Jahrgang 
27-52 (1867)
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lingsreſidenz der Könige von Navarra war. Das Klima Pau's und der Werth der Stadt für ſchwächliche Perſonen als Winteraufenthalt ſind ebenſo, wie bei andern Städten im ſüdlichen Frankreich, etwas überſchätzt worden, aber That⸗ ſache iſt, daß Pau eine der geſündeſten Städte iſt und daß ihre natürliche ſchöne Lage faſt ihres Gleichen nicht hat. Seit 1814, wo 5000 engliſche Soldaten unter dem Befehl des Lord Beresford ſich der Stadt Pau gewaltſam bemäch⸗ tigten, iſt dieſelbe allmälig bei dem engliſchen Volke immer mehr in Gunſt gekommen und jetzt bilden die Engländer da⸗ ſelbſt vom October bis zum Mai oder Juni eine kleine Colo⸗ nie, welche aus mehr als 2000 Perſonen beſteht, und ſeit der Herſtellung der Eiſenbahn von Paris vermehrt ſich die Zahl derſelben jedes Jahr. Das Letztere hat ſeine Schatten⸗ ſeiten und Nachtheile, weil Pau, das früher ein hübſcher Aufenthalt für eine Coterie Engländer war, dadurch in einen modiſchen und koſtſpieligen Badeort verwandelt worden iſt, wo ein Haus in einer guten Lage für die Winterſaiſon zu 200 Pfd. St. vermiethet wird. Es giebt dort einen eng⸗ liſchen Club, der reichlich mit Büchern verſehen iſt, und eine gute Bibliothek, in der man ſich abonniren kann. Auch eine Meute Jagdhunde findet ſich daſelbſt. In der Umgegend giebt es Jagdreviere und während des Winters herrſcht dort auf den vielen Bällen und Picknicks, die veranſtaltet werden, viel Frohſinn.

Ueber die Bewohner der beſuchten Gegenden theilt der Verfaſſer wenig mit, bemerkt aber, daß deshalb weder Doré noch er ſelbſt zu tadeln ſeien, denn nachdem ſie ſich Monate lang in den Gebirgen aufgehalten hätten, wüßten ſie von dem Volke doch nur ſehr wenig. Deſto reicher iſt aber die Belehrung, welche die Schrift über die Landſchaft und die Gebirge ſelbſt mittheilt, weshalb ſie in England auch mit großem Beifall aufgenommen worden iſt. C.

Die Vogelſprache bei den Czechen.

Alle Welt weiß, daß der ZaunſchlüpferKönig der Vögel genannt wird. Gleich den Märchen vieler Völker erzählt auch eine böhmiſche Thierſage, daß die Vögel einſt beſchloſſen hätten, den zum König zu wählen, der am höchſten fliegen könne. Bei dieſem Wettfluge habe ſich der winzige Zaunſchlüpfer in den Federn des Adlers verſteckt, und als zu⸗ letzt auch dieſer mächtige Vogel ermüdete, ſei der Zaun⸗ ſchlüpfer mit noch ungeſchwächter Kraft emporgeflogen. Der Adler habe ihn nicht mehr einholen können und alſo ſei der Zaunſchlüpfer König geworden. Da habe er ſtolz geſchrieen: Strizlicek pän.(Zaunſchlüpfer iſt der König.) Bald aber entdeckten die Vögel den Betrug und wollten den kecken Wicht tödten. Da verſteckte ſich der Zaunſchlüpfer und mußte fortan in dichten Hecken und hohlen Bäumen wohnen und auch hier ſehr auf der Hut ſein, um der Rache ſeiner Feinde zu entgehen. AberZaunſchlüpfer iſt der König! ruft er auch heute noch in den Hecken und Bäumen zum großen Aerger der übrigen Vögel.

Die Schwalbe ſcheint keine beſondere Freundin der ehrbaren Schuſterzunft zu ſein. Man ſagt, ſie ſchaue am frühen Morgen in die Stube des Schuſters hinein und wenn ſie ihn noch im Bette finde, da fange ſie ſpottend zu zwit⸗ ſchern an:

Hör', Meiſter Satan, der Korb iſt leer, Wir haben keine Borſten mehr;

Steh' auf und ſprich Dein Frühgebet,

Hol' aus dem Stall paar Borſten her!

Novellen⸗

Zeitung.

Die Golddroſſel iſt gram dem Bauer, der ſein Weib mißhandelt. Daher kommt ſie häufig in den Hausgarten ge⸗ flogen, ſetzt ſich auf den Wipfel eines Birnbaumes und pfeift hernach:

Bauer, der Spitzbub! Er ſchlägt ſein Weib!

Andere, der Vogelſprache kundige Leute meinen, wenn die Golddroſſel ſo recht hell und voll pfeift, gebe ſie der Welt bekannt:

Meine Tochter heißt Lida, Lida!

Der heitere Schlag des Finken wird manchmal von den Bauernknaben gedeutet: Mein Väterlein, Gott laſſ' es ſelig ſein, War ein Schneider! Der Neuntödter(Strakapud) ſcheint mir beinahe ein k. k. officieller Lyriker zu ſein, da er angeblich ruft: Kaiſer Ferdinand! Kaiſer Ferdinand!

Die Urſache dieſes ſchwungvollen patriotiſchen Rufes iſt leider nicht bekannt; hätte doch auch mancher menſchliche Sänger wahrlich nicht angeben können, was ihn zu ſeinen hyperloyalen Strophen an das glorreiche Erzhaus Oeſterreich begeiſtert habe! Alſo nichts für ungut dieſem ſonſt recht⸗ ſchaffenen Vogel!

Den Ruf der Wildtaube legen die Landleute durch die Worte aus:

Bin ein armer, armer Gaſt,

Sitze ſtill am dünnen Aſt,

Habe eine Bohn' entdeckt

Und die hat mir wohl geſchmeckt Huk, kuk, huk!

Wenn die Wildgänſe hoch in den Lüften kreiſen, rufen ſie ermunternd dem Pflüger am Felde zu:

Pflüge, pflüge, pflüge! Tiefe Furchen ziehe!

Eine neue Erfindung.

Es wird allen Ernſtes vielleicht bald möglich ſein, daß man eine gewiſſe Doſis Kraft einpacken und per Poſt ver⸗ ſenden kann. Man denke dabei nicht an Kinderpulver, Fleiſchextract oder concentrirte Milch.

Der Dr. Siemens hat eine neue und wichtige Entdeckung

gemacht, die von großem Einfluß auf die Induſtrie werden

kann und großes Aufſehen erregt. Dieſelbe betrifft die Ver⸗ wandlung von Kraft in Elektricität und umgekehrt von Elek⸗ tricität in Kraft. Wird nämlich eine Stange weichen Eiſens ihrer Länge nach mit Draht umwickelt und ein Strom durch denſelben geleitet, ſo wird das Eiſen magnetiſch, wenn auch nur ſchwach. Verſetzt man aber dieſes Eiſen in raſche Um⸗ drehung, ſo häuft ſich dieſe Elektricität und wird ſo ſtark, daß der Draht ſchmilzt. Man erhält gleichzeitig eine Kraft, wie bis jetzt nur mit Hülfe der ſtärkſten Elektromagnete möglich war. Siemens hat vorläufig nur ſeine Idee mitgetheilt, deren weitere Ausführung noch ſpecielle Verſuche und prak⸗ tiſche Erfahrung erheiſcht. Wir wollen nur eine Folge der Erfindung, wenn ſie ausführbar wird, erwähnen. Man wäre nämlich unabhängig in der Wahl der Arbeitsplätze und

Alfred Waldau.

bönr