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Fechter vom gefährlichen Kampfe abzuhalten, flammten die
Stimmen des Volkes die Picadores zum muthigeren Angriffe
an, es mußte geſtochen, es mußte verwundet werden, der
Spanier kennt keine Gnade. Im Laufe des Kampfes zeigte
es ſich, daß dies wahrlich ein des Feſtes würdiger Stier war;
ſeine Stöße waren furchtbar. Er war ſich ſeiner ſtarken
Wehre bewußt, und rechtfertigte mit ſtolzer Kraft den Ap⸗
plaus, das Geſchrei der Menge. Alle Blicke richten ſich auf
ihn, jetzt bringen ſeine Hörner ein Pferd zum Wanken, Spa⸗
niens ſtolzes Volk erhebt ſich, es würdigt den Augenblick der
Gefahr, jubelt und tobt nach Blut, nach tödtlichen Wunden.
Pferd und Reiter wanken, ein zweiter Picador ſtürzt mit
ſeinem Roſſe, der Anblick iſt gräßlich ſchön, furchtbar erhaben.
Ein Knäuel ſtürzen Roß und Reiter; das Pferd empfängt
einige tödtliche Stöße und unterliegt. Das Volk raſt; dies
iſt ein Stier, wie ihn die Spanier lieben, dem ſie zujauchzen. Trompeten ſchallen, die Banderilleros umfliegen den gehörn⸗
ten Kämpfer. Flammen und Getös erfüllen die Lüfte, die Pfeile waren mit Raketen verſehen, um die Wuth des Stieres mit allen Mitteln zu vermehren. Neue Trompetenſtöße er⸗
tönen; doch welches Staunen ergreift uns: Luca Blanco tritt mit Grazie vor unſere Loge, alle Blicke der Augen wen⸗ den ſich gegen uns; der tüchtige Eſpada hält mit Würde eine Anſprache auf mein Wohl, und verkündet, daß er den Todes⸗ ſtoß mir zu Ehren führen werde. Mich ergriff ein eigen⸗ thümliches Gefühl; die Blicke der ganzen Arena waren auf mich gewendet; ein Geräuſch durchlief die Menge; ich kann es nicht leugnen, die nationale Huldigung ſchmeichelte mir.
Ich träumte mich in die ſchönen Zeiten zurück, in welchen die Habsburger die Herrſcher dieſes edlen Volkes waren. Der Rauſch, welcher mich erfaßte, war auf das Höchſte ge⸗ ſtiegen, das Spiel drehte ſich theilweiſe um mich, der Stier ſollte mir zu Ehren erlegt werden. Man flüſterte uns zu, daß nach ſpaniſcher Sitte ein Beutel mit Silber dieſe That zu lohnen pflege. Wir bereiteten die Colonaten. Luca ſchwingt das rothe Tuch, der Stier ſtürzt wüthend hin und her, plötzlich hat der Eſpada einen Augenblick erfaßt, und tief ſtößt er den Degen in den Rücken des Gegners, und zieht ihn, zum Jubel des Volkes, aus der klaffenden Wunde heraus. Das Thier iſt geſtürzt; mit triumphirendem Lächeln tritt Blanco vor unſere Loge, und unter den Jubeltönen des Tango americano und den Freudenbezeugungen der Zuſchauer ſtürzt die ſchwere Börſe zu den Füßen des Siegers. Ich fühlte mich glücklich, dem braven Fechter dieſen Lohn zu ge⸗ ben. In jeder Bewegung iſt Luca Blanco maleriſch; ruhig und ſtolz behandelt er den Kampf als ein Spiel. Während der Corrida verfolgte ihn einer der Stiere; Luca wollte ſich hinter einen Holzſchirm flüchten, doch das Thier blieb plötz⸗ lich wie feſtgebannt ſtehen; der Eſpada hielt inne, und ſtützte, auf einem Fuße ſtehend, den linken Arm ruhig auf die Bre⸗ terwand; der Mantel fiel an ſeiner Seite in reichen Falten hinab, und ſpöttiſch, als ſei es ein Lamm, betrachtet er lä⸗ chelnd den Gegner. Der Kampf hat keine Zwiſchenräume, doch tritt der Matadornach vollendeter That hinter einen der Schirme, da er den Beginn des Spieles ſeiner Quadrille überläßt. Der ſechſte, zu unſerm Bedauern ſchon der letzte Stier
war in die Arena gekommen. Ein ſchönes, ſtarkes Thier von goldgelber Farbe. Auch dieſer Kampf war voll Intereſſe, voll Bewegung. Beſonders feſſelte ein Moment die Blicke.
Der Stier hat das Pferd eines Picadors erfaßt und zu Bo⸗ den geworfen; der Reiter liegt halb unter dem Pferde im Sande; noch einmal ſtürzt das wutheytbrannte Thier gegen
Novellen⸗ZJeitung.
verloren; ein ergreifender Augenblick; doch der Stier ſtürzt in ſeiner blinden Raſerei über den Lanzenreiter dahin, wo⸗ durch derſelbe gerettet iſt. Joſe, der Matador⸗Anfänger, erlegt auch dieſes Thier, doch führt er nicht den ſichern Stoß wie Luca.
Die Corrida iſt geendet. Das Volk ſtrömt in den Kampfplatz und den Eingängen zu; und ich verließ mit höch⸗ ſter Befriedigung, im freudigen Taumel den mir unvergeß⸗ lich gewordenen Platz, auf dem ich die intereſſanteſten Stun⸗ den meiner Reiſe verlebt hatte. Lieſt man dieſe Zeilen in der Heimath im warmen Salon, beim dampfenden Theekeſſel, bei Butterbemmen und ſüßen Torten, ſo ahne ich, welches Loos mich treffen wird: der ſchöne Cirkel, welcher kleine Ex⸗ curſionen in der Heimath dem abenteuerlichen Reiſen, vor⸗ zieht, welcher im nahen Haine über das Flöten der Nachti⸗ gall, über das Zirpen einer Grille in idylliſche Betrachtungen ausbricht, wird im empörten Schrecken ausrufen:„Hat uns der arme Jüngling verlaſſen, um in fernen Landen zum Barbaren zu werden?!“ Ja, ſo wird man ſagen! und ich werde mich tröſten, und mit ironiſchem Lächeln antworten: „Ihr armen Leute wiſſet, fühlet nicht, was eine Corrida iſt! Welch ſtarker Sinn, welch herrliche Entwickelung der Kraft und der Geſchicklichkeit ſich in dieſem Nationalfeſte darſtellt!“ Ich liebe die Feſte, in welchen ſich die urſprüngliche Natur des Menſchen in voller Wahrheit zeigt, mehr, als die ver⸗ weichlichenden, ſittenloſen Unterhaltungen unſerer in Luxus verſchlammten Länder. Hier gehen Stiere zu Grunde, dort verſinkt Geiſt und Seele in kraftlos ſentimentalem Tand. Ich leugne es nicht, ich liebe die alte Zeit! nicht die der ver⸗ gangenen Jahrzehnte, wo man im Nimbus des Haarpuders unter lau⸗flauen Idyllen, zwiſchen üppigen Wieſenblumen dem gähnenden Abgrunde entgegen kollerte; nein, die Zeit unſerer alten Ahnen, wo ſich in Turnieren Ritterſinn entwickelte, wo das tüchtige Weib nicht bei jedem Blutstropfen ein Riech⸗ fläſchchen verlangte und eine Ohnmacht fingirte, wo man
Forſte, nicht wie jetzt hinter Barricaden. Dieſe ſtarke Zeit hat ſtarke Kinder erzeugt. Was iſt uns als Erbtheil von der Väter männlichen Luſtbarkeiten übrig geblieben? Vielleicht die Jagd? Nein! Wir nennen uns Jäger, ſchicken aber nur aus weiter, geſicherter Ferne dem gezähmten Wild⸗ ſchweine eine tödtende Kugel zu. Nur der Krieg iſt's, den
noch nicht abſchaffen konnten, und zwei Feſtlichkeiten, welche ſich in zwei noch nicht verſunkenen Völkern erhalten haben. Es iſt die Fuchsjagd in England, bei der ſich der Mann Wag⸗ niſſen ausſetzt, die ſeiner würdig ſind, und kein Hinderniß ſcheut, um ſein Ziel zu erreichen; und wenn man auch ſagt, es ſei unnütz, ſein Leben für nichtige Dinge in Gefahr zu bringen, ſo glaube ich, daß Diejenigen, welche die unnützen Gefahren ſcheuen, auch den Muth im Unvermeidlichen nicht finden werden. Das zweite Feſt iſt das Stiergefecht in Spanien, ein wahres Volksfeſt aus alter Zeit. Es iſt wahr, daß die Leidenſchaften, die dem Menſchen innewohnende Wildheit erregt werden, doch wird es auch die Kraft;— und wer an dieſen Scenen enthuſiaſtiſchen Antheil nimmt, dem wird auch der Sinn für andere Dinge nicht fehlen, und er wird wenig⸗ ſtens nicht in Apathie untergehen. Im ſpaniſchen Volke iſt noch feſte, ſtolze Ritterlichkeit, und trotz des Feſtes, das ihre Väter ihnen überliefert haben, ſind die Spanier fromm und mildthätig. Alles hat ſeine Zeit und ſeine Stimmungen, und deren Wechſel iſt der höchſte Reiz des Menſchenlebens. Ich
das Roß und überrennt daſſelbe; man hält den Picador für
konnte lange nicht erfahren, woher das Stiergefecht ſeinen Urſprung hat, ob es den kühnen Mauren oder den edlen
nach dem wilden Eber und Bären jagte, und zwar im freien
die Philanthropen trotz ihrer dreißigjährigen Bemühungen
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