Misrellen.
Ein junger Mann fing im Theater mit ſeinem Nach⸗ bar Händel an und forderte ihn endlich. Als er ihm am andern Tage gegenüber ſtand und ihn fragte, warum er keine Waffen habe, zog ſein Gegner ein Schächtelchen hervor und ſagte:„Ich bin ein Apotheker; von dieſen beiden Pillen ent⸗ hält die eine Gift, die andere nicht; wählen Sie eine, ich werde die andere verſchlucken.“ Der junge Mann lachte und machte Frieden. L
Ein berühmter Arzt, welcher darauf hielt, daß ihm jeder Beſuch mit fünf Thalern honorirt werde, erhielt in einer verheiratheten Dame eine neue Patientin. Als er ſie bei ſeinem erſten Beſuche verließ, begleitete ihn der Gatte der⸗ ſelben und drückte ihm vier Thaler in die Hand.
Der Doctor befühlte das Geld, während er nach der Thüre ging und merkte, daß er nur vier Thaler hatte. Beim Umnehmen des Mantels ließ er wie unverſehens das Geld auf den Boden fallen. Er bückte ſich, hob drei Stücke auf und der Hausherr holte ihm das vierte unter einem Stuhle hervor.
„Wo mag das fünfte hingerollt ſein?“ ſagte der Doctor, indem er that, als ſuchte er.„Es wird wol dorthin ge⸗ fallen ſein— ich habe Eile, Sie werden es ſchon wieder⸗ finden.“
Der Ehemann bejahte, gab mit bitterſüßer Miene den fünften Thaler und man trennte ſich unter artigen Grüßen.
ſäu der Schule. Flüſſe Ungarns?“
Schüler:„Die Donau.“
Lehrer;„Nun, und dann?“
Schüler:„Dann, dann die Achſe.“
Lehrer:„Die Achſe?— Was meinſt Du damit?“
Schüler:„J nun, mein Vater ſagte mir, was nicht auf der Donau von Wien nach Peſth kommt, das geht auf der Achſe.“ 8.
Lehrer:„Wie heißen die größten
Vom deutſchen Büchermarkt.
Marie Antoinette und ihr Sohn. Hiſtoriſcher Roman von Louiſe Mühlbach. Jena, bei Hermann Coſtenoble. 1867. 3
— Der Gegenſtand dieſes Romans iſt in Memoiren aller
Parteifärbungen, in hiſtoriſchen Erzählungen und vielen ausführlichen hiſtoriſchen Schriften nicht gerade ſelten be⸗ handelt. Doch das große Intereſſe und der Reichthum an Geſtalt, politiſcher Bedeutung und beſonders die einer ver⸗ zweiflungsvollen Uebergangsperiode zukommende patholo⸗ giſche Wichtigkeit werden dieſen Stoff mit ſeiner Perſonen⸗ fülle immer wieder zu neuer Behandlung empfehlen.
Daß es bei Louiſe Mühlbach niemals auf eine gründ⸗ liche, tief angelegte, oder gar auf eine, dabei zugleich künſt⸗ leriſche Behandlung eines geſchichtlichen Vorganges abgeſehen iſt, verſteht ſich von ſelbſt. Wohl aber verſteht es die Verfaſſerin beſſer, wie manche ihrer zahlreichen Rivalen, eine für den Dilettanten ganz vorzüglich angenehme Klarheit und Ueberſichtlichkeit in der Entrollung eines hiſtoriſchen Sujets an den Tag zu legen. Ihre Charaktere haben niemals geiſtige Macht und poetiſche Kraft, wie ſie die Zeichnung eines wirk⸗ lichen Dichters zu geben vermag, ja ſie frappiren nicht ein⸗ mal durch eine übernſchende Wahrheit ſpecialifirter, fein
*
Vierte Solge.
73⁵
getroffener Realiſtik. Aber ſie ſind bei all' der literariſchen Mittelmäßigkeit ihres Gemäldes doch mit techniſch geſchickter Hand dem Original der Wirklichkeit in deſſen Hauptumriſſen nachgezeichnet, und wenn ihnen auch das Leben tiefer Beſee⸗ lung fehlt, ſo haben ſie doch die Lebendigkeit eines beweg⸗ lichen Dialogs. Dieſer Dialog trägt freilich einen ganz uni⸗ formen, fabrikmäßigen Habitus an ſich, er hat, in höherem Sinne betrachtet, keine individuelle Färbung, aber er iſt da⸗ für kurz, durchſichtig, leicht und raſch zum Zwecke führend. Die Intriguen werden wie bei Bühnenſtücken aufgebaut und die Figuren präſentiren ſich und ſchwätzen ſich ab wie in einer modernen Geſellſchaft. Dieſes Weſen giebt eben dem großen Publicum und ſeinem auf Bequemlichkeit gegründeten Geſchmack ſo viel Zugang zu dieſen Erzählungen. Die be⸗ deutendſten Geſtalten der Weltgeſchichte ſind durch die ge⸗ ſchickte Univerſalbehandlung einer entgegenkommenden Ver⸗ flachung gleichſam zahm gemacht und der planſte Verſtand kann dieſe heraufbeſchworenen Löwen⸗ und Tigerſchatten dutzen oder gar mit zutraulicher Palſchhand ſtreicheln.
Bei alledem hat die geübte Verfaſſerin für die Entwir⸗ rung der politiſchen Gewebe einen ſcharfen Blick und wo der Gegenſtand es erlaubt, wendet ſie ſich mit Wärme jener Tragik zu, in welcher oft das Frauenglück und Frauenherz durch die Stürme der Geſchichte gebrochen wurde. Dieſer Vorzug wird bei Marie Antoinette ausgiebig und fördernd. Der in ſechs kleinen Bänden erſchienene Roman beginnt mit den erſten ſonnigen Tagen der ſpäter ſo vom Schickſal gemißhandelten Frau und ſchließt mit dem Tode ihres Soh⸗ nes, Ludwig's XVII. 3
Der Schatz des Alchymiſten. Nach dem Fran⸗ zöſiſchen von Stanislaus Graf Grabowski. Berlin, bei Sacco Nachfolger. 1867.
Ein ebenſo ausführlich gehaltener ſechsbändiger Ro⸗ man wie der vorige. Der Verfaſſer, welcher ſich hier als freier Ueberſetzer bezeichnet, iſt als ein gewandter, vielge⸗ prüfter Novelliſt bekannt, ſpeciell ſogar den Leſern dieſer Blätter. Nicht zugethan ſowohl der Tiefe wie der Schwer⸗ fälligkeit hat er eine leichte Vortragsweiſe und eine heitere Art zu erzählen. Der vorliegende Roman iſt überreich an Stoff und wird ſchon deshalb mannigfaches Intereſſe er— wecken, weil er nicht in die gewöhnlichen abgenutzten Zeit⸗ perioden hineinverlegt iſt, ſondern im 15. Jahrhundert in Frankreich ſpielt. Das giebt Gelegenheit zu einer neuen Staffage und zu einem Zeitcoſtüm in Gedanken, Sitten, Gebräuchen und Trachten, wie man es nicht täglich beſchrie⸗ ben findet. Wirklich iſt in dieſer Beziehung auch manches hiſtoriſch Intereſſante nicht mit üblicher Unkenntniß überſehen, obgleich dem Gegenſtande gemäß noch mehr Detailſtudien wünſchenswerth geweſen wären. An Spannung und leb⸗ hafter Unterhaltung gebricht es dem Leſer ſchwerlich und wir behalten uns vor, noch auf eine charakteriſtiſche Einzelheit mittheilend hinzuweiſen. O. B.
Unter der Fremdherrſchaft. Hiſtoriſche Erzählung von Carl von Keſſel.(Fortſetzung.)— Gedichte von Ernſt Troſt.— Literariſche Briefe
Inhalt:
Jurk. Auf Julius Moſen's Grab. von Otto Banck.
Feuilleton.„The Earlier Years of His Royal Highness the Prince Consort“.— Die Theatervergnügungen der Römer — Julius Moſen.— Gaſthofspreiſe.— Miscellen.— Vom
deutſchen Büchermarkt.


