Jahrgang 
27-52 (1867)
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722 Novellen

hier iſt die Ordre, welche mich als Adjutanten des Generals von Hagendorf dorthin beruft. Ich werde alſo die ſchöne Suſanne wiederſehen und parbleu! dann ſoll ſie mir Revanche für die Niederlage von geſtern geben!.

Der Franzoſe war aufgeſtanden und ſchritt be wegt und mitunter unheimlich lächelnd im Zimmer auf und ab. Er ſah offenbar ſchon im Geiſt das ſchöne Mädchen in ſeiner Gewalt und dann hoffte er uch an dem Geliebten deſſelben, an dem jungen Mann, der ihm ſo kühn entgegen getreten war, eine ſeinen Wünſchen entſprechende Rache zu nehmen.

Während Lacombe ſeinen Gedanken in dieſer Weiſe nachhing, ſaß der ehrſame Meiſter Stich in Hamburg, trotz der frühen Morgenſtunde, bereits voll⸗ ſtändig angezogen am Frühſtückstiſch, ſeiner Ehehälfte

genüber, und ſtürzte mit einer Haſt, als ſei für ihn

Minute, die er verſäume, von der größten Wich⸗ tigkeit, ſeinen Kaffee hinunter. Frau Gertrud ſchien aber gar nicht dieſe Anſicht zu theilen, ſondern viel mehr die Meinung zu hegen, daß dieſe Stunde des Beiſammenſeins mit ihrem Gatten ſich ganz beſonders dazu eigne, ihm über verſchiedene Dinge, die ihr miß⸗ fielen, eine tüchtige Strafpredigt zu halten.

Da ſitzeſt Du nun wieder wie auf Kohlen, ſagte ſie,und kannſt den Kaffee nicht heiß genug hinunter bekommen. Noch nicht einmal acht Uhr hat es geſchlagen und ſchon kribbelt es Dir in beiden Beinen, und man ſieht es Dir an, daß Du den Augenblick nicht erwarten kannſt, wo Du das Haus im Rücken haſt... Wo ſoll das hinaus, Meiſter Stich?... Kaum, daß Du Dir Zeit nimmſt, den Geſellen das nöthige Zeug zuzuſchneiden, und fort geht es dann über Stock und Stein!

Das verſtehſt Du nicht, Frau, antwortete Meiſter Stich, welcher ſich gern das Anſehen gab, als ſei ſeine Autorität im Hauſe über allen Zweifel erhaben.

Was ſoll ich nicht verſtehen? rief ſeine Ehehälfte pikirt, indem ſie eine herausfordernde Stellung annahm.Nicht genug, daß Du von früh bis ſpät auf der Straße und in den Gerichtshöfen und in den Wirthshäuſern liegſt und Dir Deinen Kopf mit Neuigkeiten anfüllſt, mehr als derſelbe vertragen kann, ſo zeigſt Du Dich durch Deine un⸗ manierliche Antwort auch noch undankbar gegen mich, denn ich möchte doch ſehen, was das Laufen und Umherrennen zuletzt noch für ein Ende nehmen ſollte, wenn ich in der Werkſtatt nicht nach dem Rechten ſähe und die Kunden, welche bei der ſchlechten Zeit ohnedem immer ſeltener werden, nach Kräften zu be⸗

Zeitung.

Meiſter Stich fühlte die Wahrheit dieſer Worte, und da überdies ſeine Herrſchaft auf ſehr hohlen Füßen ſtand, ſo fand er es auch jetzt nicht für gut, den ehelichen Zwiſt weiter auszudehnen, ſondern be⸗ ſchloß durch eine einlenkende, nachgiebige Antwort dem⸗ ſelben die Spitze abzubrechen.

Ich weiß, daß Du Dich des Geſchäfts wie eine fleißige, brave Frau annimmſt, ſagte er begütigend, aber dabei mußt Du auch nicht vergeſſen, daß wir Männer in dieſer ſchweren, bedrängten Zeit ebenfalls unſere ernſten Pflichten zu erfüllen haben.

Ernſte Pflichten? rief Frau Gertrud.Nennſt Du das etwa ernſte Pflichten, wenn Du den halben Tag in den Straßen herumgaffſt und die andere Hälfte über in den Wirthshäuſern ſitzeſt und Zeitungen

lieſt und das große Wort führſt und unvorſichtige Außerungen thuſt, die Dich zuletzt noch um Freiheit und Leben bringen werden?

Mögen ſie mich einſtecken, entgegnete der he⸗

auf die Bruſt legte,ich werde bei meinen Grund⸗ ſätzen beharren und nöthigenfalls dafür das Martyrer⸗ thum erleiden! 2

Daß ſich Gott erbarme! rief Frau Gertrud, indem Sie auf ihren Ehegemahl einen mitleidigen Blick warf,ich glaube wahrhaftig, Dein Bischen Verſtand iſt bereits übergeſchnappt, und kurz und gut, ich habe nicht länger Luſt, Deine Stelle hier zu verſehen und die ganze Laſt des Hausweſens allein zu tragen.

Ich bin recht gern bereit, entgegnete Meiſter Stich, indem er ſich wieder das Anſehen gab, als hänge von ſeiner Billigung Alles in ſeinem Haus⸗ halt ab.Dir jede Art von Erleichterung zu ge⸗ währen

ſagte Frau Gertrud.

Hm, ſo laß uns überlegen. Was meinſt Du, wenn ſich die Suſanne, deren Pathe ich bin, dazu ent⸗ ſchlöſſe, Dir in der Wirthſchaft zur Seite zu ſtehen? Sie iſt ein fleißiges junges Mädchen, von ſanftem, verträg⸗ lichem Charakter und dabei flink und manierlich, denn ſie hat bei dem alten Schulmeiſter, welcher der Freund ihres Vaters war, in der Kindheit etwas gelernt. Die Suſanne kann ich wohl leiden, ſagte die Meiſterin nachdenkend,und wenn Du einmal auf dem Pachthofe anfragen wollteſt

Sogleich, wenn Du es wünſcheſt, antwortete

um ſchleunigſt nach Hut und Stock zu greifen.

dienen ſuchte.

*

Nun, es hat ja nicht ſolche Eile! rief ſeine

roiſche Schneider, indem er pathetiſch die rechte Hand

Meiſter Stich, indem er dieſe Gelegenheit ergriff,

Es wird mir auch wirklich allein faſt zu viel⸗

der ſagte ein man Advo

mehr hina mit

dem