Jahrgang 
27-52 (1867)
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Dieſe kleinen Erzählungen gehören

ſollte,

Vierte Solge.

Eine Lehrerin in Texas wurde von einem Manne in einer groben Weiſe beleidigt, der zugleich zu ihr ſagte, wenn ſie irgend einen Freund habe, der bereit ſei, Genugthuung zu verlangen, ſo möge ſie ihn nur zu ihm ſchicken. Die Dame entgegnete ihm hierauf, ſie bedürfe keines Beſchützers, denn ſie habe gelernt, ſich ſelbſt zu vertheidigen. Mit dieſen Worten ergriff ſie ein Piſtol und jagte ihm eine Kugel durch den Kopf.

In Michigan geriethen zwei dreizehnjährige Knaben über eine Kleinigkeit in einen Streit, der ſo heftig wurde, daß der eine von ihnen ein Gewehr ergriff und den andern durch einen Schuß todt niederſtreckte.

Ein Herr fragte einſt ein kleines Mädchen, ein einziges Kind, wie viel Geſchwiſter ſie habe und ſie antwortete ihm: drei oder vier. Ihre Mutter fragte Mary, als ſie allein waren, was ſie veranlaßt habe, eine ſolche Lüge zu ſagen. Ei, Mama, rief Mary,ich wollte nicht, daß er denken

Du ſeiſt ſo arm, daß Du nur ein einziges Kind hät⸗ teſt. 4

Eine junge Dame wurde von einem alten Hageſtolz in

einem überfüllten Schlitten gebeten, auf ſeinen Knieen Platz

zu nehmen, erhielt aber ſofort die Antwort:Nein, ich danke

Ihnen; ich befürchte, ein ſo alter Seſſel würde unter mir zuſammenbrechen. C.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Entſchleierte Dunkel. Novellen von Theodor Spitta. Berlin, bei Wegener. 1867.

leichten Unterhaltungslectüre an. Der Verfaſſer he bei mehr die Spannung, als den poetiſchen Genuß de Leſer im Auge gehabt und es lag ihm daher nahe, eine romantiſche Färbung in ſeine Compoſitionen hineinzuziehen. Dieſes leichte, wenn auch oft den Leſern gefällige Verfahren findet ſeine Erklärung darin, daß gegenwärtig beim

Leben und Lieben. Kleine Skizzen und bunte Bilder. Von Liebetreu. Berlin, bei Jonas. 1867.

Von dieſen Sachen ließe ſich in gewiſſem Sinne daſſelbe ſagen, wie von den vorigen, nur waltet der mil⸗ dernde Umſtand ob, daß ſie anſpruchsloſer im Tone des ephemeren Feuilletons verfaßt ſind.

Die den kleinen Blüetten hinzugegebenen Bilder aus Rom ſtellen ſich als colorirte Photographieen dar und geben manche Erinnerung mit wenig Ausſchmückung der Phantaſie flüchtig genug, doch lebendig wieder.

Album deutſcher Originalromane. Leipzig, bei Günther; Wien, bei Laſt. 1867. Die vier uns zunächſt vorliegenden Bände enthalten

einen Roman von Temme,Der Domherr, eine Geſchichte

aus der modernen Zeit. Temme's große Gewandtheit in Roman und Novelle, von welcher er zuerſt weſentlich in Criminalgeſchichten Gebrauch machte, hat ihm über⸗ haupt leichten Zugang zu allen Gebieten der Erzählung

1 verſchafft. Es iſt löblich vom Werfaſſer, ſich weſentlich

Publicum oft mehr Mangel an Kunſtb voraus⸗ geſetzt wird, als wirklich vorhanden iſt.

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dem Leben des Tages, den realen Verhältniſſen der Gegenwart und ihrer Geſellſchaft zuzuwenden. Bei ſolchen Stoffen wirkt er, wie auch im vorliegenden Falle, ſtets feſſelnd und befriedigt den Geſchmack des großen Leſerkreiſes, für den er denkt und ſchreibt. Ernſte Kunſt⸗ tendenzen liegen außerhalb ſeines Strebens wie ſeiner Leſer.

Auswahl dramatiſcher Werke. Von Auguſt von Kotzebue. Leipzig, Verlag von Kummer. 1867.

Dieſer fünfte Band enthält den Vielwiſſer, den Freimaurer, den alten Leibkutſcher Peter des Dritten, die Roſen des Herrn von Malesherbes und das Landhaus an der Heerſtraße, in welchem ſtets die Liebhaber⸗ theaterregien gern einkehrten und ein Abendbrod ver⸗ zehrten.

Außer den Vielwiſſern ſind es meiſtens einactige Luſtſpiele, von denen Kotzebue ſo viele geliefert hat, daß ſich eine ſehr brauchbare Auswahl daraus treffen ließ. Die Sammlung wird noch bis zu zehn oder zwölf Bänden fortgeſetzt. gis D. B.

Die Welt im Kleinen. Zwölf Bilder aus dem Kinderleben. Ein Familienbuch von Eduard Schulz, mit Text von Emil Rittershaus. Glogau, Verlag von Carl Flemming.

Von Jahr zu Jahr wird der literariſche Weihnachts⸗ markt glänzender und prächtiger, und wenn auch nicht ge⸗ leugnet werden kann, daß ſich unter der flimmernden Hülle der Ausſtattung gar häufig nur ein geiſtig beſchränkter Inhalt birgt, ſo iſt dennoch der gewaltige Fortſchritt nicht zu verkennen, der ſich im Gebiete der Kunſtliteratur mit Beihülfe der immer herrlicher emporblühenden ver⸗ vielfältigenden Künſte geltend macht. Einen neuen Bei⸗ trag zu dieſem ſo erfreulichen Fortſchritt liefert das vor⸗ liegende illuſtrirte WerkDie Welt im Kleinen. Jedes der zwölf Bilder von Eduard Schulz, der ſeine Beſchauer in die frohe Kinderwelt verſetzt, läßt uns erkennen, daß er die Bahnen von Ludwig Richter und Oscar Pletſch größtentheils mit Glück und Geſchick verfolgt. Die Aus⸗ führung der Bilder in Holz iſt von R. Brend'amour& Co. zu Düſſeldorf. Der ſie eröffnende und beſchließende Text von Emil Rittershaus, dem Dichter ſo vieler ſinniger Lieder, ſchlägt aus voller Seele den Ton an, der den Leſer ſofort gefangen nimmt, und ihn in den ſtillen Frieden häuslichen Gückes führt. Der prächtige Schlußvers lautet:

Wohlan, ihr Alten, ſetzt auf euer Knie

Die Kleinen, ihnen Bild um Bild zu zeigen,

Lebt mit im Reich der Kindheitspoeſie,

Tanzt mit im Geiſt der Jugend Ringelreigen!

Schaut in die lieben Aeuglein hell und klar

Den Himmel ſeht ihr drin ſich offenbaren!

O, werdet Kinder, lernt mit grauem Haar Euch in der Bruſt ein kindlich Herz beahrei. 1

* Ein Blutstropfen. Novelle von Max Lindau.(Schluß.) Inhalt: Gedichte von Franz Frenzel. Sylveſterlied. Der Bach und mein Leben. Literariſche Briefe von Otto Bank.

Feuilleton. Das Waverley der Deutſchen. Fürſt Gortſchakoff.

Die Würze des Lebens. Ein verhindertes Duell. Ein ſchneller Entſchluß. Miscellen. Vom deutſchen Buͤcher⸗ markt.