Jahrgang 
27-52 (1867)
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* vertraute. Vor Allem hatte ſie verſtanden, ſich die Zeichnerin ſogleich zu erkennen vermocht hätte. An ¹ Freundſchaft Eduard's zu erwerben, welcher zu den einem Geſellſchaftsabend, während Alle im Salon 4 ſchüchternen Naturen gehörte, die, einmal zutraulich dem Geſange einer jungen Dame lauſchten, hatte An⸗ 4 gemacht, ſich deſto hingebender zeigen. Mit Fragen Cornelia, welche ſich heimlich bei Muſik langweilte, änz⸗ über den Gang ſeiner Studien hatte ſie ihn zum ein Blatt Papier ergriffen und daſſelbe ihrer Ge⸗ nner Reden gebracht und nachdem ihr dies gelungen war, wohnheit nach mit einer Bleiſtiftſkizze belebt. Als e in gab ſie ſich den Anſchein, als ob ſie an dem Stu ſie ſpäter von Frau Sternberg gerufen wurde, weil eſitzt dentenleben großen Antheil nähme. Daß der acht- beide Damen einen muſternden Blick in das Speiſe⸗ nzü⸗ zehnjährige angehende Student ſie im Stillen anbetete, zimmer werfen wollten, war das Blatt liegen ge⸗ iſt daß ſie die hohe Dame ſeiner Gedanken war, wußte blieben. Ein Freund des Hauſes betrachtete es und Der ſie wohl, aber ſie gab ſich den Anſchein, dies nicht warf es dann zu andern Zeichnungen in eine der ctor zu beachten. Als er ſie beim Abſchied um die Er⸗ Mappen, welche zur Unterhaltung im Salon umher⸗ zu laubniß bat, ihr ſchreiben zu dürfen, erklärte ſie mit lagen. lieblichem Lächeln, ſie würde ihm als Schweſter ant⸗ Der Carneval ſollte dies Jahr mit beſonderem worten, und Eduard fühlte ſich ſehr ſtolz bei dieſer Glanze gefeiert werden. Die Töchter einiger ange⸗ ¹ ük., Verſicherung, denn ſeiner Anſicht nach war Cornelia ſehener Familien hatten ſich verlobt und ſowohl in und Harder das vollkommenſte Mädchen der Schöpfung, ihren Häuſern, wie in denen ihrer Verwandten und 1 nren mit einem Wort: ein Engel. Freunde, wurden dieſe frohen Ereigniſſe gebührend 4 * 4 gefeiert. 1 dass Mit dem Beginn des Spätherbſtes bezog die Auch im Sternberg'ſchen Hauſe ſollten zwei Feſt⸗ 4

Vierte

unter dem Siegel der Verſchwiegenheit Jedem allein

Folge. 77¹1

Landſchaft, aus welcher der Kenner die Genialität der

abende ſtattfinden, die jüngeren Verwandten und

ard Familie Sternberg ihr ſtattliches Haus in der Stadt

ng 1 und von allen Seiten kamen Verwandte und Freunde Hausfreunde hatten für einen Ball geſtimmt, die in herbei, die Angekommenen zu begrüßen. Doctor Stern⸗ Andern für ein Souper, dem lebende Bilder voran⸗ mit berg liebte es, während des Winterhalbjahres offenes gehen ſollten; der gaſtfreie Sternberg entſchied, man lich Haus zu halten, dagegen lebte er auf ſeinem Land- müſſe, um es Allen recht zu machen, einen Ball und icht ſitze gern allein mit ſeiner Familie, benutzte auch die an einem andern Abende die Tableaux arrangiren.

ute mehrere ſtaatswirthſchaftliche Werke herausge⸗

Sommerzeit zu ſeinen literariſchen Arbeiten. Er

Bei dieſen Feſten ſtellte Cornelia ihre glänzenden Talente, die man bisher nur zum Theil gekannt hatte,

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hes, geben, welche von Fachmännern ſehr gerühmt wurden. in das beſte Licht. Sie half der Hausfrau nicht nur eren Frau Sternberg war liebenswürdig und, obgleich keine bei der Wahl der Speiſen, ſie legte ſelbſt mit Hand ſſen große Freundin von Geſellſchaften, doch ihrem Gatten an in der Küche, und die künſtleriſch gezierten Torten, llen 44 zu warm ergeben, um ſeinen Wünſchen entgegen zu das zu Blumen geformte Gefrorene, das ganze Arran⸗ der ſein. Sie freute ſich, an Cornelia eine Stütze zu gement der Tafel, von den Blumenſträußen in den enn haben, welche ihr beiſtand, für die Unterhaltung und Vaſen bis zu den zierlich geſchnittenen Broden, er⸗ ng, Deadenlichiei ihrer Gäſte zu ſorgen; auch fand bei hielt allgemeinen Beifall. Sie hatte für den Ball und en Freunden des Hauſes die junge, geiſtvolle Gou⸗ die angenehmſten Tanzcompoſitionen hervorgeſucht und var, vernante viel Beifall. war bei Gruppirung der lebenden Bilder auf das nen Von Eduard trafen häufig Briefe ein; er gefiel Thätigſte beſchäftigt. Sie ſelbſt wirkte beſcheiden nur in ren i ſeyr in Berlin, und lebte, wie er ſchrieb und wie einem Bilde mit, in dem letzten, und hinterließ einen tten auch Sternberg's Berliner Freunde beſtätigten, mit eben ſo wohlthuenden als bleibenden Eindruck, denn ſie ihre großem Eifer ſeinem Studium, der Philologie. The⸗ hatte Bild und Coſtüm höchſt paſſend gewählt.

und reſe entwickelte unter Cornelia's Leitung ihre Natur⸗ Mehrere Tage redete man in allen Geſellſchaften gor⸗ gaben zur Freude ihrer Eltern: es ſchien, als ob und Häuſern von den beiden reizenden Abenden im enn das Glück ſeine Huld der Familie Sternberg dauernd Steruberg'ſchen Hauſe und Jeder rühmte in dieſen 3 V zuwenden wollte. Cornelia war nicht muſikaliſch, Geſprächen die geiſtvolle, graziöſe Cornelia Harder. der dagegen zeichnete ſie ſehr gut. Vielleicht hatten ihr Die liebenswürdige Frau Sternberg hörte jetzt täglich eſe, bisher nur beſſere Unterweiſung und hinreichende Complimente über die glückliche Wahl, welche ſie helg Uebung gefehlt, um eine Landſchaftsmalerin von getroffen habe; was mußte nicht Thoreſe Sternberg n.. großer Bedeutung zu werden. Zuweilen, wenn ſie eben durch den Umgang und die Uwyerweiſung dieſer den V freie Hände hatte, nahm ſie ihren Bleiſtift und zeich⸗ Gouvernante gewinnen!.

ner nete auf das erſte beſte Blättchen Papier irgend eine Als das erſte Frühlingsgröt ſich zeigte, ver⸗ ſe.

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