Jahrgang 
27-52 (1867)
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eine Familie, welche mehrere Generationen hindurch nicht nur wegen ihrer Rechtſchaffenheit und Güte, ſondern auch um ihres Glückes willen geprieſen wurde. Seit langer Zeit waren die Herren von W. angeſehen, reich, beliebt und ſtarben erſt im höchſten Lebensalter ſanft und beweint. Die vor zehn Jahren in Altenthal, will ich ſagen anſäſſigen Brüder W. lebten mit ihren Nachbarn und bildeten das ſchönſte brüderliche Kleeblatt. Der jüngſte W. war ein angenehmer, ſchwärmeriſcher Mann, einer von den wenigen Männern, bei welchen die Liebe oder, wenn man will, die Leidenſchaft für ein ſchönes Weib das Schickſal ihres Lebens entſcheidet. Die anderen Brüder waren, im Vergleich zu Alfred, Verſtandes⸗ menſchen. Alfred hatte ſchöne Wiſſenſchaften ſtudirt und da er Vermögen genug beſaß, um kein Amt zu brauchen, ſich auch um keines beworben. Vielleicht war das ein Unglück für ihn, denn er gewöhnte ſich dadurch daran, mehr für ſich, als für Andere zu leben. Er gab allen Regungen ſehr nach, und bei aller Güte und Liebenswürdigkeit wurde er nach und nach ein vollſtändiger Egoiſt, ohne es zu viſſen. Den größten Theil des Jahres lebte er auf einem romantiſchen Schloſſe, jagte und gärtnerte, wenn er ſich in das Freie ſehnte, oder las und ſchrieb. Ohne ungeſellig zu ſein, wußte er ſich doch ſtets mit ſich

Rachbarſchaft machte, lernte er ein junges Mädchn kennen, welches ihn auf den erſten Blick ſo anzg, daß er ſofort eine heftige Leidenſchaft für ſie fühe.

junge Mädchen, voll Geiſt und Grazie, befand ſich in de peinlichſten Stellung: ſie lebte nämlich als ein Mitteldig zwiſchen Geſellſchafterin und Kammer⸗

jiuungferſei einer Fürſtin, welche in der Jugend ſchön 1 und ab

teuerluſtig geweſen, im Alter frömmelnd und

zänkiſchhar. Viel Gutes ſah und hörte die junge Dame J ich will ſie Caroline nennen bei der alten Duchlaucht eben nicht. Eine gute Eigenſchaft

1 jedoch baß die Fürſtin, nur trug dieſelbe nicht zu

Carolinen Glück und zur Veredelung ihres Charakters er. Dießürſtin war reich und hielt ein brillantes 1 Haus, waſauch freigebig. Sie gab zwar ihrer Ge⸗ ſellſchafteri keinen hohen Gehalt, denn ſie dachte nicht au d Zukunft derſelben, aber ſie ſchenkte dem armen Mächen, das von Natur ſchon den Luxus liebte, einé prachtvolle Garderobe, räumte ihr ein ſchönes Wotzimmer ein und ließ ſie an allen Tafel⸗ genüſſen, Shzierfahrten und ſonſtigen Vergnügungen Theil nehm. Dagegen mußte Caroline auch oft die üble Laut der Durchlaucht geduldig ertragen und ihr Bericht eſtatten über Alles, was ſich im Palais

1. Vierte

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und in der Nachbarſchaft ereignete. Die Fürſtin konnte mit dem größten Theile ihres Vermögens nach Be⸗ lieben ſchalten, deshalb wurde ſie von ihren Ver⸗ wandten ſehr fétirt, und zu Neujahr und an Geburts⸗ tagen regnete es Glückwünſche und Geſchenke von Neffen und Nichten, Schwägern und Pathen. Da ſie nicht mehr gut ſchreiben konnte denn ſie litt zu weilen an Augenſchwäche mußte Caroline der alten Durchlaucht die eingegangenen Briefe leſen und in ihrem Namen beantworten. Durch die Kennt⸗ niß dieſer Brifee erfuhr Caroline Manches, was ſie lieber nicht hätte wiſſen ſollen; es entſtanden Wünſche in ihrer Seele, die von Zeit zu Zeit immer lebhafter wurden; ſie beſchloß, das Netz der Unabhängigkeit, das ſie umſponnen hielt, zu zerreißen, ſie wollte leben, leben und die Schönheiten, welche die Erde bietet, ſehen: ſie wollte glücklich ſein. Wenn die alte Durchlaucht guter Laune war, pflegte ſie zu ſagen: Hör' zu, Caroline, meine Verwandten denken ſchon ſeit Jahren an meinen Tod. Jeder bildet ſich ein, der Haupterbe zu werden, aber ſie täuſchen ſich Alle und ich habe meinen Spaß daran, ſie durch zwei⸗ deutige Briefe zu foppen. Weißt Du, Mädchen, wer dereinſt mein Erbe ſein ſoll? Aber ſchweige davon: Kein Anderer, als Prinz Louis Eberhard, der Sohn meiner verſtorbenen Schweſter, der Herzogin Franz Eberhard. Er iſt ein leichtſinniger Burſche; kommt er, ſo bittet er mich ſchon am nächſten Tage, einen Theil ſeiner Schulden zu bezahlen, und erzählt mir alle ſeine leichtſinnigen Streiche; dennoch denkt er das weiß ich nicht daran, mich zu beerben, ſondern der Tod ſeiner alten Tante wird ihm weh thun.

Eugen machte eine Pauſe und ſah ſeine Zu⸗ hörer fragend an.

Frau Sternberg ſagte:Warum fahren Sie nicht fort, Herr Baldinger? 3

Intereſſirt Sie Carolinens Charakter, ehrteſte?

Ja, doch bin ich jetzt auf den Prinzen begierig.

Mich dauert das arme Mädchen; wie glücklich iſt Jede, die Eltern hat, liebevolle, geliebte! ſprach Thereſe und ſchmiegte ſich innig an ihre Mutter. Thereſe hatte nicht bedacht, daß dieſe Worte Cornelia weh thun mußten; Sternberg dachte daran und ſagte: Selbſtſtändige Charaktere ſind auch nicht unglücklich, wenn ſie alleinſtehen; ſie finden Freunde, welche es treu meinen. Doch, auch ich bitte, lieber Eugen, fahren Sie in Ihrer Erzählung fort. Ich fürchte, Ihre Heldin wird ſich ſelbſt in das Unglück ſtürzen, weil ſie zuviel vom Schickſale begehrt.

Eugen willfahrte und ſprach:Prinz Ludwig Eberhart wurde von der alten Fürſtin erwartet, traf

Ver⸗