Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte

und ich ſende denſelben beikommend mit der Bitte, ihn durchzuleſen, aber die vielen Fehler, welche Ihr kritiſches Auge ohne Zweifel darin entdecken wird, nicht zu ſtrenge zu beurtheilen. Sie erhalten mein Werk ohne Kopf und ohne Schwanz. Ich habe keine Form der Ein⸗ leitung oder des Schluſſes ſkizzirt, weil ich ſie nicht für noth⸗ wendig hielt, denn mein Wunſch iſt, durch den Lauf der Geſchichte den Fortſchritt der deutſchen Civiliſation bis zu unſern Zeiten herab nachzuweiſen, indem ich in ihren allge⸗ meinen Umriſſen von der Eintheilung, welche die Behandlung des Gegenſtandes ſelbſt befiehlt, Gebrauch mache. Der Schluß wird einen Rückblick auf das, worin unſere Zeit zu⸗ rück geblieben iſt, mit einem Aufruf an einen Jeden enthalten, dieſe Mängel in ſeinem eignen Falle zu verbeſſern und in dieſer Art Andern ein gutes Beiſpiel zu geben. Sollte dieſe Idee Ihnen nicht gefallen, ſo ſchreiben Sie es mir gefälligſt und ſagen Sie es mir, und ich will dann mich bemühen, einen andern Schluß zu finden.

Aber dieſes Jahr wurde durch ein viel mächtigeres Er⸗ eigniß in ſeinen Leben bezeichnet; in dieſem Jahre beſuchte er England zum erſten Male und wurde der Prinzeſſin Victo⸗ ria vorgeſtellt. Der Herzog und ſeine beiden Söhne kamen Ende Mai's in England an, wo ſie in Kenſington Palace, der Reſidenz der Herzogin von Kent, der Schweſter des Herzogs, reſidirten. Die Prinzeſſin und Prinz Albert ſtanden damals in ihrem ſiebzehnten Jahre, und zwar war die Prin⸗ zeſſin um einige Monate älter, als er. Ueber dieſen Beſuch wird uns nicht viel erzählt, aber eine intereſſante Note von der Königin theilt uns Einiges über den Eindruck mit, den der Prinz damals auf ſie gemacht hatte:Der Prinz war zu dieſer Zeit viel kleiner, als ſein Bruder, ſchon ſehr hübſch, aber ſehr ſtämmig, was ſich ſpäter, als er vollkommen aus⸗ gewachſen war, ganz verlor. Er war höchſt liebenswürdig, natürlich, unbefangen und heiter; voller Intereſſe in jeder Sache; mit der Prinzeſſin, ſeiner Couſine, Piano ſpielend und zeichnend; kurz, beſtändig beſchäftigt. Er bezeigte allen Perſonen, die er ſah, die größte Aufmerkſamkeit und die

Deutſchen beendigt,

Königin erinnert ſich noch ſehr deutlich, wie andächtig er eine in der Sanct Paulskirche gehaltene Predigt anhörte, als er mit ſeinem Vater und Bruder die Herzogin von Kent und die Prinzeſſin bei Gelegenheit des Gottesdienſtes, dem die Kinder aus den verſchiedenen Freiſchulen beiwohnten, vorthin begleitete. Es iſt in der That ſelten, einen noch nicht ſiebenzehn Jahre alten Prinzen zu ſehen, der eine Predigt mit ſo großer Aufmerkſamkeit anhört.

Aus London kehrten die Prinzen über Paris nach Brüſſel zurück, wo ſie bis zum April 1837 verweilten. Während ſie dort waren, verbreiteten ſich bereits Gerüchte über eine beabſichtigte Vermählung der künftigen Königin von Großbritannien mit dem Prinzen, aber die Königin erzählt uns, daß damals noch nichts der Art beſchloſſen war. Am 20. Juni 1837 ſtarb der König Wilhelm IV. und der Prinz

Folge. 747 belohnt werden mögen. Darf ich Sie auch bitten, Sich zu⸗ weilen Ihrer Couſins in Bonn zu erinnern und denſelben die gütige Geſinnung zu bewahren, mit welcher Sie uns bis jetzt begünſtigten? Seinen Sie verſichert, daß unſre Geiſter ſtets bei Ihnen ſein werden. Ich will nicht unbeſcheiden ſein und Ihre Zeit mißbrauchen. Glauben Sie mich immer Eurer Majeſtät gehorſamſten und treuſten Diener Albert.

Kurz nachher unternahmen die beiden Prinzen, wie man glaubt, um die öffentliche Aufmerkſamkeit von ſich abzulenken, eine lange Reiſe nach der Schweiz und dem nördlichen Italien, aber im October kehrten ſie nach Bonn zurück, um dort ihre Studien fortzuſetzen. Nach ſeiner Rück⸗ kehr ſandte der Prinz Albert der Königin ein Album, welches die Anſichten faſt aller Städte enthielt, die er in der Schweiz und in Italien beſucht hatte. Von dem Rigi ſchickte er der⸗ ſelben eine getrocknete Alpenroſe und aus Voltaire's Hauſe in Ferney einen Streifen Papier mit der Handſchrift des Philoſophen. Die Königin ſchreibt ſelbſt:Das Alles fand ſich in einem kleinen Album mit dem von der Hand des Prinzen beigeſchriebenen Datum, an dem jeder Ort von ihm beſucht worden war. Dieſes Album betrachtet die Königin als einen ihrer größten Schätze und ſie führt daſſelbe immer bei ſich, wohin ſie auch gehen mag. Zu dieſer Zeit hatte ſich zwiſchen der Königin und dem Prinzen noch nichts ereignet, aber dieſes Geſchenk zeigt, daß der Letztere in der Mitte ſeiner Arbeiten ſeiner jungen Couſine öfters gedachte.

Im nächſten October beſuchte er London wieder und dieſes Mal, um ſich mit der Königin Victoria zu verloben. Die Art, wie er den Vornhlag ſelbſt betrachtete, wird in dem folgenden Briefe des Königs Leopold an den Baron Stockmar mitgetheilt, welchen der Aönig nach ſeiner Unterredung mit dem Prinzen im Jahre 1838 ſchrieb und worin er ſagt:

Ich habe eine lange Unterhaltung mit dem Prinzen gehabt und ihm den ganzen Fall ehrlich und freundlich aus⸗ einander geſetzt. Er blickt auf die Frage von ihrem erhaben⸗ ſten und ehrenvollſten Geſichtspuncte. Er erwägt, daß Un⸗ annehmlichkeiten mit allen menſchlichen Stellungen untrennbar verbunden ſind und daß es deshalb, wenn man ſich Plagen und Verdrießlichkeiten unterwerfen muß, beſſer iſt, das für irgend einen großen oder würdigen Gegenſtand zu thun, als für Kleinigkeiten und Erbärmlichkeiten. Ich habe ihm geſagt, ſeine große Jugend würde es nothwendig machen, die Ver⸗ mählung noch auf einige Jahre zu verſchieben... Ich fand ihn in Betreff aller dieſer Puncte ſehr verſtändig. Aber Etwas bemerkte er ganz der Wahrheit gemäß.Ich bin bereit, ſagte er,mich dieſem Aufſchub zu unterwerfen, ſobald ich nur über die Zukunft Gewißheit habe. Wenn ich aber, nachdem ich vielleicht drei Jahre gewartet habe, finden ſollte, daß die Königin dieſe Vermählung nicht länger wünſche, ſo würde das mich in eine ſehr lächerliche Stellung verſetzen und bis zu einer gewiſſen Ausdehnung würde es alle Aus⸗

ſchrieb ſeiner Couſine folgenden Brief: Meine theuerſte Couſine!

Ich muß Ihnen einige Zeilen ſchreiben, um Ihnen zu dem großen Wechſel, der in Ihrem Leben eingetreten iſt, meine aufrichtigſten Glückwünſche darzubringen. Jetzt ſind Sie die Königin des mächtigſten Landes in Europa; in Ihren Händen ruht das Glück von Millionen. Möge der Himmel Ihnen in dieſer hohen und ſchwierigen Aufgabe beiſtehen und Sie mit ſeiner Kraft ſtärken! Ich hoffe, daß Ihre Regierung eine lange, glückliche und ruhmvolle ſein und daß Ihre Anſtren⸗ gungen durch die Dankbarkeit und Liebe Ihrer Unterthanen

ſichten für mein künftiges Leben zu Grunde richten.

Man ſcheint damals von Seiten der Königin gewiſſe Bedenklichkeiten befürchtet zu haben, aber in Bezug darauf liefert die Königin eine ſehr wichtige Note.Die Köni⸗ gin ſagt, eine ſolche Idee habe ſie nie gehabt, und ſie erklärte ſpäter dem Prinzen wiederholt, daß ſie ſich nie mit irgend einem andern Manne vermählt haben würde. Sie drückt indeſſen ein großes Bedauern darüber aus, daß ſie nach ihrer Thronbeſteigung ihre Correſpondenz mit ihrem Couſin nicht ſo aufbewahrt habe, wie ſie es vor derſelben that. Noch kann die Königin jetzt, fügt ſie hinzu, ohne