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710 Novellen
ſeine Gründe, die er Euch ſpäter mittheilen wird. Könnt Ihr ihm aber behülflich ſein, Meiſter, ſo thut es; Ihr dürft dafür auf meinen Dank und, wenn's gilt, auf meinen Beiſtand rechnen.“
„Ich möchte Sie gern in mein Haus nehmen,“ ſagte Mettlerkamp nachdenkend,„doch das geht nicht,
denn ich ſtehe bei der franzöſiſchen Polizei im ſchwar⸗
zen Buch und es wäre für ſie ein Grund mehr, die Augen auf mich zu richten. Aber ganz in meiner Nähe weiß ich ein hübſches Verſteck für einen Mann, der eben ſeine Gründe hat, in Zurückgezogenheit zu leben. So wollen wir denn miteinander aufbrechen,“ fügte er hinzu, indem er ſich erhob und Thalheim, der ſeinen Dank für ſolche Freundlichkeit ausſprach, die Hand drückte;„kommen Sie alſo, und ſeien Sie für heute mein Gaſt und morgen wird ſich das Weitere finden.“
„Vergeſſen Sie den eluſtigen Seefahrer⸗ nicht, wenn Sie meiner bedürfen,“ rief Georg, ſchüttelte ſeinen beiden Gefährten kräftig die Hände und verſchwand, nachd em er der„Tante“ ebenfalls eine „gute Nacht“ zugerufen hatte, raſchen Schrittes in der Finſterniß, indem er mit heller Stimme ein luſtiges Matroſenlied ertönen ließ.
Während Herr von Thalheim nun auf dieſe Weiſe ein augenblickliches Unterkommen bei Mettler⸗ kamp fand, ereigneten ſich am anderen Morgen auf dem Pachthof einige kleine Vorfälle, welche wir dem Leſer nicht vorenthalten dürfen, weil die dabei betheiligten Perſonen auch noch ſpäter in dieſer Erzählung handelnd auftreten werden.
Es war noch früh, als Suſanne mit einem Bündel unter dem Arme ihre Schlafſtube verließ und im völlig reiſefertigen Anzuge vor ihren Schwager und ihre Stiefſchweſter trat.
„Lebt wohl,“ ſagte ſie,„ich verlaſſe Euer Haus und begebe mich zu meinem Pathen nach Hamburg.“
„Wie, rief Martha ſichtbar überraſcht,„Du willſt alſo wirklich deine Drohung wahr machen?— Dein eigenſinniger Kopf beharret auf einem Vorſatze, den Du wahrſcheinlich ſehr bald bereuen wirſt.“
„Warum ſollte ich etwas bereuen, was ich ſehr wohl erwogen habe,“ entgegnete das junge Mädchen. „Mich zu Eunren ſelbſtſüchtigen Abſichten gebrauchen zu laſſen, dazu habe ich keine Luſt, und da ich hier keinen Schutz gegen die mich bedrohende Zudringlich⸗ keiten und Gefahren finde, ſo iſt es jedenfalls am beſten, ich ſuche mich denſelben durch meine Entfer⸗ nung zu entziehen.“.
„Du ſtreuſt uns keinen Sand in die Augen,“ rief ihr Schwager,„was Dich nach Hamburg zieht,
„Zeitung.
ſtellſt, als wenn die kleinen Aufmerkſamkeiten, welche der Capitän Dir ſchenkte, Dich das Schlimmſte be⸗ fürchten ließen, nimmſt Du keinen Anſtand, Deinen Ruf und Deine Ehre einem Menſchen anzuvertrauen, von dem Niemand weiß, wie er heißt und woher er iſt.“.
Suſanne erröthete. Ihr Gewiſſen ſagte ihr, daß dieſer Vorwurf kein unbegründeter war, aber ſie hatte auch keine Luſt, dies einzugeſtehen und am wenigſten ihren Verwandten gegenüber, von denen ſie wußte, daß nicht Theilnahme, ſondern Selbſtſucht ſie zu dieſer Aeußerung veranlaßte. Sie antwortete daher ziemlich trotzig:
„Wem ich meinen Ruf und meine Ehre anver⸗ traue, wird Euch wenig kümmern, dafür habt Ihr mir hinlängliche Beweiſe gegeben, alſo ſpart auch jetzt Eure Theilnahme. In dem Hauſe, welches ich mit dieſem vertauſche, werde ich ſo ſicher wie hier wohnen; meine Pathe und meine Muhme ſind rechtſchaffene, brave Leute, und ſo, denke ich, wird die Beſorgniß, welche Ihr für mich an den Tag legt, eine unbe⸗ gründete ſein. zu jeder Zeit gut gehen!“
„Dir auch,“ entgegneten die Pächtersleute, indem ſie die Hand, welche ihnen Suſanne mit Kälte reichte, nur leicht und ebenfalls ohne irgend ein Zeichen von Theilnahme berührten,— und ſo trennten ſich beide Theile.
derer Beſuch auf' der Meierei ein. Es war dies eintrat, das ſich indeſſen bei dem freundlichen Em⸗ pfang, welcher ihm zu Theil wurde, bald aufklärte. „Schon ſo früh?“ fragte der Pächter, den jungen Bauer mit einer Miene betrachtend, welche andeu⸗ tete, daß ihm der Grund ſeines Erſcheinens voll⸗ kommen bekannt ſei.
ihr zurück.“ Der Meier warf ſeiner Frau einen be⸗ deutungsvollen Blick zu und ſchwieg. „Sie hat uns ſoeben verlaſſen,“ ſagte dieſe, „ihrem hochmüthigen Sinne wurde es hier zu eng, ſie iſt nach Hamburg gegangen, um dort ihr Glück zu machen.“ Der unglückliche Liebhaber ſprang von ſeinem Sitze auf und Zorn und ſchmerzliche Enttäuſchung ſprachen ſich in ſeinem Geſicht aus.
wiſſen wir ſo gut wie Du. Während Du Dich an⸗
„Nach Hamburg gegangen?“ rief er.„Und Ihr konntet dies zugeben?“
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Und nun lebt wohl und möge es Euch
Während Suſanne rüſtig der Stadt zuſchritt, fand ſich übrigens bald nach ihrem Aufbruch noch ein an-
Clas Dirks, der mit einem etwas zerſtörten Geſicht
„Scheltet mich einen Narren,“ entgegnete Dirks, 4 „aber ich kann nicht anders, die Suſanne mußs mich behext haben, es zieht mich immer wieder zu 4 —„.
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