Novellen
tend.„Etwa um ein paar tüchtige Löcher im Kopf, mein Junge?.. Bedenkt das wohl, denn dergleichen Liebesgaben ſind eher empfangen als gegeben.“
„Zu was noch weiter viele Worte verlieren!“ rief der junge Bauer, indem er ſeine breite nervige Fauſt ausſtreckte und ſeinen Gegner bei der Bruſt packte.„Seid Ihr ein Mann, ſo wehrt Euch, denn ich ſage Euch, Einer von uns ſoll dieſen Platz nicht mehr verlaſſen, ſo wahr ich Clas Dirks heiße und ſo wahr Ihr ein ſchlechter Kerl ſeid, der ſich durch Lug und Trug in das Herz Suſannens einzuſchleichen gewußt hat!“
„Zunächſt mit der Hand fort, Tölpel!“ rief der Angegriffene, indem er mittelſt einer ſchnellen kraft⸗ vollen Bewegung, welche von einer außerordentlichen Muskelkraft zeugte, ſeinen Gegner von ſich ſchleuderte; „und nun rathe ich Dir, Burſche, laß mich meines Weges gehen, wenn Du nicht willſt, daß die Drohung an Dir wahr wird, welche Du eben gegen mich aus⸗ geſtoßen haſt.“
„Verdammt will ich ſein, wenn es nicht jetzt
Zeitung.
Dieſen Worten folgte eine neue Anſtrengung, um ſich den Arm frei zu machen und das Meſſer in die Gewalt zu bekommen. Mochte Georg nun in ſeiner Aufmerkſamkeit einen Augenblick nachgelaſſen
haben, oder mochte er wirklich nicht im Stande ge⸗
weſen ſein, dem Stoß zu niderſtehen, genug, ſein Gegner ſchwang nun in der That die gefahrbringende Waffe und im nächſten Moment ſenkte ſich dieſelbe auf die Bruſt des jungen Mannes herab.
In dieſem Augenblick, wo aller Wahrſcheinlichkeit nach ſchon in der kommenden Secunde die Frage über das Leben oder den Tod eines Menſchen ent⸗ ſchieden werden ſollte, zeigte ſich unerwartet ein Dritter auf dem Kampfplatz. Der Mond, welcher ſich bisher in Wolken gehüllt hatte, trat plötzlich aus denſelben hervor und geſtattete auf dieſe Weiſe dem neuen Ankömmling, der eben am Ausgang des vorerwähnten Hohlweges erſchien, mit einem ein⸗ zigen Blick den ſtattfindenden Kampf zu überſehen. Ueberzeugt, daß zes ſich hier um die Rettung eines Menſchen handelte, ſtürzte er ſogleich mit einem lauten
ein- für allemal zwiſchen uns zur Entſcheidung kommen ſoll!“ rief der junge Bauer, indem er ein breites Meſſer hervorzog und ſich wie ein wüthender Stier von Neuem auf ſeinen Gegner ſtürzte.„Die Suſanne war gut und freundlich gegen mich, bis Ihr ſie durch Eure Teufelskünſte verblendet habt, und darum fahret zur Hölle, den ich haſſe Euch wie den Tod, und meine Schuld ſoll es nicht ſein, wenn Ihr hier lebend davon kommt!“
„Das iſt wenigſtens deutlich geſprochen,“ rief Georg, den Arm ſeines Feindes anffangend, welcher eben zu einem wüthenden Stoß ausgeholt hatte,„und nun, Burſche, mag es darum ſein, wenn Dich doch einmal ſo ſehr nach Blut gelüſtet, aber hüte Dich, daß Du nicht die Rechnung ohne den Wirth ge⸗ macht und Deine Kräfte überſchätzt haſt!“
Dies ſagen und ſeinen Gegner umſchlingen, war das Werk eines Augenblicks. Beide hatten noch ihre Meſſer gezückt und während ſie ſich gegenſeitig am rechten Arm umfaßt hielten, um den Gebrauch dieſer gefährlichen Waffe zu verhindern, rangen Sie, Körper
Athleten, Jeder bemüht, den Anderen niederzuwerfen
Ausruf zur Hülfe herbei, und wenn er auch den ge⸗ fährlichen Stoß nicht mehr abwenden konnte, ſo war ſeine unverhoffte Dazwiſchenkunft doch die Urſache, daß deſſen tödtliche Wirkung theilweiſe verloren ging, denn der junge Bauer erſchrak und ſeiner Hand und ſeinem Auge fehlte die ſonſtige Sicherheit.„Fahre zur Hölle!“ rief er,„und ſollteſt Du jetzt nicht genug haben, ſo bleibt dies bis zu einer ſpäteren Gelegen⸗ heit aufgehoben!“
Während er dieſe Worte ausſtieß und gleichzeitig die Flucht ergriff, wobei er bald in der Finſterniß verſchwand, ſank Georg zu Boden und das Blut drang unter ſeinen Kleidern hervor. Alsbald ſtand aber auch der Fremde neben ihm und beugte ſich über ihn.
„Sind Sie verwundet?“ fragte er mit theil⸗
nehmender Stimme.
„Es wird nicht viel zu bedeuten haben,“ ent⸗
gegnete Georg, der ſich jetzt langſam wieder aufrichtete;
„gut gemeint hat es der Burſche allerdings, aber
eigentlich war es doch nur die Fauſt deſſelben, welche mich zu Fall brachte, denn Sie müſſen wiſſen
ein
alle Ehre macht.“
an Körper, einige Minuten ſchweigend, wie ae. der Kerl hat eine Tatze, die ſeiner Bärennatur
„Haſt Du nun bald genug?“ rief Georg, der den jungen Bauer einen dumpfen Ton ausſtoßen hörte,„ welchen die Wuth, vielleicht auch die Ermattung her⸗ vorgerufen hatte.
„Prahler! rief dieſer, und ſein Arm legte ſich von Neuem wie ein Schraubſtock um den Leib des Anderen.„Tod und Teufel, Du wärſt doch der u Erſte, den ich nicht zu Boden geſtreckt hätte!“
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„Aber ſie bluten ja,“ rief beſtürzt der Unbekannte,
ich ſehe es deutlich, Ihre Kleider ſind befleckt!“ „Wirklich?“ entgegnete der Andere mit einer
Gleichgültigkeit, als handle es ſich dabei um eine ganz unbedeutende Sache.„Nun, dann kann es höchſtens ein Stich in's dicke Fleiſch ſein, und einige Umſchläge
nit kaltem Waſſer oder eine Einreibung mit Brannt⸗
wein wird den Schaden bald wieder gut machen.“
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