Zeitschriftenband 
1 (1867)
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Zerbrochen.

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und ſtill machte. Dann war der Eindruck natürlich aber auch wieder ver⸗ ſchwunden.

Nachmittags, da die Schule zu Ende, ging ich bei gutem Wetter wie⸗ der nach Hauſe, nicht auf dem Fußſteig durch die Wieſen, welcher faſt ganz unter Waſſer ſtand, ſondern auf der Landſtraße, neben der ein Weg für Fuß⸗ gänger hinlief ein ſchmaler Pfad, rechts durch eine Hecke von den Wieſen getrennt, links durch den Straßengraben begrenzt. Da, jenſeits der letzten Vorſtadthäuſer, begegnete mir Leonhard Fabri, patzig daherkommend und ohne Miene zu machen mir, der ich doch die Hecke zur Rechten hatte, nach altem Herkommen auszuweichen. Der Weg war wie geſagt, ſehr ſchmal, die Straße jenſeits des breiten Grabens außerordentlich ſchmutzig, und ich drängte mich daher ſo nah wie möglich an die Hecke, um den Kommenden vorbei zu laſſen. Trotzdem ſtieß er hart mit mir zuſammen.

Was, willſt du mir den Weg vertreten, dummer Junge? fuhr er mich an, mich zugleich an der Schulter packend, und da ich mich mit unſanf⸗ tem Ruck frei machte, fügte er hinzu:laß mich das nicht noch einmal mer⸗ ken oder es ſetzt Eins. Und das kannſt du dir auch gleich merken: be⸗ trägſt du dich beim Herrn Diakonus und gegen die Damen noch einmal ſo albern, ſo werde ich dir die Ruthe geben.Dazu gehören zwei, mein Herr, ſagt' ich kaltblütiger, als ich mir ſelber zugetraut.Im Uebrigen aber iſt der Weg hier für jedermann, und wenn Sie mir ſo viel Platz ma⸗ chen, wie ich Ihnen. Da ſchlug er mir in's Geſicht, daß mir die Mütze vom Kopf flog, und zur Antwort umfaßt' ich ihn und warf ihn ich war ein ſehr ſtämmiger und beherzter Junge und er fein und ſchmächtig mit einem Schwung über die Hecke in die moorige Wieſe hinein. Ohne mich nach ihm umzuſehen, ging ich meines Weges weiter, ziemlich ſicher, daß er mich nicht mehr beläſtigen werde. Ich hatte darin recht gehabt. Ich ſah ihn nur noch ein oder ein paarmal von ferne; dann erfuhr ich zufällig, er ſei auf die Univerſität zurückgekehrt, um ſein Examen dort zu machen.

Das war meine erſte Begegnung mit Leonhard Fabri. Ich dachte wirklich nicht viel an das Rencontre, und als ich ein paar Monate darauf wegen eines kleinen Schulaufruhrs das Gymnaſium verlaſſen mußte und auf ein entfernteres geſchickt wurde, vergaß ich die Sache und den Mann bald ganz und gar.

Der Vater war über unſere Exceſſe und die Strafe nicht wenig böſe geweſen, und als ich in die fremde Stadt und auf die neue Schule hinüber⸗