Jahrgang 
27-52 (1867)
Einzelbild herunterladen

K

peegen eines hübſchen Geſichtes.

,

als ſich die Thüre öffnete und ein neuer Gaſt eintrat.

empor und ſah dem Sprecher einen Augenblick prü⸗

woollte ich dieſe verteufelten Franzoſen wie Spreu

Meiſter einen Seſſel herbeiſchob,der Mann, dem

Pierte

Brigitte ihm reichte, in ſeine flache Hand goß und damit die verletzte Stelle einzureiben begann. Georg, bemerkte die dicke Frau theilnahmsvoll im ermahnenden Tone,wenn Ihr von den Händeln nicht laſſet, ſo wird es mit Euch wahrhaftig noch ein⸗ mal ein ſchlimmes Ende nehmen. Wo habt Ihr Euch den Denkzettel geholt? Gewiß geſchah es wieder

Georg wollte eben hierauf eine Antwort geben,

Es war dies ein Mann von etwa fünfzig Jahren, in der Tracht eines wohlhabenden Handwerkers, von ſtarkem Knochenbau, mit breiten Schultern und einem Blicke, in welchem ſich Meuth und Entſchloſſenheit aus⸗ ſprachen.

Einen Krug friſch aus dem Keller, Mutter Brigitte, ſagte er, indem er ſich mit freundlichem Kopfnicken an dieTante wendete und zugleich im Begriffe ſtand, an dem ihm zunächſt ſtehenden Tiſche Platz zu nehmen.

Willkommen, Meiſter, rief Georg aufſtehend, indem er zugleich dem neuen Ankömmling ſeine Rechte entgegenſtrecktewillkommen, und woher noch ſo ſpät, wenn ich fragen darf?

Der Bleidecker Mettlerkamp, ein Mann, welcher in der damaligen Geſchichte Hamburgs eine hervor⸗ ragende Rolle ſpielte, hob bei dieſer Anrede den Kopf

fend in's Geſicht. Dann verzog ſich ſein Antlitz zu einem freundlichen Lächeln, und indem er ſeine breite Hand in die unſeres Bekannten legte, ſagte er in ſchlichter, einfacher Weiſe, aber in einem Tone, der ihm aus dem Herzen kam:

Willkommen, mein Junge, und wollte Gott, ich hätte nur über fünfhundert ſo wackere Burſchen, wie Ihr ſeid, zu befehlen, dann ſollte es bald anders in unſerem armen Hamburg werden; zur Stadt hinaus

fegen, und es wird auch nicht eher gut werden, bis ſich ein Mann findet, der den Muth hat, mit gutem Beiſpiele voranzugehen und die Zaghaften und Unent⸗ ſchloſſenen zu einem kräftigen Handeln zu veranlaſſen!

Nun, entgegnete Georg, indem er für den

das Herz auf dem rechten Fleck ſitzt und welchen wir brauchen können, ſeid Ihr, und was die fünfhundert Burſchen anbelangt, ſo bürge ich Euch deren für tau⸗ ſend, wenn der Tag kommt, wo Ihr uns zu den Waffen ruft, um uns gegen den verhaßten Feind zu führen. Ja, wenn der reichsſtädtiſche Zopf nicht wäre, urmelte Mettlerkamp,dann befänden wir uns längſt

bekaunt werden laſſen.

i gutes Stück weiter. Aber aus dem alten Schlen⸗

Solge. 7⁰9

drian zu kommen nein, lieber läßt man ſich die Haut über die Ohren ziehen und das letzte Hemd vom Leibe reißen!

Die Schilderungen über das Elend, welches in der Stadt herrſcht, ſind alſo wohl nicht übertrieben? fragte Thalheim, ſich nun ebenfalls in das Geſpräch miſchend.

Uebertrieben? Man merkt es wohl, junger Herr, daß Sie hier fremd ſind. Das Elend geht mit der Tyrannei Hand in Hand. Aus dem Hafen ſind die Schiffe verſchwunden er iſt leer; die Comptoirs ſind geſchloſſen, die Kattundruckereien haben ſämmtlich aufgehört zu arbeiten, von 428 Zuckerſiedereien iſt etwa nur noch ein Dutzend im Gange, die Tabak⸗ fabriken ſind durch die Regie verdrängt worden, Acciſe⸗, Thür⸗ und Fenſterſteuer, Grundſteuer und andere zahl⸗ loſe Abgaben genügen nicht mehr, um die Geldgier der franzöſiſchen Vielfraße zu befriedigen, und während die Zufuhr immer knapper und das Brod immer kleiner wird, läßt der Gouverneur, General von Hogendorp, die Frauen auspeitſchen, wenn die Verzweiflung über ihre hungenden Kinder ſie ſchließlich ſo weit treibt, ihre Stimmen gegen unſere Peiniger laut zu erheben. Doch genug davon, mein lieber Herr, reichen Sie mir Ihre Hand, ich leſe es in Ihren Blicken, auch Sie tragen das Herz auf dem rechten Flecke, auch Sie fühlen, wie wir, die Leiden unſeres gemeinſamen Vater⸗ landes, Sie ſind ebenfalls bereit, für die niederge⸗ tretene Freiheit unſeres Volkes freudig Gut und Blut einzuſetzen!

Zu jeder Zeit bin ich hierzu bereit, rief Herr von Thalheim kräftig einſchlagend,je früher die Stunde der Erlöſung kommt, deſto willkommener ſoll es mir ſein!

So recht, ſagte Mettlerkamp,und was führt Sie hierher, wenn ich fragen darf? Denn iſt meine Vermuthung richtig, ſo ſind Sie nicht aus dieſer Gegend.

Der Herr kommt aus Heſſen, entgegnete Georg,

und der Zufall hat uns dieſen Abend miteinander Er hat ein Hühnchen mit dem ſauberen Herrn Benard zu pfluͤcken und außerdem iſt er auch mit Empfehlungsbriefen an Herrn Frie⸗ drich Perthes und an Herrn von Heß verſehen.

Dann doppelt willkommen, rief der Bleidecker, denn hieraus erſehe ich ſchon, daß Sie ganz zu den Unſeren gehören. Herr Perthes und Herr von Heß ſind meine Freunde, und wenn Sie an dieſe Em⸗ pfehlungsſchreiben haben, ſo ſind Sie auch mein Freund. Womit kann ich alſo dienen?

Der Herr beabſichtigt vorläufig ſo eingezogen wie möglich zu leben, bemerkte Georg,er hat dafür