Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Edmund Hoefer. 9

gleichfalls ſchon eine Braut. Kurz, es ſtand alles charmant, und mein Vater hatte, wie er ſagte, nur den einzigen Aerger, daß ich allein als Hageſtolz leben und ſterben zu wollen ſchien. Das glaubte ich ſelbſt freilich ihm nicht erſparen zu können, denn ich war faſt dreißig Jahre alt und hatte bis dahin noch niemals eine Bewegung geſpürt, die zu dem von ihm gewünſchten Ziele hätte führen können.

So ſtanden die Dinge, als ich in Folge günſtiger Umſtände ſchon nahe zum Hauptmann ſtehend, von meinem bisherigen Regimentschef aufgefordert wurde, ihn als Adjutant nach F. zu begleiten, wohin er als Brigadekomman⸗ deur verſetzt wurde. Der Vorſchlag war zu ehrenvoll, als daß ich ihn hätte ablehnen können, obgleich ich nicht gern von meiner bisherigen Garniſon und den alten werthen Kameraden ſchied. Ich kannte mich gut genug, um voraus zu wiſſen, daß ich in F. ſehr einſam ſtehen werde. Genauer kannte ich dort niemand, und leichtes Anſchließen war meine Sache nicht. Andrerſeits war die Ausſicht, an der Univerſität in F. Vorleſungen hören und meine alten Lieblingsſtudien bei den dortigen Hülfsmitteln beſſer verfolgen zu können, eine ſehr verlockende, und ſo ging ich der nächſten Zeit doch mit einer gewiſſen inneren Befriedigung entgegen.

Wir langten Abends an, und als ich ein paar Stunden ſpäter hung⸗ rig, müde und erfroren es war unfreundliches Herbſtwetter an der Wirthstafel erſchien, war meine Miene ſicher keine freundliche und ich nichts weniger als zur Unterhaltung aufgelegt. Ich weiß noch, daß ich mich freute, am Tiſch keine Uniform zu ſehen, und ſetzte mich nach einem flüchtigen allge⸗ meinen Gruß nieder, ohne von meiner Umgebung Notiz zu nehmen. Daher ſchaute ich auch halb verwundert und halb verdrießlich auf, als ich dennoch ſich jemand an mich wenden hörte.Ei, ſieh da ſind Sie's, Herr von Bode? klang eine Stimme über den Tiſch zu mir herüber. Und da ich den Sprecher, vermuthlich noch immer nicht gar freundlich, nur fragend anblickte, fügte er hinzu:kennen Sie mich nicht mehr? Bekannt war mir das Geſicht freilich, allein wenn es der war, an den es mich erinnerte, mußte es ſich ſehr verändert haben, und zögernd fragte ich:Herr Fabri?

Ja freilich, verſetzte er lachend und indem er mit dem Stuhle näher rückte,der bin ich. Aber haben die Leute denn wirklich recht, daß ich ganz unkenntlich geworden? Daß mein armer Kopf vor all den tiefen Studien Angſt kriegt und anfängt, Haare zu laſſen, kann's doch nicht ausmachen. Da hätte ich ja auch Sie nicht erkennen dürfen aus dem entgegengeſetzten