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Dierle olge.
Die von dieſen Stämmen bewohnten Berge ſind äußerſt fruchtbar und zur Coloniſation ausgezeichnet geeignet.
Lees beſuchte Aſſam in der günſtigſten Zeit des Jahres, hätte aber doch am Oſchungelfieber beinahe ſein Leben ver⸗ loren. Trotzdem iſt das Klima kühl, die Landſchaft ſchön und der Boden reich, und mit einiger Aufmerkſamkeit und einiger Kenntniß des wirklichen Charakters und der Bedürfniſſe des Volkes, nach Aufgebung des Syſtems der allgemeinen An⸗ wendung gewiſſer Regeln auf die verſchiedenen Verhältniſſe und durch die Herſtellung einer für die Regierten paſſenden Regierung, könnte man die Provinz zu einer der geſündeſten, angenehmſten und lohnendſten in Indien machen. In ſeinem jetzigen Zuſtande iſt Aſſam ein trauriges Beiſpiel des Elends und der Verwüſtung, welche der von England im entweihten Namen des Chriſtenthums und der Civiliſation verübten Beraubung der einheimiſchen Fürſten nur allzu oft folgten.
Schriftſtellerverdienſt.
In England, Frankreich und Nordamerika fällt es be⸗ liebten Schriftſtellern nicht ſchwer, ſich mit ihrer Feder ein großes Vermögen zu erwerben. Charles Dickens hat für ſeine Werke wahrſcheinlich eine halbe Million Dollar erhalten und ſein jährliches Einkommen beläuft ſich auf 70,000 Dollar. Er iſt aber auch ein vollkommener Geſchäftsmann, der ſeine Bücher ſelbſt verlegt, obſchon er ſie von Chapman und Hall verkaufen läßt, denen er dafür gewiſſe Procente bewilligt; Miſtriß Stowe hat ſich durch ihren„Uncle Tom“ ein kleines Vermögen erworben. Die Geldſummen, welche
— Laoper, Irving und Männer von ähnlichem Range erwor⸗
ben haben, ſind bedeutend, ſogar Sylvanus Cobb junior und Miſtriß Southworth haben Vermögen aufgehäuft; die Sum⸗ men, welche die Verfaſſer der in Nordamerika beliebteſten Schulbücher daran verdient haben, klingen ganz fabelhaft. Noah Webſter lebte während des größten Theils ſeiner Lebenszeit von dem Ertrage, den ihm ſein ABC⸗Buch ge⸗ währte.
„Ddie Summen, welche einzelne franzöſiſche Schriftſteller für manche Werke erhielten, ſind noch auffallender. Victor Hugo erhielt für„Les Misérables“ 80,000 Dollar und für das Verlagsrecht eines einzigen Gedichts 8000 Dollar, während ihm für„Notre Dame de Paris“ 40,000 Dol⸗ lar und für ſeine andern Werke ähnliche große Summen bezahlt wurden. Man ſagt, er habe das Gebot von 100,000 Dollar für das Verlagsrecht ſeines letzten Werkes aus ge⸗ ſchlagen, und doch machte es ihm große Mühe, für ſein erſtes Werk einen Verleger zu finden, der ihm dafür 300 Fr. be⸗ zahlte.
George Sand, oder mit ihrem wirklichen Namen Ma⸗ dame Dudevant, erhielt für jeren ihrer 75 Bände Novellen 10,000 Dollar und außerdem noch gegen 80,000 Dollar für ihre Theaterſtücke. ¹
Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß Alexander Dumas, der Vater, eine Million 5 mit ſühnen Werken verdient und auch verſchwendet hat. Miß Braddon erwirbt ſich ſchnell ein Vermögen. Sardou, der Verfaſſer von„La famille Benoiton“— ein Theaterſtück, das unter dem Na⸗ men„The fast family“ in einer engliſchen Ueberſetzung in Newyork aufgeführt wird— empfing dafür von den Theatern in Paris und in den Provinzen 30,000 Dollar. 4 Paul Feval erhielt für ſein Luſtſpiel Le Bossu“, das in Newyork als„The Dukir Motto“ auf der Bühne er⸗
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ſcheint, 24,000 Dollar und für den„Fils du Diable“ 22,000 Dollar. Ponſard empfing auf ſein letztes Werk einen Vorſchuß von 12,000 Dollar. Lamartine hat als Schriftſteller ſehr große Summen bezogen, iſt aber dennoch in ſo zerrüttete Verhältniſſe gerathen, daß die franzöſiſchen Kammern in dieſem Jahre durch eine Nationaldotation ſeiner Geldnoth ein Ende gemacht haben. Eugéne Sue empfing für ſeine„Mysteries de Paris“ 750,000 Franken und beinahe ebenſoviel für ſeinen Juif érrant. Seine übrigen Werke brachten ihm ebenfalls ein großes Vermögen ein, das er ganz in derſelben Art verſchwendete, wie franzöſiſche Au⸗ toren es gewöhnlich zu thun pflegen. Scribe hinterließ bei ſeinem Tode ein Vermögen von 800,000 Dollar, mehr als vier Millionen Franken. C.
Definitionen des Glücks.
Jedermann ſtrebt danach, glücklich zu werden, und es iſt ein ſehr großer Vortheil für die Menſchheit, daß die Vor⸗ ſtellung von dem Glück, nach dem ein Jeder ſtrebt, je nach dem Stande, Lebensberuf, ja ſelbſt nach dem Alter ſo ſehr verſchieden iſt. Wir wollen uns hier nicht damit beſchäftigen, worin die Menſchen ihr Glück erkennen und ſuchen, wohl aber wollen wir verſchiedene Definitionen von Glück mit⸗ theilen, die von bekannten Schriftſtellern und Philoſophen davon gegeben worden ſind und mehr oder weniger Intereſſe darbieten.
Robert Owen ſagt:„Das Glück, von der Erziehung und der Geſundheit erzeugt, beſteht in dem Wunſche, die Freude ſeinesgleichen zu vermehren, in der Geſellſchaft ſympathiſcher Weſen, in der Abweſenheit des Aberglaubens, in dem Wohl⸗ wollen und in der Nächſtenliebe.“
Dieſe Theorie iſt ſicher der entmuthigenden Philoſophie gewiſſer in Thränen zerfließender Mataphyſiker vorzuziehen, die mit Ballanche ſagten:„Ich habe erkannt, daß das Glück eine fremde Pflanze iſt, welche in den Gefilden des Himmels wächſt und die auf der Erde nicht acclimatiſirt werden kann.“
Materialiſtiſche Philoſophen haben mit Fourier geſagt:
„Das Glück, über das man ſich ſoviel geſtritten und ſo⸗ viel Unvernünftiges geſagt hat, beſteht darin, viel Leiden⸗ ſchaften zu haben und viele Mittel zu beſitzen, ſie zu befrie⸗ digen.“
Feinfühlende Epikuräer haben mit Eugéène Sue ge⸗ ſchrieben:„Das wahre Glück beſteht in einem beſcheidenen Wohlſtande, geheiligt durch die Arbeit, verſchönert durch die Freundſchaft, die Einſicht und die Künſte, erhöht durch edle Geiſtesgenüſſe, gereinigt durch das Bewußtſein des Rechten und des Guten und über dieſem Allen geheilt von der Todes⸗ furcht durch einen feſten Glauben an die Unſterblichkeit der Seele.“
Destutt de Tracy verſichert,„das Glück des Menſchen ſtehe zu der Maſſe ſeiner Einſichten im Verhältniß.“
Herr de Rémuſat ſagt:„Das Glück hat kein andres Maß, als das Gefühl; es beſteht nur durch den Eindruck, den es erzeugt. Seine ganze Wirklichkeit iſt in dem Herzen.“
Joſeph de Maiſtre ſagt dagegen:„Es iſt eine voll⸗ kommen bewieſene Thatſache, daß die Güter und die Uebel eine Art von Lotterie ſind, worin ein Jeder, ohne Unter⸗ ſchied, ein weißes oder ein ſchwarzes Loos ziehen kann.“
Molé behauptet:„Unſer Glück hängt immer theil⸗ weiſe von unſerm Willen ab. Wenn ich es wagte, würde ich ſogar ſagen, daß es ganz davon abhängt.“
Aus dieſen Widerſprüchen ergiebt es ſich, daß der


