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lichen Schauſpiele) Euch das Theater mit ſammt allen ſeinen Sappermentern(Schauſpielern) zur Verfügung ſtellt.“
Ludwig Tieck iſt nie glücklicher, als an dieſem Tage geweſen. Wie berauſcht kam der alte, durch rheumatiſche Leiden zum Krüppel zuſammengezogene Dichter nach Haus. Die ganze Nacht dachte, ſimulirte, ſpintiſirte, ſcenirte er. Am anderen Tage richtete er das Luſtſpiel ein, dann las er es den für Dar⸗ ſtellung berufenen Theatermitgliedern vor und berieth ſich mit Felix Mendelsſohn⸗Bartholdy über die dazu nöthige Muſik.
Meiſter Ludwig, der Greis, war wie verjüngt; er wußte von keinem Alter, keiner Gebrechlichkeit des Leibes, keiner Rückſichtnahme ſeines körperlichen Zu⸗ ſtandes. Tag für Tag ſchrieb er, ſprach er, fuhr er herum— ſeine ganze Seele war bei dem Werke, das er hier in's Leben rufen wollte.
Und endlich kam der Tag, an dem es vor den zweifelnden und ſtaunenden Blicken des Publicums erſcheinen ſollte. Vor welchem Publicum! Alles, was Berlin an Berühmtheiten der Wiſſenſchaft, der Kunſt, an intelligenten Köpfen, an hervorragenden oder ſtrebenden Schriftſtellern, an Talent, an Geiſt, an Schönheit und Grazie fzuweiſen hatte, das wurde nach Potsdam in's königliche Schloß geladen, wo die erſte Vorſtellung vor ſich gehen ſollte.— Der Schreiber dieſer Zeilen war ſo glücklich, mit zu den Geladenen zu gehören und er muß bekennen, daß er die erhaltenen Eindrücke nie vergeſſen wird.
Die Bühne war möglichſt im altengliſchen Sinne, nur natürlich in hohem Grade ſchön und geſchmack⸗ voll ausgeſtattet. Im Orcheſter ſtand freudeſtrahlend der Componiſt, dahinter ſaß Tieck, leuchtenden Ant⸗ litzes, ſchön und verklärt wie ein Gott. Darnach ſchaarte ſich der Glanz des Hofes und dieſem ſchloſſen ſich auf anſteigenden Sitzen die eingeladenen Gäſte an. Was war hier Alles verſammelt! Da ſaß der große Humboldt, die Gelehrten Boekh, Bachmann, die Geſchichtsſchreiber Raumer und Ranke, alle Pro⸗ feſſoren der Univerſität, die Dichter Kopiſch, Kugler, Bettina von Arnim, die Paalzow, Theodor Mundt, Wilibald Alexis, Rellſtab, die Crelinger, Varnhagen
Jeitung.
von Enſe und die Menge alle der andern Ge⸗ ladenen.
Es war in der Zeit, da noch alle Welt für Friedrich Wilhelm den Vierten ſchwärmte. Sein Rednertalent, ſein Witz, ſeine Liebe und ſein Ver⸗ ſtändniß zur Kunſt hatten die Geiſter bezaubert und mit Hoffnungen erfüllt. Aller Herzen ſchlugen ihm entgegen, als er heiter, munter und lachend im Kreiſe der Gäſte erſchien.— Man konnte ſich in der That in die Epoche Verſailles zur Zeit der Ludwige verſetzt glauben. Das Königthum hatte einen Galatag, glänzender und ſchöner, als ihn je die Geſchichte geſehen.
Welches Vergnügen lag auf allen Geſichtern, welche Erwartung, welche Spannung! Es war ein großer Moment, als der König ſich ſetzte und der ſtrahlende Tieck dem feierlich daſtehenden Freunde im Orcheſter das Zeichen gab, welches die Muſik beginnen machte, dieſe reizende, originelle, zauberhafte Muſik, die ſich mit ſo innigem Verſtändniß der Dichtung ſowohl als den Ideen Tieck's angeſchmiegt hat. Der Hochzeitsmarſch iſt eine populäre, unſterbliche Compo⸗ ſition geworden; aber wie lieb, wie entzückend, wie duftig bald und bald wie humorvoll iſt nicht auch alles Andere! Mendelsſohn hat hier mit einer nicht genug zu bewundernden Meiſterſchaft das leiſe Flüſtern der Elfen, das Wehen und Rauſchen der Mondnacht, den ganzen Zauber der Liebe, zugleich mit dem plumpen Dreinpoltern der Rüpel, dem Wirren und Schwirren des tollen Puckgetreibes in ein harmoniſch auslaufendes Ganzes zu geſtalten gewußt. Lachen und Rührung, Uebermuth und Segenswünſche des Freundes ſchlingen ſich in Tönen gaukelnd durchein⸗ ander, die auch das verhärtetſte Herz ergreifen müſſen.
Wie ergriffen ſie damals zuerſt die auserleſene Verſammlung! Man lauſchte, man ſtaunte, man glaubte zu träumen! Und als nun vollends das Spiel begann, wie eine heilige Weihe kam es über Alle; man rückte und rührte ſich nicht, man ſaß wie verzaubert bis zum Schluß, wo ein nicht zu be⸗ ſchreibender Enthuſtasmus losbrach, wo Alles, vom König bis zum kleinſten Literaten hinab, jubelte,
klatſchte und durcheinander rief!
Feuilleton.
the Prince Consort.“
„The Earlier Vears of His Royal Highness 1
ſich an den Höfen vorſtellen und wurde zu allen Feſtlichkeiten in den Hauptſtädten eingeladen, an denen er dann Theil.
(Fortſetzung.) nahm. Er und ſein Bruder machten überall einen ſehr
Nach ſeiner Confirmation machte er eine ſchnelle Reiſe nach Berlin, Dresden, Prag, Wien, Peſt und Ofen, ließ
günſtigen Eindruck. Im Jahre 1836 ſchrieb er:„Ich habe endlich den Rahmen eines Verſuchs über die Denkart der
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