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einem Worte recht eigentlich als Bühnenlieferant. Aber er producirte allerdings zugleich als dramatiſches Genie erſten Ranges. Er dramatiſirte die engliſche Geſchichte, wie die großen italieniſchen Meiſter die
kirchliche Legende gemalt haben, welche auch von den
handwerksmäßigen Fabrikanten nur durch die Höhe ihrer Kunſt ſich unterſchieden, übrigens aber das Con⸗ ventionelle in der Darſtellung und eine Zeitlang auch den Styl mit den gewöhnlichſten Pinſelern gemein hatten. Heutzutage wäre es nicht denkbar, daß ein Dichter von der höchſten Begabung für längere Zeit in ſolchen Verhältniſſen, z. B. als Theaterdichter einer
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Novellen⸗Zeitung.
Pariſer Vorſtadtbühne, Eliſabeth war in dieſem Puncte vom 19. Jahrhundert (grundverſchieden und geſtattete es Shakeſpeare, ſeiner Nation einen Cyklus von Dramen zu geben, wie ihresgleichen keine andere Nation aufzuweiſen hat, und wie ſie wahrſcheinlich nie hätten entſtehen können ohne dieſes Zuſammentreffen einer unbefangenen derben Freude an dem nationalen Stoffe und einer großar⸗ tigen individuellen Dichterkraft.
Es bedarf keines Nachweiſes, wie Shakeſpeare auf dieſem Gebiete alle ſeine Vorgänger und Zeitge⸗ noſſen unermeßlich überragt.
Feuilleton.
„The Earlier VYears of His Royal Highness the Prince Consort“.
Unter dieſem Titel erſchien am 27. Juli c. im Verlag der Herren Smith, Elder u. Co. eine Schrift von 470 Seiten, welche von dem engliſchen Publicum mit dem größ⸗ ten Intereſſe geleſen wird, die aber auch unter dem deut⸗ ſchen Volke des höchſten Anklangs gewiß iſt, das mit dem größten Rechte auf den, leider! der Welt viel zu früh entriſ⸗ ſenen Prinz⸗Gemahl, der uns durch ſeine Geburt angehörte, ſtolz war und durch dieſe Schrift ſich mit Vergnügen über die Kindheit, die Jugend und das wichtigſte Ereigniß im Leben des Prinzen Albert, ſeine Vermählung mit der Kö⸗ nigin Victoria von Großbritannien und Irland, näher belehren laſſen wird. Das Werk— die Engländer nennen es The Queen's Book— wurde von dem General Grey unter der Leitung der Königin urſprünglich„blos für die Privat⸗Circulation unter den Mitgliedern ihrer eignen Familie und denjenigen Perſonen, welche wegen der Be⸗ ziehungen, in denen ſie zu der Königin oder dem Prinz⸗ Gemahl ſelbſt geſtanden hatten, an der Erzählung ſeiner frühern Lebenstage ein beſonderes Intereſſe fühlen möchten“, beſtimmt. Wir wiſſen es der Königin aufrichtig Dank, daß ſie auf jenen erſten Gedanken verzichtete und ſich entſchloß, die Schrift, welche des Intereſſanten über die Kindheit, Ju⸗ gend und Erziehung des Prinzen, ſein Verhältniß zur Königin, ihre Vermählung und ihr häusliches Leben bis zur Zeit der Geburt der Prinzeſſe Royal, der jetzigen Kron⸗ prinzeſſin von Preußen, ſo viel enthält, dem größern Pu⸗ blicum zugänglich zu machen, und wir ſtimmen dem Urtheil der Times vollkommen bei, daß dieſer Band, wenn das möglich iſt, die Hochachtung für den verſtorbenen Prinz⸗ Gemahl nur vermehren kann. Es ließ ſich gar kein beſſeres Mittel denken, die Schätzung ſeines Charakters zu vergrößern, als dieſe Schrift. Und daß dies der Hauptgrund der Ver⸗ öffentlichung derſelben war, ergiebt ſich aus der Vorrede, worin es heißt:
„Der Meinung einiger Perſonen gemäß handelnd, in deren Urtheil die Königin das größte Vertrauen ſetzte; auch glaubend, daß der freie und offenherzige Ausdruck ihrer eignen Gefühle, ſowie der des Prinzen, welche der Band ent⸗
hält, ſo iſt, daß er, wenn er veröffentlicht wird(ſo unge⸗ wöhnlich eine ſolche Veröffentlichung auch ſein mag), die
volle Sympathie eines Jeden erheiſchen wird,
deſſen Sym⸗ pathie oder gute Meinun
g wünſchenswerth iſt, und vor Allem fühlend, daß jedes Wort, welches von dem Prinzen ſelbſt kommt, eine beſſere und höhere Schätzung ſeines großen Charakters erzeugen wird, hat ſie kein Bedenken getragen, ihre Einwilligung zu der gegenwärtigen Veröffent⸗ lichung zu geben.“
Der Band iſt nur der erſte einer Reihe, in denen das Leben des Prinzen ſchrieben werden wird. Wir müſſen uns hier auf eine kucze Aufzählung des Inhalts beſchränken und werden nur einzelne Stellen von beſonderem Intereſſe daraus wörtlich mittheilen.
Prinz Albert wurde im September 1819 getauft und erhielt die Namen Franz Carl Auguſt Albert Emanuel, aber Albert war der Name, unter dem er allgemein bekannt war. Die Rede, welche der Geiſtliche, der die Taufhandlung beſorgte, bei dieſer feierlichen Gelegenheit hielt, iſt auf⸗ bewahrt worden, und einige Stellen aus derſelben werden als„durchaus prophetiſch für das ſpätere Leben des Prinzen“ daraus erwähnt. Als der Prinz acht Monate alt war, beſchrieb ſeine Mutter ihn im Gegenſatz zu ſeinem älteren Bruder Ernſt in folgenden Worten:
„Ernſt iſt für ſein Alter ſehr groß, ſichtsvoll. Seine Geiſt und Lebhaftigkeit.... Albert iſt prächtig— von einer außerordentlichen Schönheit; er hat große blaue Augen, einen ganz kleinen Mund, eine hübſche Naſe und in jeder Wange Grübchen— er iſt groß und lebhaft und immer heiter. Er hat drei Zähne und obwohl er erſt acht Monate alt iſt, fängt er ſchon an zu gehen.“
Ein Porträt des Prinzen im das der Schrift beigegeben iſt, welche ſeiner Schönheit als kleines geſpendet wurden.
Die Erziehung dieſer beiden Prinzen wurde gleich vom erſten Anfang an in einer ganz ausgezeichneten Art geleitet. Ihr Leben während der nächſten acht Jahre wird ſehr aus⸗ führlich beſchrieben und das davon aufgeſtellte Gemälde iſt eben ſo einfach wie reizend. Als die Knaben vier Jahre alt waren, wurden ſie ihrer Wärterin entzogen und der Sorge eines Erziehers, des Herrn Florſchütz, anvertraut, unter deſſen Aufſicht ſie funfzehn Jahre lang blieben, bis ſie ihre.
lebhaft und ein⸗
Alter von vier Jahren, beſtätigt die Lobſprüche, Kind in ſo reichem Grade
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