Jahrgang 
27-52 (1867)
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ich Noch manche ſtille Tugend lebt

rend; In deinen Thälern hold umſchwebt, weiter Noch deine Fluthen ſingen und ſo Den alten frohen Freiheitsſang,

Und auf dem Meer die Kiele ſchwingen eines Sich bei des Sturmes Berſerkgang. aterne

Du ſelbſt in Frieden ruheſt doch

ſchrie Und denkſt nur halb der Zeiten noch, ruffte 4 Die einſt der Nord geſehen.

Tagen Von fern des Kampfes Donner brauſt; Mann Wird nicht das Vaterland umwehen Der Sturm, der unter Völkern hauſt?

eund Die Welt umglänzt dein Siegesglanz,

nen. Dein Haar umſchlingt der Lorbeerkranz Willſt du ihn nicht mehr tragen?

hern, Für Recht und Freiheit, Treu' und Ehr',

d in Glaubſt du, ſei nun nichts mehr zu wagen,

ſeiner Dein ſchön Gewerbe ſei nicht mehr?

ttung O Swea, ſchläft die treue Schaar

nach Und läßt durch falſchen Zeitgeiſt gar

noch Sich in das Netz der Selbſtſucht ſchlingen?

vom Und deiner Brüder Ruf voll Schmerz 1 Kann er nicht an dein Ohr mehr dringen,

tonas und rührt er nicht mehr an dein Herz?

4 O ganz gewiß! Einſt Gottes Hand, 2* Beſchuͤte treu ſtets Swithiods Land e In alten ſchweren Zeiten.

Sei pflichtgetreu, wie's ihm gefällt, So wird er ferner dich begleiten 1 Und ſteuern allem Trotz der Welt.

Verzage nicht, du Häuflein klein, Dein Siegsruf ſchall', wie ſonſt, darein, Baraf ſchon Völker ſinnen; Dann fällt die Kette, bricht das Band, Du wirſt den beſten Sieg gewinnen Für Licht und Recht im Nordenland!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

VYierte SFolge. 761

zeugung mehr und mehr abhanden gekommen, daß jedes literariſche Erzeugniß zugleich als ein tüchtiges, von ſolider Werkthätigkeit, von Fleiß und Ausdauer zeugendes Stück Arbeit betrachtet werden muß. Ob es dabei zugleich den höheren Anforderungen genügt und nach allen inneren und äußeren Seiten hin die Schönheitslinien eines Kunſtwerkes offenbart, iſt eine fernere Frage, die noch viel ſeltener mit Ja beant⸗ wortet werden kann. Die Macht, etwas Schönes, poetiſch Künſtleriſches zu ſchaffen, hat Niemand in ſeiner Gewalt, eben ſo wenig, wie er es in ſeiner Gewalt hat, ächter Dichter zu ſein. Iſt er aber keiner, ſo wird der Fleiß ſein Werk ehren und mit ſeiner Hülfe wird es ſelbſt dem mittelmäßig begabten möglich ſein, ein reſpectables Erzeugniß hinzuſtellen, welches den Schulregeln entſpricht und nicht jedem Profan⸗ verſtande eine Handhabe zu hundert Rügen darbietet. Solcher Romane gab es in früheren Decennien viele. Sie hatten Köpfe ohne vorzügliche Begabung zu Ver⸗ faſſern, Geiſter, die himmelweit von einem gottbe⸗ gnadigten Poeten verſchieden waren; aber ſie be⸗ mühten ſich, in Erfindung, Compoſition, Schilderung und Vortrag etwas Haltbares, der Wahrheit und Natürlichkeit ziemlich Angemeſſenes zu leiſten und nicht ſo zu ſchreiben, daß es für jeden Lehrer der deutſchen Sprache ein Aergerniß iſt. Sie ſchrieben ich rede hier nur von den Beſſeren ziemlich ausführlich und zogen ihre Bildung gewiſſenhaft zu Rathe. Manche von dieſen Autoren ſelbſt Frauen waren unter ihnen ragen noch als Lebende in unſere Zeit hinein.

Später iſt im Romanſchreiben eine neue Manier oder leider vielmehr Manierirtheit Uſus geworden. Man arbeitet raſch, flüchtig, arm an Schilderung uud Beſchreibung, aber reich an Thaten, die Verhältniſſe werden ſkizzirt, die Charaktere gleichfalls, wenn man es nicht vorzieht, Beides errathen zu laſſen, und die Handlungen müſſen ſich wie die Mäuſe über Tiſche und Bänke jagen, wenn die gute Hauskatze Zucht abweſend iſt. Man findet nur noch Dialoge, mit oder ohne Gedankenſtriche, aber ſtets mit Ab⸗ ſätzen, welche das Manuſcriptmachen noch mehr als die Ueberſicht erleichtern. Ein ſolches ſpringendes Erzählen iſt ſehr bequem, denn je flüchtiger und

Die Kinder der Todten. Von L. Gothe. ſummariſcher man verfährt, je mehr darf man die Na⸗

Berlin, bei Carl Lindow.

Wenn ich gegen Sie ſo oft über die Mängel der modernen Romane geklagt habe, ſo war es ja weſentlich neben vielen andern Schwächen die Leicht⸗

türlichkeit vernachläſſigen.

Wo dagegen ausführlich, wenn auch wie im Engliſchen oft ermüdend breit dargeſtellt wird, da iſt man gezwungen, Schritt für Schritt das Terrain

fertigkeit der Arbeit, welche ſtörend in die Augen der Wirklichkeit zu verfolgen und ſich immer in Acht

ſprang.

zu nehmen, daß man geſunden Erdboden unter den

Es iſt bei den Schriftſtellern die richtige Ueber⸗ Füßen behalte. Dieſe Ausführlichkeit führt die Ver⸗