Jahrgang 
27-52 (1867)
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790 Novellen

aber nicht zur beſtimmten Zeit ein. Caroline lernte in jener Zeit Alfred v. W. näher kennen, ſie fand Gefallen an ihm: er bot ihr mit ſeiner Hand eine angeſehene, unabhängige Stellung, folglich verlobte ſie ſich mit ihm. Seine Familie ſah dieſe Verbin⸗ dung nicht gern, allein heftige Einwendungen wurden von derſelben nicht gemacht, würden auch Alfred's Entſchluß nicht umgeworfen haben.

Hatte die Familie die Verhältniſſe oder den Charakter des Fräuleins im Auge? fragte Frau Sternberg.

Wohl Beides. Weil die junge Dame arm und verwaiſt war, hielt man es für möglich, daß ſie ſich aus Intereſſe mit Alfred verlobt hatte.

Das denken reiche Eltern und Geſchwiſter ſtets, als ob ein armes Mädchen weder Herz noch Charakter beſäße, bemerkte Cornelia ſcharf.

Eugen fuhr fort:Im März verlobte ſich Alfred, im Mai ſollte die Trauung ſtattfinden. Die alte Durchlaucht bat, Caroline noch bis zum erſten Juni behalten zu dürfen, die Braut willigte ein, der Ver lobte mußte nachgeben. ⸗Du behältſt mich ja dann für das ganze Leben,⸗ ſagte ſie.

Im April traf überraſchend Prinz Ludwig bei ſeiner Tante ein; er hatte allerlei tolle Streiche ge⸗ macht und flüchtete zu ihr, denn er war eben mit ſeinem Vater, mit der ganzen Familie zerfallen. Als er unangemeldet in ſeiner Weiſe, ſo recht wie ein verzogenes Kind in das Zimmer der Tante trat, ſaß Caroline halb verborgen von dem Fenſtervorhange und las der Fürſtin vor. Er ſah die Vorleſerin nicht gleich und ſtürmte auf die alte Dame los, indem er

ſie ungeſtüm umarmte und lachend ausrief:Da bin ich, guödige Tante, und behältſt Du mich, ſo bleibe ich bis An's Ende meines Lebens bei Dir!

Was hat es gegeben daheim? Ich weiß es ſchon, Ihre Hoheit kommen immer nur zur Tante Sophie, wenn Sie ſich Suppen eingebrockt haben, ſprach die Fürſtin mit angenommenem Ernſt.

hören, ich habe 8Halt! rief eine wohllautende Altſtimme,er

Der Prinz ſchaute ſich um: urplötzlich, wie eine

Fee, ſtand Caroline vor ihm. Sie trug ein faltiges 1 vender aus, als je.

1 Er verbeugte ſich in ſeiner graziöſen Weiſe; Fräulein Caroline Hagen. Bleiben Sie, Caroline, Prinz Ludwig ſoll zur Strafe ſeine Thorheiten in

Zeitung.

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Warum nicht? Da Fräulein Hagen gewiß ein Herz hat, wird ſie mir verzeihen, das heißt, meine Handlungsweiſe begreiflich finden, und was man be greift, verzeiht man auch. Ich ſollte mich vermählen, mit meiner Couſine in A., und da ich Prinzeß Anna nicht liebe, ja nicht einmal einigermaßen gern habe, weigerte ich mich, dieſe Verbindung einzugehen. Na⸗ türlich ſind der gnädigſte Papa, Oheime und Tanten ſehr erzürnt, Tante Adelgunde vor Allem.

Die alte Fürſtin lachte, ſie mochte ihre Couſine Adelgunde nicht.Alſo deshalb biſt Du zu mir ge⸗ flüchtet, Wildfang? Nun bleibe nur, vorausgeſetzt, daß Du ſchön ſolid biſt.

Tauſend Dank, gnädigſte Tante! Ich fühle mich der Familie gegenüber im vollſten Rechte. Hätte mein durchlauchtigſter Papa mir einen Königsthron zu hinterlaſſen, ſo wüßte ich, was ich meiner Stel lung ſchuldig wäre; aber als zweiter Sohn eines Fürſten, der ohnehin in Kurzem mediatiſirt ſein wird, halte ich es für Thorheit an ſich und für Sünde gegen mein edles Selbſt, mich contre coeur zu ver⸗ mählen. Was habe ich denn vom Leben, da ich weder etwas zu regieren, noch mit dem Schwerte zu erobern oder ein Vermögen zu erwarten habe, wenn ich mich nicht einmal gründlich verliebe, um doch einige Zeit ſo glücklich zu ſein, als es einem jungen Manne auf dieſem unvollkommenen Planeten mögli

Du wärſt ſo recht die Frau für mich geweſer

ſteb wärſt Du jung, Tante, und nähmeſt mein ſerz an, ſch

Ihre fürſtliche Durchlaucht ſollen es ſofort lauben Ihre Höheit erſt, daß ich mich entferne. Gewand von feinem blaßrothen Stoff und ſah rei⸗ die Fürſtin ſagte lachend:Meine Geſellſchafterin,

9 Ihrer Gegenwart beichten.

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Vielleicht; vielleicht auch nicht; aber Dir 3 von Thiemann Deine Zimmer anweiſen und ſei zur bat Theeſtunde wieder da. Du weißt doch, henn ich ml meinen Thee nehme? Pr

Alles, was Dich betrifft, weiß ich genu. Auf baldiges Wiederſehen, Durchlaucht! Ihr Diaer, mein R Fräulein!

Die Tante betrachtete mit Wohlgefllen den ic Neffen.Das iſt doch ein junger Mann, dr ſich mit da Grazie verbeugen kann, meinte ſie.Wi gefällt er vo Ihnen, Caroline?

Mir, Durchlaucht? Meine Erzieheri ſagte, als ich einmal fragte, ob Prinz Albert von Sachſen⸗Coo 4 burg ein ſchöner Mann ſei, nur Prinzeinen hätten das Recht, Prinzen zu betrachten und ülr ſie zu ur⸗ ſ theilen. 4 3

Bah! Nonesens, Caroline; ich bin me Prinzeſſin 1 aus einem alten deutſchen Fürſtenhauſe,habe es aber doch immer gern gehört, daß ein Lieuteant zum 9 8. dern ſagte: ⸗Prinzeß Sidonie iſt ſchör» oder wenn der Hofſchuhmacher ſchwur, daß er di Schihe nicht größer mache, als für die zehnjähige Jrinzeſſin Amalie.