Jahrgang 
27-52 (1867)
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nft und nicht von Phantomen.

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lich nicht ſo prachtvo

ſtand ein vornehm au

voorging, Theil zu nehmen.

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naebſt beigefügter Adreſſe hingen.

Vierte

Ich habe Fehler, ach, ſo viele. Doch jetzt, nun ich glücklich bin, jetzt, wo ich zum erſten Male aus tiefſter Seele liebe, will ich alle Fehler ablegen, gut ſein durch und durch!

Und bin ich in Wahrheit Deine erſte Liebe, Cornelia?

Habe ich Dir das nicht ſchon oft verſichert? entgegnete ſie ſanft.

Gewiß, ich glaube Dir ſo gern. Wenn ich denken müßte, daß Du früher Andere ebenſo geliebt, einem andern Manne daſſelbe geſagt hätteſt!

Was dann? rief ſie neckend.

Dann wäre ich unglückſelig und würde Dich haſſen und lieben zugleich. Ich würde Dir mißtrauen, kein Wort mehr glauben.

Dein Freund Wahl hat ſich mit einem Mädchen verlobt, das ſchon zweimal Braut geweſen war, ehe er ſie kennen lernte.

Dafür prophezeihe ich ihm eine traurige Ehe. Doch ſprechen wir lieber von uns, von unſerer Her⸗ Ich hätte Luſt, da

Du Italien kennſt und ich in England und Frankreich war, Norddeutſchland genau kennen zu lernen; was meinſt Du, wenn wir auf unſerer Hochzeitsreiſe die Hanſeſtädte, Oſtpreußen, Stettin, die Marienburg be⸗ ſuchten? Ich glaube nicht, daß uns dieſe Reiſe ſo viel Angenehmes böte, wie Sachſen, Schleſien, Böhmen. Lockt Dich nicht die Marienburg? Ich denke mir dieſen Bau wundervoll. 2 Er iſt auch ich meine, er iſt auch wahrſchein⸗ ll, als Deine Phantaſie ihn malt. Ich glaube, das Ungeſehene iſt oft ſchöner, als das, was das Auge erblickt, entgegnete Cornelia.Doch wir werden ja erſt in einigen Monaten getraut, haben alſo Zeit genug, zu überlegen, wohin wir reiſen.

Im Warteſalon erſter Claſſe des Nordbahnhofes zu***, der Stadt, in welcher die Sternbergs wohnten, sſehender Herr, das Abgehen des Zuges zu erwarten, mit welchem er nach Berlin

reiſen wollte. Spät Nachts war er, aus Italien kommend, in*** eingetroffen, um ohne Aufenthalt weiterzureiſen. Der Herr ſah blaß und unglück⸗ lich aus, er ſchien an nichts von dem, was um ihn

Mechaniſch wandte er karte, die er betrachtet ha von Photographieen, wel

ſich von einer großen Land⸗ tte, nach einer Sammlung che unter Glas und Rahmen des Photographen im Salon

Plötzlich belebten ſi 4

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ch ſeine abgeſpannten Züge, ¼

Holge. 821

er notirte ſich die Adreſſe und trat auf den Perron, ſeinem Diener zurufend:Ich bleibe vor der Hand noch hier. Rufen Sie mir einen Droſchkenführer, ich will zum Photographen Wintermann, Allee, Nr. 10.

Das Herz des Fremden klopfte ungeſtüm; endlich hielt der Wegen vor Herrn Wintermann's Thüre. Ohne ſich aufzuhalten, drückte der Herr dem Kutſcher einen Fünfguldenſchein in die Hand, und trat dann raſch in das Atelier des Künſtlers, den er, auf das Porträt deutend, haſtig anredete:Wann haben Sie dieſe Dame photographirt?

Vor drei Tagen.

Bitte, ihr Name?

Fräulein Harder, Braut des Profeſſors Stern⸗ berg.

Lebt die Dame hier?

Ich weiß es nicht genau, zuweilen hier, zuweilen auf Doctor Sternbergs Landſitz.

Ich danke Ihnen, mein Herr.

Der Fremde empfahl ſich; kopfſchüttelnd blickte ihm der Photograph nach.

Eine Stunde ſpäter trat Cornelia durch die Glasthüre des blauen Salons in den Garten. Den nächſten Tag ſollte ſie getraut werden. Dr. Stern⸗ berg und ſeine Gattin waren nach dem Bahnhofe gegangen, um Thereſe und ihren Gatten abzuholen; Eduard, der glückliche Verlobte, befand ſich beim Juwelier, die Eheringe zu beſorgen. Cornelia war allein und freute ſich darüber; ſie wollte von heute an nie wieder rückwärts ſchauen, nur vorwärts in die Zukunft, welche glänzend und liebereich vor ihr lag. Sie hatte gefehlt, ſchwer gefehlt, aber ſeit ſie Eduard als den Ihren betrachten durfte, hielt ſie

ſich für begnadigt. Sie wollte fortan durch Werke der Barmherzigkeit die nie ruhende Nemeſis verſöhnen.

Zum Schmuck für die Mittagstafel brach ſie einen Strauß von Septemberblumen. Als ſie um eine längſt abgeblühte Syringenhecke ſchritt, ſtieß ſie plötzlich einen Schreckensſchrei aus, die Blumen ent⸗ fielen ihrer Hand und ſie würde zu Boden geſunken ſein, wenn nicht ein kräftiger Arm ſie aufrecht ge⸗ balten hätte. Der Herr, welcher vor Kurzem bei dem Photograpben geweſen war, ſtand vor ihr.

Endlich ſehen wir uns wieder, Coroline?

Sie ſchwieg.

Du biſt noch immer ſo hold, wie zu jener Zeit, als ich Dich meine Braut nannte, aber wärſt Du auch gealtert, krank, entſtellt, immer muß ſch Dich lieben. Ich war lange krank nach jenem gräßlichen Morgen, an dem ich ihn erſchoß. Gott weiß es, ich wollte ihn nicht tödten, nur Dich frei machen, nur

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