auch den Meinen aus den Augen gekommen, und es war zwiſchen uns nie wieder die Rede von ihm ge⸗ weſen. Jetzt fand ich ihn hier, wo er ſeit einigen Jahren eine Oberlehrer⸗ ſtelle am Gymnaſium bekleidete und zugleich Vorleſungen an der Univerſität hielt, Beides, wie ich bald erfuhr, mit vielem Beifall. „Seine Stellung in der Stadt war überhaupt eine durchaus angeſehene — geachtete, will ich weniger ſagen, da man, in manchen Kreiſen wenigſtens, ſein Privatleben mit nicht grade günſtigen Augen anſah. Ein ſolider Mann, was man ſo zu heißen pflegt, war er im Grunde nicht, geſchweige denn ein unpraktiſcher und der Welt abgeſtorbener Menſch, wie man ihn in jedem Ge⸗ lehrten wittern will. Er war noch Junggeſell, aber nichts weniger als ein Weiberhaſſer, im Gegentheil ein großer Verehrer des ſchönen Geſchlechts und ein nicht minder großer Courmacher, ein Mann, der viel Vergnügen an ſogenannten Liaiſons finden und noch mehr Glück darin haben, vor allen Dingen aber bei dergleichen Affairen außerordentlich wenig an Recht oder Unrecht denken ſollte. Seine Wohnung war hübſch und bequem; das Stu⸗ dirzimmer das ſauberſte, das ich je geſehen, der Salon, wie er ihn hieß, hätte jeder Dame gefallen müſſen; ſein Schlafzimmetwar mit einer Art von Ko⸗ ketterie zu dem zierlichſten und wärmſten Neſt gemacht, das man ſich denken konnte. Er liebid nt zu eſſen und zu trinken, und der Wirth des Hotels, in welchem wir den Tiſch hatten, rühmte ſeine Zunge als die untrüglichſte der Welt. Endlich, ein Mann von Kenntniſſen, Bildung und Geſchmack und ein witziger Kopf, war er ein überall willkommener Geſellſchafter, und daß er


