lich machen.
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822— Novellen⸗Zeitung.
mein theures Kleinod wieder haben, das er mir zu entreißen ſuchte. Du verſchwandeſt— lange irrte ich umher, in Aegypten, im Norden Europa's; überall vermißte ich Dich, ſuchte ich Dich. Jetzt habe ich Dich wieder, und für das Leid, welches ich Jahre lang trug, will ich Erſatz, Dich!“
Sie machte eine Bewegung; er faßte auf's Neue ihre Hand und hielt ſie feſt:„Halt, Du entfliehſt mir nicht. Des Prinzen Schatten iſt verſöhnt, Du wirſt mir folgen!“
„Unmöglich, Baron Walton; uns trennt Ihre That,“ hauchte ſie.
Er knirſchte mit den Zähnen.„Meine, That? Schlange, wer hat ſie veranlaßt, den Todten bei mir an? Du, Du!“
„Laſſen Sie mich; Sie würden durch mich nicht glücklich ſein; ich liebe Sie nicht, liebte Sie nie.“
„Aber Du wollteſt meine Hand nehmen, um die reiche Frau von Walton zu werden. Als der Prinz Dir ein glänzenderes Loos bot, wurde der Edelmann verſchmäht. Hätte ſich ein König um Dich beworben, ſo hätte dieſem der Prinz weichen müſſen!“
„Keine Reden dieſer Art, Herr von Walton!“ ſagte Cornelia, welche ihre Faſſung wieder gewonnen hatte.„Was that ich? Ich machte nur von dem Rechte Gebrauch, das Jedem zuſteht; ich löſte die Verlobung, weil ich in der Ehe mit Ihnen kein Glück erhoffte. Haben Sie die Güte, mich jetzt zu verlaſſen.“
„Du machteſt von Deinem Rechte Gebrauch, ſo iſt es; aber eine kleine Hinterthüre ließeſt Du Dir offen. Falls der Prinz im letzten Augenblick zurücktrat, wollteſt Du mich wieder annehmen. Deshalb ſchriebſt Du, als halte die alte Fürſtin Dich gefangen, als übe der Prinz eine Art von Zwang auf Dich aus. Daß aus Deiner Doppelzüngigkeit ein Duell entſtand, was galt das Dir? Es wurde dadurch ja nur ein junger, hoffnungsvoller Mann getödtet, der Dich liebte, und ein Anderer muß den Fluch, ein Mörder zu ſein, mit ſich herumſchleppen und hat keine glück⸗ liche Stunde mehr; auch, weil er Dich liebte! Unter falſchem Namen haben Sie auch in anderen Orten—“
„Herr von Walton,“ unterbrach ſie ihn,„könnte ich mit meinem Tode das Geſchehene ungeſchehen machen, ich würde noch heute ſterben, ach wie gern! Aber mein Tod würde Niemanden beglücken, ſondern nur Einen, den ich verehre und liebe, ewig unglück⸗ Ueber ſein Glück, das er voll Ver⸗ trauen in meine Hand gelegt hat, werde ich wachen mit allen meinen Kräften. Seien Sie großmüthig, Herr von Walton; Ihr Leben iſt getrübt, leider mit durch meine Schuld, aber auch durch Ihren Charakter. Wozu fruchtloſe Reue? Laſſen Sie mich an einem Andern
meine wer klagt
gut machen, was ich an Ihnen und dem Prinzen— der gluͤcklicher iſt, als wir Beide— verſchuldete. Vielleicht, wenn Sie ruhiger werden, wird Ihnen aus fremdem Glück Freude erblühen, vielleicht—“
„Ich kenne Ihre Ueberredungsgabe; ſie wirkt nicht mehr auf mich. O Caroline, wie grauſam biſt Du! Aber Du ſollſt mit mir leiden, Du biſt verlobt; der Mann, den Du ſo liebſt, daß Du ſogar die Reue über Deiner Liebe vergeſſen haſt, ſoll Alles erfahren, Deine Vergangenheit kennen lernen!“
Seien Sie edel, Herr von Walton, denken Sie daran, daß Sie mich einſt liebten; treiben Sie mich nicht zum Aeußerſten!“
„Und was würdeſt Du thun?“
„Ich weiß es jetzt nicht, vielleicht mich tödten, vielleicht auch etwas Anderes.“
„Nun gut, Ich will abreiſen. Lebe wohl! Ich hoffe, wir ſehen uns nie wieder; ich hoffe, ich bleibe Sieger
Kampfe mit dem Dämon, der uiich treibt, Glück zu zerſtören.“
Er wandte ſich zum Gehen und verſchwand mit faſt übernatürlicher Schnelligkeik.
Sie ging, nachdem ſie die zerſtreuten Blumen geſammelt hatte, ſcheinbar ruhig nach dem Hauſe zu⸗ rück. Ihr Kopf begann ſie heftig zu ſchmerzen; ſie legte ſich zu Bette, vermochte aber nicht zu ſchlafen.— Spät Abends kam Frau Sternberg in Cornelia's Gemach, um nach ihr zu ſehen; ſie fand die Braut fiebernd und ſchickte nach Doctor Selten. Dieſer verſchrieb einen Kühltrank und erklärte Cornelien
ich will verſuchen, ruhig zu ſein.
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nicht für bedeutend krank, ſie würde ſich am nächſten⸗
Morgen erholt haben. Eduard war ſehr niederge⸗ ſchlagen; ſeine Schweſter Thereſe und ihr Mann fühlten ſich von der Reiſe ermüdet und angegriffen, die Braut fehlte: es ging an der Abendtafel ſehr einſylbig zu.
Doctor Selten ſagte:„Der Bruder Deines Freundes, Herr von Walton, iſt hier; ich ſah ihn dieſen Nachmittag, er wohnt im Hôtel de Rome. Ich war dort, um einen Krankenbeſuch zu machen, und hörte den Herrn, den ich auf den Corridor traf und welcher mir durch ſeine Aehnlichkeit mit Deinem Freunde auffiel, Walton nennen. Ich wechſelte einige Worte mit ihm; er ſieht krank aus und ich fürchte, ſein Geiſt iſt nicht ganz klar.
„Sollten wir ihn aufſuchen, zur Hochzeit ein⸗ laden?“ fragte gutmüthig Frau Sternberg.
„Er würde ein unheimlicher Gaſt ſein, denn er hat viel auf der Seele. Ich kenne ſein früheres
Leben, er hat im Duell den Prinzen Ludwig von N. N. erſchoſſen, aus Eiferſucht.“ 1 1


