Jahrgang 
27-52 (1867)
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Jahre

Vierte

Einen ganz beſondern Widerwillen fühlte er gegen den Grafen Neſſelrode, welcher oft ganz gegen ſeinen eigenen Willen ein Inſtrument der Strenge ſeines Vaters geweſen war, und ſobald es nur der Anſtand erlaubte und möglich war, erhielt der größte Miniſter, welcher je die Geſchicke Rußlands gelenkt hatte, in einer ſummariſchen Weiſe ſeine Entlaſſung. Dann begann der neue Kaiſer das zu beſei⸗ tigen, was während der letzten Regierung gethan worden war. Er beunruhigte und erſchreckte ſeine vertrauteſten An⸗ hänger, indem er mit ihnen ganz offen von der Emancipation der Leibeigenen wie von einer Sache ſprach, die er ſo feſt beſchloſſen habe, daß alle weiteren Einwendungen dagegen ganz nutzlos ſein würden. Vergebens machten einige der Kühnſten den Kaiſer auf die augenſcheinliche Gefahr eines Schrittes aufmerkſam, vor dem ſelbſt das muthige Herz ſeines Vaters zurückgeſchreckt ſei; umſonſt warfen ſich einige ſeiner älteſten Generäle leidenſchaftlich zu ſeinen Füßen, um Se. Majeſtät zu bitten, wenigſtens zu warten, bis ſie geſtorben ſeien, ehe er das Land in Anarchie ſtürze und in demſelben ein Blutvergießen anrichte. Vergebens belagerten der Adel und die Wucherer, denen der Adel verſchuldet war, das kai⸗ ſerliche Cabinet mit Proteſten gegen den Ruin, den dieſe Maßregel ihnen bereiten würde. Der Kaiſer ließ alle dieſe dringenden Vorſtellungen gänzlich unbeachtet, ja, er ging ſogar noch weiter er ſprach von der Freiheit der Rede und der Preſſe und verſprach halb und halb eine Conſtitution. Die alten Bewohner von St. Petersburg und Moskau waren über die Kühnheit der Flugſchriften und Caricaturen, welche öffentlich in den Schaufenſtern ausgeſtellt waren, ganz ver⸗ blüfft. Die Miniſter wurden offen angegriffen, ihre Finanz berichte beſprochen und getadelt und ihre Entlaſſung ver⸗ langt. Dem Czaar ging es gar nicht beſſer, als ſeinen Mini⸗

* ſtern: man ſtellte ihn als einen benebelten Droſchkenkutſcher dar, welcher gedankenlos, aber luſtig auf ſeinem Sitze ruhte,

während ſein Bruder, der Großfürſt ſtantin, auf dem Sitze der Paſſagiere hinten die Zügel halte und geneigt ſcheine, die wild galoppirenden Pferde noch mehr anzutreiben, damit irgend ein Unglück ſich ereigne.

So war die Sachlage ein Jahr nach dem Tode des Kaiſers Nicolaus, dem der Zuſammenſturz aller ſeiner Hoff⸗ nungen das Herz gebrochen hatte. Der neue Kaiſer war feſt entſchloſſen, Popularität zu gewinnen und ſeinen eigenen Weg zu gehen; aber unter ſeinen Miniſtern war keiner mächtig genug und von dem Willen beſeelt, den Kaiſer in ſeinen Plänen zu unterſtützen. Unter dieſen Umſtänden er⸗ holte er ſich, wie das auch ſchon geringere Männer vor ihm gethan haben, bei ſeiner Gemahlin Raths; und wie es ſehr

Soft der Fall iſt, daß einer Dame Staatsverhältniſſe nicht

in einem ſo ernſten Lichte erſcheinen, wie ihrem Gemahl, ſo fand die Kaiſerin auch in dieſem Falle de eine denun ſir dieſe Schwierigkeit. Zufälliger Weiſe hatte ſie, als ſie ein paar Jahre vorher ihr Geburtsland, Deutſchland, beſuchte, dort einen ruſſiſchen Staatsmann kennen gelernt, der ſofort ihre Achtung und ihr Wohlwollen gewann. Es war der ruſſiſche bevollmächtige Miniſter an dem Hofe in Stuttgart. Wie die meiſten Diplomaten an kleinen Höfen, hatte er auch ſeine Beſchwerde, aber er ertrug ſie in einer ſo großartigen Art, daß die Gemahlin des Großfürſten Thronfolgers dar⸗ über ganz erſtaunt war. Sie hörte, gar nicht ungern, die Erzählung voll harter, bitterer Worte an, die von Denen ge⸗ ſprochen und geſchrieben waren, von denen ſie recht gut

wußte, daß ſie dieſelben ausſprechen und ſchreiben konnten.

Sie und ihr Gemahl hatten oft unter den Spötteleien des

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Czaars und ſeines verdienſtlichen Miniſters gezittert. Vor Beiden fürchtete die hohe Dame ſich wirklich und es verſchaffte ihrem weiblichen Herzen keine kleine Erleichterung, ſich ver⸗ ſtohlen über dieſelben unterhalten zu können, wie verſtimmte und ſich verletzt fühlende Damen mit einem Freunde ſprechen werden, der ihr Vertrauen gewonnen hat. Der neue Ver⸗ bündete der Großfürſtin Thronfolgerin war ganz der Mann dazu, ſich ſchnell den Weg in das Herz der Damen zu bahnen. Er hatte eine merkwürdig gute Meinung von ſich ſelbſt und drückte ſich über ſeine eigenen Verdienſte mit einem ſolchen Vertrauen aus, daß es von Seiten der Prinzeſſin weder höflich, noch ihr möglich geweſen ſein würde, den geringſten Zweifel darüber zu unterhalten. Seine Sprache war voller Pomp, was als Beredtſamkeit erſcheinen konnte, und gleich⸗ zetig hatte der Mann etwas Ritterliches und Liebenswür⸗ diges. Aber ſeine Hauptſtärke war ſeine Religion, ſein ortho⸗ doxer Glaube, und die Großfürſtin, obſchon in Deutſchland geboren und erzogen, war ſeit langer Zeit gänzlich in den Händen der griechiſchen Prieſter geweſen, ſchenkte ihm des⸗ halb ſofort ihre volle Achtung. Da die Prinzeſſin gewöhnlich auf ihren Reiſen einige griechiſche Geiſtliche in ihrem Gefolge hatte und da ſich in den meiſten kleinen Hauptſtädten Deutſchlands eine Zahl vornehmer Ruſſen fanden, ſo wurden die Berathungen an dem Theetiſche, an denen Fürſt Gortſchakoff ſich betheiligte, ſehr zahlreich. Natürlich wurde ſie überwacht, wie das bei den Prinzen gewöhnlich geſchieht, und der Kaiſer Nicolaus wurde ärgerlich. Er trug gar kein Bedenken, offen zu er⸗ klären, Alexander ſei ein theatraliſcher, abgeſchmackter Mann, deſſen Großſprechereien ihm Unheil bereiten würden. Glück⸗ licherweiſe war der Kaiſer indeſſen ſelbſt ein frommer Mann, und dem Einfluß des Clerus, deſſen man ſich fortwährend bediente, gelang es nach einiger Zeit, den Kaiſer zu beruhigen. Bis zuletzt jedoch konnte er den Namen ſeines Miniſters in Stuttgart nicht erwähnen hören, ohne daß ſich in ſeinem Geſichte ein ſpöttiſches Lächeln zeigte, und jede Anſtrengung, demſelben einen höhern Poſten zu verſchaffen, ſtellte ſich als nutzlos heraus. Das war der Mann, welcher durch den vereinigten Einfluß der Kaiſerin und des Clerus erwählt wurde, den höchſten Poſten in der Verwaltung Rußlands auszufüllen. Zuerſt war die Oppoſition gegen eine ſo unerwartete Ernen⸗ nung ſehr groß. Die meiſten unparteiiſchen Stimmen ſpra⸗ chen ſich zu Gunſten des Barons von Brunnow aus. Er wurde entſchieden von dem Fürſten Woronzow, dem mäch⸗ tigſten Manne in der Umgebung Alexanders, unterſtützt und allſeitig erkannte man an, daß der Baron Brunnow ſeinen Geſandtſchaftspoſten in London meeiſterhaft vertreten habe. Dann gab es eine mächtige Partei für den Grafen Orloff, Andere ſprachen vom Grafen Kiſſeleff und ſogar eine Zeitlang von dem ſcharfzüngigen und unglücklichen Fürſten Menſchikoff, dem Urheber des Krimkrieges. Gegen eine Clique aber, wie die war, welche ſich zu Gunſten des Fürſten Gortſchakoff organiſirt hatte, konnte kein Mitbewerber irgend eine Aus⸗ ſicht auf Erfolg haben. Dem Grafen Neſſelrode wurde durch die Abberufung der Geſandten Creptowitſch aus London und Bontenieff aus Conſtantinopel ein letzter Schlag verſetzt. Der Baron Brunnow kehrte mit neuen Ehren auf ſeinen frühern Poſten zurück und an die übrigen Nebenbuhler des jetzigen Canzlers denkt Niemand mehr. Fürſt Menſchikoff, der wahrſcheinlich die allergeringſten Ausſichten hatte, wurde durch ſeine Niederlage ſehr bitter geſtimmt, aber in ihren

Hoffnungen betrogene Staatsmänner ſind ſprüchwörtlich ſehr