Jahrgang 
27-52 (1867)
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übler Laune, und dem Sarkasmus und den bittern Reden des alten Herrn ſchenkte Niemand die geringſte Beachtung.

In Rußland iſt es immer Mode geweſen und iſt es noch, zu verſichern, daß die Kaiſerin durchaus keinen Einfluß habe und daß der Kaiſer und ſein allmächtiger Miniſter der Anfang, die Mitte und das Ende der ruſſiſchen Politik ſeien. Das iſt aber eine grundloſe Behauptung. Die Kaiſerin iſt eine jener Damen, die ſehr mächtig ſind, wenn ſie es auch nicht offen ſehen laſſen. Sie war einige Jahre lang kränklich und daher lebte ſie etwas zurückgezogen, aber ihre Macht er⸗ litt dadurch keinen Verluſt. Sie iſt eine ausgezeichnete, fa⸗ natiſche, unbiegſame Dame, aber in ihrem Benehmen mild und überredend, die hinſichtlich ihres Willens ſchwächer ſcheint, als ſie wirklich iſt; denn dem, was ihr mißfällt, ſetzt ſie einen paſſiven, aber entſchloſſenen Widerſtand entgegen. Sowohl ſie, wie ihr Günſtling, gehören gänzlich der kirch⸗ lichen Partei, deren Werkzeuge ſie ſind. Daher ſind die Zänkereien zwiſchen Rußland und England in der Wirklich⸗ keit das Werk der Intriguen eines höchſt abergläubiſchen Clerus, der ohne wiſſenſchaftliche Bildung iſt. Die Kaiſerin ſchickt indirect manchem der heftigſten Unruheſtifter in der Le⸗ vante, welche eine gerechte und friedliche Beilegung der grie⸗ chiſchen Frage verhindern, Geld und Ehrenbezeugungen. Ebenſo drängen ſich eine Menge angebliche Patrioten um ſie, welche keinen andern Zweck im Auge haben, als Geld von ihr zu erhalten. Ihre Agenten thun ſicher mehr, als ſie weiß und als ſie erlauben würde. Der Kaiſer ſelbſt nimmt an der Regierung ſeines großen Reichs keinen großen Theil. Wenn etwas gethan werden muß, ſo thut er es ſofort und ganz einfach. Er lebt in einem ſehr intimen Umgange mit wenigen ausgewählten Perſonen, und nur die Geſchäfte, welche in der Form von Neuigkeiten ſich einſtellen, ſind ihm angenehm. In ſeinen Freundſchaften iſt der Kaiſer liebepoll und treu und während ſeines ganzen Lebens hat er zu ſeinen nähern Bekannten in ganz brüderlichen Beziehungen ge⸗ ſtanden. Es iſt ſehr zu beklagen, daß dieſelben entſchiedene Spieler ſind. Sie beſchäftigen ſich mit Karten und Klätſche⸗ reien und haben wenig Muße für Politik, und daher iſt dieſer Gegenſtand aus ihren Unterhaltungen verbannt.

Aus dem hier Geſagten darf man ja nicht den Schluß ziehen, daß der Fürſt Gortſchakoff eine Null ſei. Das würde weit von der Wahrheit entfernt ſein. In Fragen, die nicht mit der Kirche zuſammenhängen, kann man ihn als den oberſten Leiter der Geſchicke von beinahe achtzig Millionen menſchlicher Weſen betrachten. Einige wenige Stellen in St. Petersburg und Moskau ausgenommen, nehmen ſeine clericalen Freunde ſeine Gönnerſchaft wenig in Anſpruch und in dieſer Beziehung iſt ſeine Stellung viel angenehmer, als die eines engliſchen Premierminiſters. Er thut praktiſch ganz das, was ihm gefällt und es iſt nicht nur für Nationen, die er regiert, ſondern auch für andere Nationen ein Glück, daß er im Allgemeinen ſtets das Gute zu thun liebt. C.

Die Würze des Lebens.

Ein Philoſoph hat geſagt:Abwechslung iſt die Würze des Lebens. Wir ſtimmen der Sentenz bei, ſobald das Wortheilſam vorangeſetzt wird. Hunderte von Menſchen ſterben vor ihrer Zeit in Folge der Langeweile, welche durch ein monotones Leben erzeugt wird, und manche Menſchen machen zuweilen nur deshalb ihrem Leben ein Ende, um der Einförmigkeit deſſelben zu entgehen. Eine Thatſache iſt es,

daß der Menſch von Natur ein reizbares Weſen und dazu geboren iſt, aufgeregt zu werden.

In Ermangelung jeder

Novellen⸗

Zeitung.

Aufregung geräth die Seele in eine Stockung. Sie ver⸗ langt, gelegentlich wie ein Eierrahm oder eine Sauce auf⸗ geregt zu werden, und wenn ſie nicht in der einen oder der andern Art geiſtig aufgereizt wird, ſo geht ſie ſicher ebenſo⸗ wohl zu Grunde, wie ein nicht umgerührter Eierrahm oder eine Sauce verdirbt. Es iſt nur die Frage: Wie kann der Menſch am wohlthätigſten aufgeregt werden? Jener Philo⸗ ſoph ſagt: Durch Abwechslung. Es giebt aber Verände⸗ rungen vom Guten zum Schlechten und vom Schlechten zum Schlimmern als wenn ein Mann das Beten mit Schwören vertauſchen und wenn er deſſen überdrüſſig ge⸗ worden, ein Mörder werden ſollte. Der Wechſel einer Ar⸗ beit mit der andern iſt erfriſchend; die Abwechslung von Ar⸗ beit und Spiel iſt angenehm und geſund; der Wechſel zwiſchen einer anſtrengenden Thätigkeit und einer voll⸗ kommenen Ruhe iſt erfreulich und ſtärkend. Alle dieſe Ver⸗ änderungen tragen zur Erhaltung der Geſundheit des Geiſtes und des Körpers bei, fobald ſie zur richtigen Zeit vorge⸗ nommen werden. Aber wir müſſen bei dem Wechſel mit der Einförmigkeit der Arbeit ſorgſam zu Werke gehen. Ver⸗ ſchwendung iſt nicht Erholung. Ausſchweifungen ſchwächen den Geiſt mehr, als die anſtrengendſte geiſtige Arbeit. Es iſt aber kein Unrecht darin, fröhlich zu ſein, nicht das ge⸗ ringſte. Dieſelbe Macht, welche uns mit kräftigen Muskeln ausſtattete, um damit zu arbeiten, gab uns auch Muskeln zum Lachen, und wir ſollen eben ſo gut unſre Seiten dadurch er⸗ ſchüttern, wie wir unſere Arme gebrauchen ſollen. Der weiſe Salsmo ſagt ganz richtig:Ein Jegliches hat ſeine Zeit und alles Vornehmen unter dem Himmel hat ſeine Stunde. So iſt es auch mit unſerer Lebenszeit, die wir abwechſelnd zur Thätigkeit und zur Ruhe und Erholung verwenden müſſen.

Mit je größerer Umſicht das geſchieht, um deſto erfreulicher

ind die Folgen für den Geiſt und Körper davon. ſ g und Körp

Ein verhindertes Duell. Zwei Damen auf der Inſel Cuba erfuhren, daß ihre Gatten ſich am folgenden Morgen an einer gewiſſen Stelle duelliren wollten und beſchloſſen gemeinſam das zu verhin⸗ dern. Am folgenden Morgen fanden ſich Beide bei Sonnen⸗ aufgang an der bezeichneten Stelle ein, die Eine in der Ge⸗ ſellſchaft ihrer drei, die Andere ihrer zwei Kinder, und ſo empfingen ſie ihre Gatten, die nicht wenig darüber beſtürzt waren. Natürlich kam es nun zu keinem Zweikampf und die Scene endigte ſich mit einem Frühſtück bei Champagner und einer vollkommenen Verſöhnung.

Ein ſchneller Entſchluß. Kürzlich fügte es ſich in Milwaukee, daß ein Wittwer

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und eine Wittwe, die ſich einander nur ganz oberflächlich

kannten, in demſelben Kirchſtuhl einer Trauung beiwohnten. Die Gemeinde war nicht wenig verwundert, als dieſelhen, ſobald die Ceremonie vorüber war, Hand in Hand zum Altar ſchritten, wo ſie den Geiſtlichen baten, die Ceremonie für ſie zu wiederholen und ſie ehelich einzuſegnen, was auch auf der Stelle geſchah, da die amerikaniſchen Geſetze der Gewährung dieſes Geſuchs kein Hinderniß in den Weg legen. C.

Misrellen. 3 Ein in Indiana erſcheinendes Blatt theilt mit, daß dort in den letzten zwei Monaten das Lynchgeſetz ſechszehn Mal zur Anwendung gekommen iſt.

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