Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte

Solge 731

der Erziehung auf der Univerſität in Bonn vollendet hatten. das Leben dieſes Neffen auszuüben. Sein Vater beſuchte uder Daß ſie der weiblichen Pflege und Aufſicht ſo früh entzogen in dieſem Jahre England und die verwittwete Herzogin von einer wurden, verurſachte der Großmutter derſelben in Gotha Coburg ſtarb. Die Königin erzählt uns, daß dieſelbe bereits di große Sorge, denn der Prinz war gefährlichen Anfällen der in einer ſehr frühen Periode den heißen Wunſch gebildet Bräune unterworfen. Die Schrift erzählt uns aber, daß hatte, es möge eine Vermählung zwiſchen ihrem geliebten undder Prinz ſchon als kleines Kind zeigte, wie ungern er es Enkel und der Maiblume, wie ſie die kleine Prinzeſſin unen ſah, unter der Aufſicht einer Frau zu ſtehen, und daß die Victoria zu nennen liebte, ſtattfinden. Dieſe glückliche Aus erben beabſichtigte Veränderung, anſtatt ihm Kummer zu bereiten, ſicht ſchien ſich erſt lange nach ihrem Tode zu eröffnen. Die vßar⸗ im Gegentheil ihm große Freude machte. Die beiden beiden Prinzen beſuchten mit ihrem Vater im Jahre 1832 Brüder erfreuten ſich eines ſehr geſunden Lebens. Es iſt ihren Oheim Leopold in Brüſſel und die nächſten zwei Jahre ein Gemälde des Knabenalters ohne einen Schatten und wurden unter beſtändigem Arbeiten zwiſchen Brüſſel und deare man kann ſich daher gar nicht wundern, daß derPrinz in Coburg verlebt. Prinz Albert entwickelte, wie bereits erwähnt itge⸗ ſeinen ſpätern Jahren oft auf ſeine glückliche Kindheit an⸗ worden iſt, eine große Vorliebe für die Naturgeſchichte und ſpielte und der Königin erzählte, daß er dieſelbe als die er und ſein Bruder machten einige Sammlungen, welche die glücklichſte Periode ſeines Lebens betrachte. Grundlage zu dem Muſeum in Coburg bildeten, welches Auf die Bitte der Königin hat einer der Couſins des jetzt das Ernſt⸗Albert⸗Muſeum heißt. Für die Scenerie des Prinzen, der Graf Arthur Mensdorff, welcher gelegentlich Thüringerwaldes, mit dem er nun ſo genau bekannt wurde, ſein Spielcamerad war, einen Bericht ſeiner Rückerinne⸗ behielt er ſein ganzes Leben hindurch eine ſehr große Vor⸗ rungen von demſelben aufgeſetzt und dieſe Denkſchrift liefert liebe, und viele Verſchönerungen um Balmoral und Osborne das lebendigſte Gemälde des Charakters des Prinzen während herum, die von ihm ins Leben gerufen worden ſind, verdan⸗ jetter Zeit: ken ihr Entſtehen den Erinnerungen an ſeine Heimath. Er ym⸗ Albert war als Kind von einer milden, wohlwollen⸗ war kein leidenſchaftlicher Jagdliebhaber; am liebſten jagte vor den Geſinnung. Nur das, was er für unrecht oder unehren⸗ er den Hirſch auf dem Anſtande, aber weniger aus Jagdluſt, nzen haft hielt, konnte ihn ärgerlich machen. Er war nie lärmend als wegen ſeiner beſondern Vorliebe für dieſes ſchöne Thier. ines oder wild. Zu allen Zeiten gewährten die Naturgeſchichte Im Jahre 1835 am Palmſonntag wurden die Prinzen nken und ernſtere Studien ihm großes Vergnügen. Albert ver⸗ Ernſt und Albert confirmirt. Die Feierlichkeit dieſer heiligen ent⸗ ſtand vollkomnien die Naivetät des coburgiſchen National⸗ Handlung machte einen tiefen Eindruck auf Albert und ſein charakters und er kannte die Kunſt, die Eigenthümlichkeiten religiöſer Sinn blieb ſein ganzes Leben hindurch ſehr tief das anderer Perſonen als eine Quelle des Scherzes zu benutzen. und thätig. Die Schrift ſagt:Tief durchdrungen von der ſſen Er beſaß ein natürliches Talent der Nachahmung und ein Ueberzeugung der großen Wahrheiten des Chriſtenthums, rken ſehr großes Verſtändniß der Auffaſſung des Poſſierlichen ging ſeine Religion weit über die bloßen Formen hinaus, eſſe ebenſowohl an Menſchen wie an Dingen; er war aber denen er in der That keine große Wichtigkeit beilegte. niemals ſtreng oder übler Laune; die allgemeine Güte ſeines Religion war für ihn keine Sache, die an gewiſſen Tagen, und Gemüths bewahrte ihn davor, einen Scherz, ſoviel Vergnü⸗ oder zu beſtimmten Zeiten des Jahres, oder bei gewiſſen rl, gen er auch daran finden mochte, ſo weit zu treiben, daß er formellen Gelegenheiten von ihm aufgenommen und mit ant den Gefühlen Jemandes damit weh gethan hätte. Von einer phariſäiſchen Ehrerbietung prahleriſch entfaltet wurde. ung ſeiner früheſten Kindheit an zeichnete er ſich ſowobl in ſeinen Seine Religiöſität war ein Theil ſeiner ſelbſt. Sie war uf⸗ Worten wie in ſeinen Handlungen durch die vollkommenſte ſeiner ganzen Natur eingeimpft und ſie beſtimmte jeden den moraliſche Reinheit aus, und dieſem Umſtande verdankte er Tag die Richtung ſeines Lebens.. en die von Jedermann ſoviel bewunderte Anmuth ſeiner Sinnes⸗(Fortſetzung folgt.) dt art. Schon als Kind liebte er das Schachſpiel in einem. 2 ren hohen Grade und er, Ernſt, Alexander und ich ſpielten oft Die Theatervergnügungen der Römer. das große Spiel zu Vieren. Während er noch ſehr jung Die meiſten Kreiſe der Gegenwart haben von den in. war, fühlte ſein Herz die Leiden der Armen ſehr lebhaft, Künſten, welche die luxuriöſen Römer auf der Bühne trieben, mF Wines Tages ſah ich, daß er einem Bettler verſtohlen ein einen eben ſo dunkeln, als oberflächlichen Begriff. Und doch vn Geſchenk gab, und dann ſagte er mir, ich möchte nicht davon wird durch Specialnachrichten darüber, wie ſie Friedländer en, ſprechen, indem er hinzufügte:Denn wenn man den Armen in ſeiner neuen Edition im nachfolgenden verkürzten Berichte de etwas giebt, muß man dahin ſehen, daß es Niemand weiß. giebt, jeder Gebildete gewiß lebhaft gefeſſell. 3 ner In ſeiner eignen Beſſerung war er unermüdlich. Als er Muſik und Tanz waren von jeher weſeutliche Beſtand⸗ die vierzehn Jahre alt war, arbeitete er für ſich ſelbſt ein ſehr theile aller dramatiſchen Aufführungen auf der römiſchen, wie ausführliches und ernſtes Programm ſeiner Studien aus, auf der griechiſchen Bühne. Die eigentliche, durch geſprochene 61 worin täglich ſechs und ſieben Stunden vor zwei Uhr und Scenen nicht unterbrochene Oper kannte das Alterthum zwar zwei Stunden des Abenrs für ſeine Arbeiten beſtimmt nicht, denn der Dialog wurde immer geſprochen. Diejenigen 4 waren.. Theile der Dramen aller Gattungen, für die neben dem 3 Das Jahr 1831 war eine wichtige Periode im Leben Dichter der Componiſt thätig war, waren ausſchließlich des Prinzen. Georg IV. war in dem vorhergegangenen Jahre Monologe und Chöre; Duette, Terzette, überhaupt mehr⸗ om geſtorben, Wilhelm IV. hatte den Thron von Großbritannien ſtimmige Geſangsſcenen gab es nicht. Im Dialog vermochte ki und Irland beſtiegen und da die Prinzeſſin Victoria nunmehr der Schauſpieler Geſticulation und Vortrag zu vereinigen, t 4 die unmittelbare Kronerbin war, ſo wurde die Herzogin von im lyriſchen Monologe aber trat eine ſolche Steigerung des ſt Kent für den Fall, daß der König William ſterben ſollte, Ausdrucks ein, daß die erſtere in Tanz, der letztere in Ge⸗ üt ehe ſeine Nichte großjährig ſei, zur Regentin ernannt. Dann ſang überging. Hier mußte entweder auf ein Darſtellungs⸗ ige wurde im Jahre 1831 ſein Oheim Leopold zum König von mittel Verzicht geleiſtet, oder die Aufführung zwei verſchie⸗ ter. Belgien erwählt, und begann einen bedeutenden Einfluß auf denen Darſtellern übertragen werden. Es geſchah das Letztere m 1 4 . 4 6.* p 1 4 A ÿö.