Jahrgang 
27-52 (1867)
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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

No. 46.

Leipzig, am 15.

V. Jahrgang.

Gine Mochenchronik für iteratur, Aunst, ſchöne Miſſenſchaſten und Geſellſchaft.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Uovember 1867.

Unter der Fremdherrſchaft.

Hiſtoriſche Erzählung von Carl von Keſſel. (Fortſetzung.)

Während nun Ortmann, nachdem er eine Hacke über die Schulter geworfen hatte und in den Hof getreten war, um dem Knechte und der Magd in's Feld zu folgen, ſchweigend ſeinen Weg fortſetzte, horchte Martha im Wohnzimmer auf, denn ein knarrender Tritt auf der Treppe wurde hörbar ünd die Stimme La⸗ combe's ließ ſich gleichzeitig vernehmen.

Hier iſt ein Brief, Capitän, ſagte die Pächterin, indem ſie den bereitgehaltenen Kaffee vor den Fran⸗ zoſen ſtellte und ihm zugleich das vorerwähnte Schrei⸗ ben überreichte.

Wo iſt Suſanne? fragte dieſer mit gekräuſelter Stirn, indem er ſich in einen Lehnſtuhl warf.

Sie hat uns dieſen Morgen verlaſſen, entgegnete

die Befragte ſchüchtern. Wie, verlaſſen? wiedepholte der Capitän ver⸗

wundert, indem er ſich emporrichtete.

Sie hat ſich ſchon in aller Frühe heimlich ent⸗ fernt und dabei geſagt, daß ſie ſich nach Hamburg begebe, fuhr Martha fort.Uebrigens iſt uns durch ihren ſtarren Eigenſinn ſchon viel Kummer bereitet worden, und Gott weiß, was es noch für ein Ende nehmen wird, ſetzte ſie heuchleriſch hinzu.

Ah, rief Lacombe,ſie ſpielte alſo die Spröde gegen mich, während ſie gegen Andere zaͤrtlich iſt. Gut, auf meine Ehr', ſoll wieder hierher zurück und... eh bien, will mir vertreiben die Zeit mit Mademoi⸗ ſelle Suſanne hab' Herz, ſehr groß Herz für die Lieb'.

Unter dieſen Worten erbrach er den Brief, welchen ihm Martha überreicht hatte und vertiefte ſich bald mit wachſendem Intereſſe in denſelben⸗ Endlich legte er das Schreiben bei Seite und ſagte zu der Pächterin:Auch ich kehre nach Hamburg zurück