Novellen
line. Ich ſchenke ihr meine Herrſchaft Roſenhalde; im Sommer könnt Ihr in dem Schlößchen wohnen, im Winter bei mir. Caroline wird Baronin von Roſenhalde genannt und Deine Kinder heißen Barone. Du ſollſt mein Erbe ſein, Allen zum Trotz! Du biſt ja mündig und wirſt katholiſch getraut.“ (Fortſetzung folgt.)
Eines Weibes Frage.
Aus dem Engliſchen der Anna Adelaide Prater. Ueberſetzt von Alice Salzbrunn.
Bevor ich mich dir anvertrau' Und meine Hand wird dein, Bevor ich in die Zukunft ſchau' Zum fröhlichen Verein,
Bevor ich Alles trag' für dich, Befrag' die Seele ſtill für mich.
Ich breche jede leicht're Pflicht,
Bin ſcheidend nicht betrübt:
Und hält auch dich Vergangnes nicht, Haſt du nichts mehr geliebt?
Und iſt dein Glaube klar und frei, Wie dir mein Herz verpfändet ſei?
Fand nicht in deinem dunklen Traum Jemals ein Zweifel ſich,
Daß du in dieſem Erdenraum Entbehren könnteſt mich?
Geſchah dies,— o tootz bittrer Pein! Geſtehe mir es jetzt noch ein.
Noch tiefer ſieh'; und wenn du fühlſt In deinem tiefſten Sein,“
Daß einen Wunſch du noch behieltſt, Wenn ich mich dir will weihn,— Kein falſches Mitleid ſchweige ſtill, Weil ich die Wahrheit wiſſen will.
Dein Herz noch eine Lücke fand,
Die meines nicht erfüllt?
Rührt eine Saite fremde Hand,—
Vor meiner Hand verhüllt?
Sprich jetzt, daß nicht am künft'gen Tag Mein Leben ſeufzend brechen mag.
Verbirgt den Dämon deine Bruſt,
Den Dämon Wechſelſucht?
Erſcheinet dir mit Glanz und Luſt
Das Neue, ſchnell in Flucht?
Es iſt dein Fehler nicht allein,
Doch wahr’ mein Herz vor ſolcher Pein!
Zeitung.
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Kannſt Du die Hand einſt von mir ziehn, N
Erwidernd meinem Recht:
Das Schickſal konnteſt du nicht fliehn, Sei'ſt dieſes Tages Knecht?
So tröſten viele Sünder ſich,
Doch du wirſt heut' gewahren mich.
Nein, rede nicht,— o ſchweige mir!
Die Antwort kommt zu ſpät,
Die Reue wollt' ich ſparen dir,
Auf daß dein Glück beſteht;
Gedenke,— wenn mein Herz einſt klagt— Ich wählte: Alles ſei gewagt!
Literariſche Briefe von Otto Banch. 4
Handbüchlein für Freunde des deutſchen
Volksliedes. Von Vilmar. Verlag von Koch. 1867.
Marburg in Heſſen,
Wenn Sie Vilmar mit den übrigen Verfaſſern
der deutſchen Literaturgeſchichten vergleichen, ſo ſtellt ſich in ihm an hiſtoriſchem Wiſſen, Klarheit der Aus⸗ einanderſetzung der faſt allen Rivalen überlegene Kopf für die altdeutſche Epoche, für die Zeit der
Minneſänger, der Meiſterſänger und der alten Volks⸗
liederdichtung in unſerer Literatur heraus. Q
ſelbſt Dichter und ſomit in die Technik tief eigeweiht zu ſein,„hat Vilmar doch ein inniges Verſtäwniß für den Genius der Poeſie und der deutſchen Sprache. Dabei iſt er Feind von allen theoretiſcha Spitz⸗ findigkeiten und zu weit in die trockene Aſtraction hineinführenden Analyſen. Seine Reſultateerweiſen ſich immer in ſiegreichen, klaren ſprühen, wo dieſelben nicht von jenem bekannte etisms ſeiner Richtung getrübt werden, der ihm ja oͤgar zum großen Theil den freien Zugang zum ALrſtändniß Goethe's verſchloſſen hat. Mit dieſem Magel haben ſich die Kenner Vilmar's, wie billig, ereits auf tolerante Weiſe abgefunden. Sie fühle ſich ent⸗
ſchädigt durch das Treffliche, welches e ihnen ſo
reichhaltig bietet.
Zu dieſem Fonds tritt hier eine höhſt liebens⸗ würdige Erweiterung über die Entwkelung des deutſchen Volksliedes. Man kann den ae Literatur⸗ träume ſo hoch anmuthenden Gegenſtandricht conciſer
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faſſen. Der Verfaſſer giebt in einer Eireitung einige
ſwarme Hinblicke auf die Volkspoeſie, idem er ſagt:
Alle wahre Kunſt, die des Wores, wie des Bildes und des Tones, iſt tiefes kedürfniß des menſchlichen Geiſtes, nicht der Willkü. Diejenigen Erſcheinungen der Poeſie ſind alſo umer die be⸗
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