an
inem
ver⸗ tter⸗ tigen ldete erne ehen igen
ge⸗ iſch:
Lal⸗
8
—
.
— behauden Lippen fragte er:„Und hat ſich Doctor
Vierte Folge.
8 vielleicht auch vor Thereſen, haben Sie wohl kein Ge⸗ heimniß?“
„Hm, vielleicht doch eins. Bitte, ſagen Sie mir, warum Sie zuweilen ſo gemeſſen gegen mich ſind und nehmen Sie mein Ehrenwort, daß ich über ihre Mittheilung ſchweigen werde, wie das Grab.“
Cornelia reichte ihm die Hand und ſagte:„Ich glaube Ihnen. So hören Sie denn: An einem Ge⸗ ſellſchaftsabende im Hauſe Ihrer Eltern hatte ich mich auf einige Augenblicke in dem grünen Cabinet niedergelaſſen. Ich war müde vom vielen Umher⸗ gehen, Sprechen, von der Muſik und dem Geſchwirr der vielen Stimmen in den Salons. Da höoͤrte ich eine Dame, welche am Eingang des Cabinets ſaß, zu ihrer Nachbarin ſagen: Denken Sie, Liebſte, Baron Werthern hat ſich geſtern mit der Gouvernante ſeiner kleinen Tochter verlobt!⸗
⸗Iſt’s möglich?« lautete die Antwort.
»Gewiß, dieſe Gouvernanten ſind faſt alle un⸗ ausſtehliche Geſchöpfe, im Alter grämlich und an⸗ ſpruchsvoll, in der Jugend kokett. Haha, ich bewundere die gute Sternberg: dieſe kluge, pretentiöſe, ſtolze
Harder in’'s Haus zu nehmen! Mich ſoll es nicht
wundern, wenn ſich nächſtens der reiche Doctor Selten um ſie bewirbt, oder gar der junge Sternberg in ihre Netze fällt. Dieſe abſcheulichen Weſen niſten ſich in den beſten Familien ein und nehmen unſeren Töchtern die Partieen weg.“— Jetzt, lieber Eduard, werden Sie begreifen, warum ich mich vor Zeugen ſo kalt gegen Sie benehme. Ich bin durchaus nicht geſonnen, das mir theure Haus Ihrer von mir hoch⸗ geehrten Eltern zu verlaſſen, aber ich wünſche auch nicht, den böſen Zungen der Damen, welche Ihre
4 Frau Mutter beſuchen, Stoff zu boshaften Bemer⸗
kungen zu geben.“
Eduard hatte, wie die Menſchenkennerin Corne⸗ lia ſogleich bemerkte, nur das gehört, was ihn er⸗ ſchreckte und über die Natur ſeiner Empfindungen für Cornelia aufklärte. Dunkelroth im Geſicht und mit
Selten bereits um Ihre Hand beworben? Aber, ver⸗ zeihen Sie, ich vergaß, daß ich kein Recht zu dieſer Frage habe!“
„Gewiß nicht, ich glaube— das heißt— jeden⸗ falls munterte ich den Doctor nicht auf; ich denke, daß er eben ſo wenig Neigung hat, ſich um mich zu bewerben, als ich, ihm meine Hand zu geben.“
„Iſt das gewiß wahr, Cornelia?“ „Mein Wort darauf, Eduard.“
Der junge Mann ſchwieg, wie gern hätte er ihr jetzt ſeine Empfindung offenbart, aber wie konnte er
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das wagen? Was war er, der Jüngling ohne eine. Stelle im Leben, gegen ſie, dieſe Unvergleichliche?
So dachte Eduard und dieſe Gedanken wirkten ſehr niederſchlagend auf ihn. Cornelia las in ſeiner Seele. Lachend ſagte ſie:„Was haben Sie denn, lieber Freund? Sie ſehen ja ganz melancholiſch aus; iſt es Ihnen nicht recht, daß ich Doctor Selten's Braut weder bin, noch jemals ſein werde?“
„O Cornelia!“ ſeufzte er und blickte ſie ſo innig an, daß ſie erröthete. Seit dieſem Tage herrſchte ein unausgeſprochenes Einverſtändniß zwiſchen Beiden. In der Geſellſchaft begegneten ſie einander mit kühler Höflichkeit: ſahen ſie ſich unter vier Augen, ſo ſprachen ſie mit geſchwiſterlicher Vertraulichkeit zuſammen. Dabei gab Cornelia auch in Gegenwart Anderer Eduard oft Gelegenheit, ihr ein Wort zuzuflüſtern, oder ſie beglückte ihn mit einem ihrer ſprechenden Blicke für den ganzen Tag...
Ende Oectober verließ der junge Sternberg ſeine Familie, aber nicht eher, als bis Cornelia ihm ver⸗ ſprochen hatte, ſeine Briefe zu beantworten.
„Aber,“ ſchloß ſie ihre Rede, als er lange um Erfüllung ſeiner Bitte gefleht hatte,„Schreiben Sie mir ſelten, denn was würden Ihre Eltern denken? Meinen Sie, daß dieſe es nicht bemerken werden, wenn Sie an mich ſchreiben? Oder glauben Sie, daß ich ein Geheimniß daraus machen würde, wenn ich Briefe von Ihnen erhielte?“
„Ich glaube, daß Sie aufrichtig und edel ſind, theure Cornelia, und ich werde Ihnen ſelten ſchreiben, denn Sie ſollen nicht durch mich gezwungen werden, die ſchöne Aufrichtigkeit Ihres Charakters verleugnen zu müſſen. Meine Eltern— doch jetzt habe ich erſt meine Studien zu vollenden, um ſobald als möglich ſelbſtſtändig zu werden. Wenn ich über's Jahr in die Ferien komme: werde ich Sie noch hier finden? Un— verlobt?“ 3
Er ſah ihr forſchend in die Augen.
„Gewiß, Eduard; mein Herz iſt nicht ſo ſchnell zu gewinnen, und ohne die Zuſtimmung meines Herzens verſchenke ich meine Hand nicht.
An einem hellen Januartage ſtanden Cornelia und Thereſe am Fenſter des Speiſezimmers und blickten hinab auf die Straße, welche zu dieſer Stunde bei ſchönem Wetter gewöhnlich ſehr belebt war.
„Sieh nur den herrlichen Schlitten des Geheim— raths!“ rief Thereſe;„ich wünſchte, Papa ſchaffte auch einen ſolchen Schlitten an zu unſern ſchönen Rappen. Ha, da kommt Papa, er bringt einen Herrn mit, den ich noch nie ſah; ob der Fremde vielleicht ein alter Bekannter von Papa iſt, ob Papa ihn mit zum Diner bringt?“


