Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Von Edmund Hoefer. 7

geſchickt wurde, erhielt ich die Weiſung, mich vor wohlbeſtandenem Examen daheim nicht wieder blicken zu laſſen. Oft, das habt Ihr ſchon herausge⸗ fühlt, kam ſolche Strenge bei uns nicht vor; geſchah es aber, ſo war auch von ſchnellem Nachlaſſen keine Rede. Ich blieb in der That anderthalb Jahre drüben, obne ein einzigmal heimzudürfen und auch nur recht viel von dort zu erfahren. Vater und Tante waren keine großen Briefſchreiber und Franziska die jüngeren Geſchwiſter kamen nicht in Betracht ſchrieb natürlich nicht ohne ſie. So wußt' ich denn, als ich die Maturitätsprüfung endlich beſtanden hatte und heimkehren durfte, von dem, was es in dieſen anderthalb Jahren daheim gegeben, verzweifelt wenig, und daß wir für die jüngſten Geſchwiſter einen neuen Hauslehrer erhalten, war mir ganz unbe⸗ kannt geblieben. Das würde mir indeſſen ziemlich gleichgültig geweſen ſein, da ein ſolcher Fall ſich denn doch von Zeit zu Zeit wiederholte, wäre nicht der erſte Menſch, den ich bei meiner Einfahrt in den Gutshof ſah, dieſer Hauslehrer geweſen und von mir als Leonhard Fabri erkannt worden.

Ich will nur gleich anführen, daß der alte Rathsherr inzwiſchen ge⸗ ſtorben war und ſeine Familie in ſehr beſchränkten Umſtänden hinterlaſſen hatte. Leonhard hatte, da auf eine Anſtellung nicht ſo ſchnell zu hoffen war, in Folge deſſen ſich nach einer Stelle umgeſehen, in der er den Seinen nicht zur Laſt fiel, und als unſer alter Lehrer um dieſe Zeit eine Pfarre bekam, ſich um den Platz bei uns beworben und ihn auch erhalten. Er hatte ſich in den vier Wochen, daß er im Hauſe, bei allen beliebt zu machen verſtanden. Von unſerer Affaire ich weiß nicht, ob die Meinen überhaupt jemals da⸗ von erfahren war natürlicherweiſe keine Rede.

Nach Tiſch, da ich zu meiner alten Stube hinaufſprang, um nach mei⸗ nen kleinen Reiſegeſchenken für die Geſchwiſter zu ſehen, begegnete er mir droben im Corridor.Junker Erwin, ſagt' er, als ich an ihm vorüber wollte,bitte, auf ein Wort. Vergeſſen können Sie's nicht haben, wie wir damals auf dem Fußwege zuſammen geriethen, aber ich bitte, denken Sie nicht mehr zornig daran. Wenn man ſoeben von der Univerſität kommt, ſpuken Einem noch allerhand alberne Hochmuthsideen im Kopf, und auch bei mir gab's ihrer im Ueberfluß. Ich ſcheue mich nicht zu bekennen, daß ich mich damals auf das ungezogenſte gegen Sie benommen und Sie auf das kindiſch'ſte herausgefordert habe. Vergeben Sie's mir und laſſen Sie uns fortan gute Freunde ſein.

Darauf war, wie Ihr mir zugeſtehen werdet, nicht viel zu thun und