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wo iſt Hector? Einem ſehr langen, der als Kapaneus die Mauer von Theben zu erſteigen ſich anſchickte: ſteige über, du brauchſt keine Leiter! Einem dicken, der große Sprünge zu machen verſuchte: Schonung für die Bühne! Einem ſehr magern: gute Beſſerung! Eine reiche natürliche Locken⸗ fülle, nach antikem Begriff ein noch weſentlicherer Beſtandtheil jugendlicher Schönheit als nach modernem, durfte nicht fehlen. Toilettenkünſte jeder Art unterſtützten ohne Zweifel die Natur.
Durch unabläſſige Uebung und Beobachtung einer ge⸗ regelten Lebensweiſe, namentlich Enthaltſamkeit im Genuß von Speiſen, erlangten Pantomimen eine unbedingte Herr⸗ ſchaft über ihren Körper, eine Gelenkigkeit, Geſchmeidigkeit und Elaſticität, die ſie in den Stand ſetzte, jede ihrer Be⸗ wegungen mit Anmuth, Eleganz und Weichheit auszuführen. Durch dieſe Eigenſchaften entzückten ſie am meiſten die Frauenrollen, in denen es ihnen gelang, ihr Geſchlecht völlig vergeſſen zu machen.
Den Vorwurf der Unſittlichkeit und der corrumpirenden Wirkung, der den Pantomimen allgemein gemacht wurde, vermochten auch ſeine eifrigſten Vertheidiger nicht zu ent⸗ kräften. Selbſt junge Männer von ernſter Richtung ver⸗ mieden ſie zu ſehen; daß ſie nicht am wenigſten zur Entſittli⸗ chung der Frauen beitrugen, die den Schauſpielen überhaupt leidenſchaftlich ergeben waren, würde auch ohne die ſehr grelle Schilderung Juvenal's unzweifelhaft erſcheinen. Einer der letzten heidniſchen Geſchichtsſchreiber des Kaiſerreichs ſah in der Einführung der Pantomimen unter Auguſt ein Symptom eines allgemeinen ſittlichen Verfalles der Welt, der mit dem Beginne der Monarchie begonnen habe. 6.
Julius Moſen.
Wenn man in den letzten Jahren von Oldenburg hörte und ſprach, ſo war es unwillkürlich, daß man ſogleich dabei Julius Moſens, des kranken Dichters, mit tiefer Trauer dachte, der ſchon ſeit ſo langer Zeit bei aller geiſtigen Friſche körperlich hinſiechte. Er iſt nun endlich von ſeinen Leiden erlöſt worden. Der Tod hat ein Leben am 10. October abgeſchloſſen, das herrliche Blüthen getrieben und reiche Früchte getragen. Friede Deiner Aſche, Du liebenswerther, lieder⸗ reicher deutſcher Sänger!
Julius Moſen war am 8. Juli 1803 zu Marieney im ſächſiſchen Voigtlande geboren, beſuchte das Gymnaſium zu Plauen und widmete ſich, von 1822 an, an der Univerſität Jena, dann in Leipzig dem Rechtsſtudium. Die Jahre 1824— 26 verbrachte er mit einem Freunde in Italien. In die Heimath zurückgekehrt, prakticirte er als Advocat, bis er 1831 als Actuar am Patrimonialgericht Kohren angeſtellt wurde; dann aber, nach deſſen Uebergang an den Staat im Jahre 1834, ſetzte er ſeine Advocatenpraxis in Dresden fort, daneben, wie ſchon bisher, ſeine Mußeſtunden auf poetiſche Arbeiten verwendend. Im Jahre 1844 folgte er einem Ruf als Dramaturg mit dem Hofrathstitel nach Oldenburg und entfaltete dort eine umfaſſende Thätigkeit, in welcher er jedoch vielfach durch ſchwere körperliche Leiden gehemmt wurde. Seit längerer Zeit gänzlich gelähmt, lebte er, in Ruheſtand verſetzt, bis zu ſeinem Ableben in Oldenburg. Die erſte größere Dichtung, mit welcher Moſen vor das Publicum trat, war (1831) das märchenhaft allegoriſche„Lied vom Ritter Wahn“, zu welchem er in Italien die Anregung gefunden, und worin das Abſterben der helleniſchen Welt und die Sehnſucht nach den Verheißungen des Chriſtenthums geſchildert iſt. Ein
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Novellen⸗Zeitung.
Gegenbild dazu iſt das epiſche Gedicht„Ahasver“(1 838)— beide Gedichte in einer Art Halb-Terzine, wie ſie A. W. Schlegel für ſeine Ueberſetzungen aus Dante angewandt hatte. Volksthümlicher und kraftvoller als dieſe ſymboliſchen Epopöen ſind Moſens lyriſche Gedichte(erſte Sammlung 1836), von welchen mehrere, u. a.„Andreas Hofer“ und„Die letzten Zehn vom vierten Regiment“, Volkslieder geworden ſind. Als Novelliſt trat Moſen zuerſt auf mit„Georg Venlot“ (1831). Durch die Juli⸗Revolution angeregt, lieferte er ein muſterhaftes Bild aus dem neuern Völkerleben im„Congreß von Verona“(2 Bände, 1842). Seine„Novellen“(1837 — 46) ziehen in idylliſche Naturbilder eine geheimnißvolle Märchenwelt hinein, ohne daß beide Beſtandtheile ſich voll⸗ ſtändig durchdringen. Satiriſche Anklänge fehlen nicht; u. a. ſcheint es, daß Moſen in Dresden mit Tieck in unlieb⸗ ſame Berührungen gekommen war. Seit 1836 wandte er ſich vorzugsweiſe dem Drama zu und ſchrieb nach einander die Trauerſpiele„Cola Rienzi“,„Die Bräute von Florenz“, „Kaiſer Otto III.“,„Wendelin und Helena“,„Bernhard von Weimar“,„Der Sohn des Fürſten“,„Johann von Oeſterreich“. Dazu das Luſtſpiel„Die Wette“. Alle dieſe Dramen ſind durch eine erhabene Ethik ausgezeichnet, und be⸗ ſonders„Otto III.“ hat auch auf der Bühne verdiente An⸗ erkennung gefunden. Eine Geſammtausgabe der Moſen'⸗ ſchen Werke iſt(Oldenburg, 1863— 64) in acht Duodez⸗ bänden erſchienen..
Gaſthofspreiſe.
Zu den krankhaften Auswüchſen unſeres modernen Lebens, auf deren Heilung die Wohlfahrtsbehörden leiver bis jetzt noch ſehr wenig bedacht ſind, zählen in erſter Reihe die Prellereien in den Gaſthöfen, denen der Reiſende, einem Ausgeplünderten gleichend, ſchonungslos preisgegeben iſt. Einen neuen Beleg dafür liefert eine aus Innsbruck datirte Correſpondenz eines Touriſten, in der es unter Anderem wie folgt, heißt.
„Die Zahl der Reiſenden, welche die Brennerbahn be⸗ ſuchen, iſt jetzt ſchon eine immenſe, und wird ſicher noch zu⸗ nehmen, wenn die Verbindungen ganz feſt und regelmäßig ſein werden, was freilich bei einem ſolchen Werke nicht auf einmal möglich iſt. Innsbruck iſt durch dieſe Bahn in jeder Beziehung groß und bedeutend geworden, was namentlich die Hötelbeſitzer zuerſt begriffen haben. Ihnen iſt der Kamm
bedeutend geſchwollen, und ſie ſuchen ſogar ihre Collegen in
den größten Städten zu überbieten. Die Beſchwerden ſind allgemein, und ich glaube im Intereſſe des reiſenden Publi⸗ cums zu handeln, wenn ich mittheile, was ich hier in einem namhaften Hötel bezahlt habe, wo man mich mit einem An⸗ ſchein beſonderer Gnade und Herablaſſung aufgenommen hat.
Für die Wohnung im zweiten Stock nach dem Hofe und in der Nähe gewiſſer Localitäten 1 Gulden, für einen Stum⸗ pen Kerze 25 Kreuzer, für Suppe, ſchlechte Cotelettes, etwas Kartoffel, eine Unze Tyrolerkäſe, ein Glas Bier und ein Quart Wein 2 Gulden 30 Kreuzer, für eine Taſſe Kaffee 40 Kreuzer, für Bedienung, von der nichts zu ſehen war, 30 Kreuzer, und für den nicht benutzten Omnibus 30 Kreuzer. So iſt es mir und vielen Beſuchern des Brenners in Inns⸗ bruck ergangen.“
Klingt das, lieber Leſer nicht ganz erbaulich? Hoffent⸗ lich wird bald dieſem Unweſen, das ſo viel des Unſittlichen in ſich hat, energiſch von maßgebender Seite geſteuert. L.
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