Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte Folge.

ihr zur Seite ein türkiſches Wohnhaus, wie direct von den Ufern des Bosporus hierher verſetzt. Als⸗ dann, noch intereſſanter, Aegypten mit einem phan⸗ taſtiſchen Sphynxtempel und einem Caravanſerail mit Kameelen und Dromedaren, die einen eigenthümlichen Begriff von den Pariſern bekommen müſſen, denn jedesmal, wenn man ſie aus ihrem Stalle hinaus⸗ läßt, um ſie ſpazieren zu führen, laufen ihnen ein paar hundert Herren und Damen nach.

Ferner zeigt ſich uns hier eine genaue Copie von dem Sommerpalais des Vicekönigs, der daſſelbe, wie der Prinz von Wales ſeine cottage, in Perſon bewohnen wird; endlich in einem großen Gebäude das getreue Modell der Arbeiten des Suez⸗Canals mit einem Geſammt⸗Panorama des berühmten Iſthmus, vielleicht einer der intereſſanteſten Gegenſtände der ganzen Weltausſtellung, welchem wir deshalb auch einen beſonderen Beſuch zugedacht haben. Mexico zeigt uns ſeinen berühmten Götzentempel von Pochi⸗ calco, die blutrothen Wände(wegen der Menſchen⸗ opfer) mit fratzenhaften Bildern bemalt; antiquariſch i*ſt das vielleicht merkwürdig, aber hier im Bilde eine unerfreuliche Erinnerung an jenes unglückliche Land. Japan und Siam ſind vertreten durch Pagoden, luftige Häuſer aus Bambusrohr und einen Stall für weiße Elephanten. Nun zu China, das einen großen . Kiosk gebaut hat, mit Nebengebäuden und einem abgeſchloſſenen Garten, ganz wie man dergleichen auf unſeren gemalten Theebretern ſieht, weshalb auch dort Thee ſervirt wird. Außerdem verſpricht uns das himmliſche Reich ein Theater mit ächten Schauſpielern aus Peking und endlich den ſehnlich erwarteten Re⸗ ſtaurant, den die meiſten Pariſer Blätter ſchon vor Monaten geſchildert haben, bevor noch der erſte Stein dazu herbeigeſchafft war, und zwar wegen der Bedie⸗ nung, die aus kleinfüßigen, zopfhaarigen Chineſinnen beſteht, d. h. beſtehen wird. Wir machen auch hier und bei den Schauſpielern dieſelbe Reſerve, wie eben bei den weißen Elephanten. Der Bey von Tunis hat ſich ein großes Palais conſtruiren laſſen, eben⸗ falls eine Copie des ſeinigen daheim, und auch er wird dort einen Monat lang reſidiren; von Marocco gilt ein Gleiches, obwohl der Beſuch des dortigen Kaiſers weniger verbürgt iſt. Aber trotzdem was werden wir hier für den nahen Sommer Alles an mehr oder weniger gekrönten und mehr oder weniger hohen Häuptern zu ſehen bekommen! Iſt doch der Bruder des Taikun von Japan(Taikun ſoll ſogar Weltherrſcher bedeuten) bereits eingetroffen und im Grand⸗Hötel abgeſtiegen, wo ſein Gefolge allabendlich die Kaffeehäuſer der Boulevards alarmirt. Wenn ſich die guten Leute nur waſchen wollten, ſo moͤchte

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man ihnen allenfalls ihre Häßlichkeit, die ſie ja nicht verſchuldet haben, und diejenige ihres Anzugs, den ihnen ja ihre Landesſitte vorſchreibt, verzeihen. Sie ſcheinen jedoch den Gebrauch des Waſſers und der Seife nicht zu kennen. Wahrhaftig, wenn man ſie betrachtet, möchte man faſt dem unchriſtlichen Diderot Recht geben:l'homme n'est qu'un singe perfec- tionné!

Die Maroccaner haben ſogar auf dem Marsfelde ein mauriſches Bad gebaut, aber wie es ſcheint, auch nur für uns, die wir es doch ſehr wahrſcheinlich gar nicht benutzen werden, und nicht für ihren eigenen Gebrauch. In das maroccaniſche Kaffeehaus werden wir indeß die Leſerin führen; aber wir wollen erſt ſelbſt darin geweſen ſein, um zu wiſſen, ob wir es auch wagen können. Die Donaufürſtenthümer haben einen Pavillon mit drei bunten Thürmen gebaut und die Merkwürdigkeiten ihres Landes darin ausgeſtellt.

So weit im Allgemeinen das quartier anglais. Die ganze Oſtſeite des Marsfeldes begrenzen auch hier, ähnlich wie die Weſtſeite des franzöſiſchen Viertels, lange offene Hallen, wo eine Menge engli⸗ ſcher und nordamerikaniſcher Maſchinen Platz gefunden hat, für welche im Hauptgebäude kein Raum war. Ein genauer Beſuch dieſer Hallen würde allein einen halben Tag koſten, ſo groß und reichhaltig ſind ſie. Dadurch nähern wir uns aber wieder der europäiſchen (Dampf⸗) Cultur, und um auch auf dieſer rechten Seite dem Pariſer Leben ganz zurückgegeben zu werden hat man nach der Seine hin das internationale Caſino errichtet, ein großes dreiſtöckiges Gebäude im gewöhn⸗ lichen Hausmann'ſchen Boulevardſtyl, ähnlich wie die vielen geſchloſſenen Geſellſchaften in Paris ſelbſt mit Converſations⸗, Leſe⸗ und Billardzimmer, einem Ge⸗ ſchäftslocale für die Ausſteller, einem Kaffeehauſe mit Reſtauration, ſogar mit einem Ballſaale und den nöthigen Boudoirs, mit Bädern und Telegraphen⸗ bureaux, kurz ein elegantes Pariſer Höôtel mit allem möglichen Comfort unſerer Tage. Die ſonſt übliche Ballotage für die Aufnahme wird hier durch einfache Präſentation, welche aber mit einem Hundertfranken⸗ billet begleitet ſein muß(niemals ohne dieſes!) erſetzt. Für Fremde iſt indeß dieſer Cercle jedenfalls eine große Reſſource, da derſelbe gewiſſermaßen einen geſchäftlichen Mittelpunct des Marsfeldes bietet.

Aber treten wir, bevor wir uns in die beiden anderen Viertel, in dasquartier allemand und das quartier belge begeben, einen Augenblick zum Ausruhen und auch aus Neugier in den engliſch⸗ auſtraliſchen Reſtaurant, den erſten rechts vom Haupt⸗ 8 eingange, und nehmen wir aus Rückſicht auf den nahen Orient einenMazagran(talter ſchwarzer Kaffee mit